Abschließende Bemerkungen zur Technik

Nachdem wir die Reise >GoEast abgeschlossen haben und wieder im heimatlichen Hafen eingelaufen sind, ist es an der Zeit, unseren treuen Begleiter IVE einer Beurteilung zu unterziehen. Was hat sich als richtig, was hat sich als nicht ausreichend für eine solche Reise mit ihren Beanspruchungen erwiesen. Der Test war sehr umfangreich, jeder der schon mal im Iran, den Emirates, den ‚Stans` der Mongolei und Russland unterwegs war, weiss wovon ich/Jürgen rede.

Zunächst: Das Fahrzeug hat gehalten, was wir von ihm erwartet haben, wir sind überall hin gekommen. Der LKW ist solide, zuverlässig und einfach zu warten. Das Konzept: ‚was nicht da ist geht nicht kaputt‘ hat sich als richtig erwiesen. Die Kabine von MABU hat die Strapazen unbeschadet überstanden, alles ist noch dicht, nichts hat sich verzogen, die Aufteilung ist praxisgerecht.

Betrachtung im Einzelnen, auch die Teile die nicht durchgehalten haben

Fahrzeug und Aufbau:
IVECO 110.17 AW hat durchgehalten und ist über Stock und Stein gegangen, wie erwartet. Ein Manko ist die Aufhängung der Führerkabine. Zwei Gummipuffer, die hauptsächlich mit Scherkräften beaufschlagt werden, müssen ersetzt werden, was dann einer Laufleistung von 97.000km entspricht. Jeder der mit dem Fahrzeug auf solch eine Reise geht, sollte Ersatz dabei haben.
Zum Glück hatten wir die original Bundeswehrsitze gegen solche der Firma ISRI (5000) getauscht. Auf den von uns befahrenen Routen ist das dringend zu empfehlen.
Die Federung ist für Wellblechpiste unzureichend (Blattfedern). Die Kabine liegt gegen Ende der Reise hinten 5 cm tiefer als vorne. Wir werden neue Federn einbauen lassen und eventuell versuchen, mit anderen Stoßdämpfern die Schwingungen bei schlechten Fahrbahnen besser zu dämpfen. Man muss aber auch bedenken, dass der Wagen zu seiner Bundeswehrzeit immer beladen im Depot gestanden hat, ein Umstand, der den Federn sicher auch nicht gut getan hat.
Die Schweißnähte des Astabweisers mussten in UB nachgearbeitet werden. Da hatte ich bei der Dimensionierung zu kurz gegriffen. Im Prinzip ist es aber völlig ausreichend, den Astabweiser an den Regenrinnen zu fixieren, nur die Verbindungsstreben müssen stärker dimensioniert sein.
Die Aufhängungen des Auspuffschalldämpfers muss nachgeschweißt werden. Unterwegs habe ich mit Spanngurten improvisiert, man sollte immer genügend dabei haben.
In der Kraftstoffversorgung hat sich der SEPAR-Filter bewährt. Der Kraftstoff war immer sauber und wasserfrei, wobei ich nicht weiss, ob das was in die Tanks gefüllt wurde von ausreichender Qualität war. Der SEPAR-Filter wurde nach 37.000 km gewechselt. Zum Kraftstoff gibt es noch zu sagen, dass es im Iran recht kalt war und ich vermute, dass es dort keinen Winterdiesel gibt. Unserem Deutz war das egal, die Eberspächer-Heizung war wesentlich empfindlicher. Ich würde die Brennstoffversorgung für die Heizung aus einem separaten Tank sicherstellen, hier kann man dann Fließverbesserer einfüllen. Für die 400 Liter unserer Haupttanks würde das sehr teuer werden.
In Russland haben wir den billigsten Diesel getankt, nicht den Euro-tauglichen. Dem Deutz hat das nichts ausgemacht, wir haben jedoch von Overlandern mit modernen Fahrzeugen gehört, deren Motor-Management damit nicht zurecht kam. Aber es gibt ja Abschleppfahrzeuge.
Immer wieder wird die Reifenfrage heiß diskutiert. Wir haben Bridgestone M748 gefahren. Wir sind einmal im Sand stecken geblieben, im Matsch sind wir fast immer dank mehr ‚Schwung‘ und beherzterer Fahrweise gut durch gekommen. In Sibirien sind wir jedoch auch einmal im Schlamm stecken geblieben und hatten einige bange Stunden, in denen wir unser Hotel schon umkippen sahen. Wir kamen nur dank fremder Hilfe (Kamas 6×6) wieder frei.
Viel wichtiger war jedoch für uns, wie der Rollkomfort der Reifen auf den teilweise sehr, sehr schlecht Straßen ist. Wir haben den Druck in den Reifen auf 5 Bar abgesenkt, das war spürbar besser. Fahrwerk und Reifen kamen jedoch auf ‚Wellblechpisten‘ an ihre Grenzen. Das lag sicher auch zum Teil daran, dass die hinteren Blattfedern ‚schlapp‘ waren. Was die Reifen angeht, werden wir wieder M748 aufziehen. Nicht zuletzt sind die Laufleistung von mehr als 85.000 km und das geringe Abrollgeräusch beachtenswert.
Wir haben in 2 Tanks ca. 400 Liter Kraftstoff, zusätzlich noch 4 Kanister à 20 Liter. Damit kommen wir über 2.000 km weit. Der Kraftstoff ist uns nie ausgegangen bevor wir eine Tankstelle gefunden haben, was z.B. in Usbekistan schon mal schwierig werden kann.
Die Qualität unserer KCT-Fenster sehen wir noch recht zwiegespalten. Scheiben und Beschläge haben in Laufe der Jahre gehalten, was wir erwartet haben. Die Insektenrollos weisen jedoch zahlreiche Defekte auf, was sehr unbefriedigend ist. Wir stehen mit dem Hersteller jedoch in sehr konstruktivem Austausch, mal sehen was ein Update bringt. Wir würden trotz der hohen Kosten wieder zu KCT greifen, die Aussicht mit drei großen Fenstern im Heck ist einfach phantastisch.

Stichwortartig die Endurance der Inneneinrichtung:
Die Heizung (Eberspächer Hydronik M II/10) und die verwendeten ‚Baumarkt‘-Heizkörper haben gehalten. Die Verrohrung mit original Kühlerschläuchen zusammen mit Cu-Rohren war ebenfalls in Ordnung. Auf jeden Fall sehr gute Schlauchschellen verwenden. Die Warmwasserbereitung mit Isotemp Basic/24 Liter hat ebenfalls durchgehalten, das Volumen ist ausreichend.
Der Kühlschrank von WAECO (CR110) hat nicht durchgehalten. Die Verrohrung des Wärmetauschers ist zweimal undicht geworden (Schwingungsbrüche) und musste nachgelötet werden. Wir werden nach unserer Rückkehr nach einer Alternative suchen, oder den gleichen Kühlschrank nochmals kaufen und die Befestigung des Wärmetauschers nachbessern. Größe und Aufteilung des Gerätes sind für unsere Anforderungen perfekt, der Wirkungsgrad ist gut.
Der Gasherd von SMEV (CU400) mit seinen 4 Flammen, dem Grill und dem Backofen hat zum Einen durchgehalten und zum Anderen möchten wir auf die Möglichkeiten, die er bietet nicht verzichten.
Die Konstruktion der Möbel in Rahmenbauweise (Alvaris-Profile) mit eingeschobenen Tischlerplatten hat sich bewährt. Die Standartmöbelbeschläge (Schubladenschlösser) haben sich als zu schwach erwiesen.
Die Klappkonstruktion unseres Bettes mit Gashebern hat sich bewährt. Etwas unterdimensioniert sind die zwei Riegel, die das Bett während der Fahrt fixieren, da muss nachgebessert werden.

Beurteilung der elektrischen Komponenten:
Batterien haben gegen Ende der Reise stark an Kapazität verloren. Zu diesem Zeitpunkt waren sie aber auch schon fast 9 Jahr alt. Ich versuche die gleichen wieder zu bekommen (Rpower 12V/120Ah 2 x)
– das Batterieladegerät Sterling 2425 CED hat durchgehalten. Besonders in der Endphase der Reise hat es zusammen mit dem Generator die elektrische Versorgung sichergestellt
– der Generator ZIPPER ZI-STE2000IV ist mit einer Dauerleistung von 1.700 W völlig ausreichend bemessen. Ich halte einen guten Generator für unverzichtbar. Im Notfall ‚rettet er einem den Ar….‘. Unser ZIPPER ist auf der Reise zusammen 16 Stunden gelaufen.
– 24 V→ 12 V Wandler (Fraron CD2412P20A) habe ich zwei gleiche, einen im Führerhaus, einen im Aufbau. Haben klaglos durchgehalten
– Sinuswandler 230 Volt Wechselspannung (600W; mit verbesserter Luftkühleransteuerung) ebenfalls keine Probleme (Pur Sinus CLS600-24)
– Solarregler Westech MPPT-2210RN keine Probleme
Solarpanels 235W keine Probleme, ausreichend dimensioniert
Trenndiode Sterling 50 AMP. Hat durchgehalten und zuverlässig getrennt
Votronic LCD Batterie-Computer 200S gab verlässliche Info über den Ladezustand der Batterie
Votronic Anzeigen für Wasser und Abwasser haben durchgehalten. Einzig die Stecker an den Instrumenten sind nicht zuverlässig. Ich habe letztlich alles gelötet
– alle Leuchten haben gehalten

Wasserversorgung:
Zum Wasser ist zu sagen: Wir haben immer das Wasser aus den Tanks getrunken. Auch ohne abkochen, auch wenn es das selbe Wasser war, das die Menschen vor Ort getrunken haben, oder wenn es aus einem Bach stammte. Wir hatten nie gesundheitliche Probleme damit, wahrscheinlich ist es aber so, dass man, wenn man lange genug Zeit hat, an die Qualität adaptiert. Für unsern Sohn, der uns in UAE für eine Woche besuchte, haben wir Flaschenwasser gekauft.
Die beiden Tanks mit zusammen 400 Litern halten für mehr als 2 Wochen, das ist ok. Die Wasseraufbereitung mit Filtern (20 Müh + Aktivkohlefilter) und UV-Reaktor Purion 1000-24 E erzeugen einwandfreies Trinkwasser. Die Wasserpumpe Metabo P2000G, die zur Wasseraufbereitung genutzt wird, arbeitet einwandfrei. Die Tatsache, dass sie 230 Volt Wechselspannung benötigt stellt keinen Nachteil dar.
Die Shureflow Trailking Highflow 24V/10,6L Pumpe zur Druckwasserversorgung hat durchgehalten.

Gasversorgung:
Wir haben eine Gasflasche mit 11 kg und eine mit 5,5 kg. Die große ist an die Gasversorgung im Fahrzeug angeschlossen, die kleine benutzen wir für unseren externen Gasgrill. Wir haben auf der gesamten Reise weniger als 3 Flaschen 11kg/5,5kg verbraucht. Wir haben praktisch jeden Abend gekocht bzw. gegrillt, sowie täglich 2 x Kaffee bzw. Tee gekocht. Im Ausland ist das Füllen der Flaschen kein Problem, man muss nur den richtigen Adapter dabei haben. In Iran und Russland haben wir für einen Bruchteil des deutschen Preises unsere Flaschen gefüllt.

Sanitäreinrichtung:
Kassetten-WC Dometic CTLP 3030 ist ausreichend groß und hat durchgehalten. Einzig der Schwimmer, der über den Füllstand informiert, bricht nach einiger Zeit ab (ist mir bei meiner ersten Kassette ebenfalls passiert), aber ein Blick in den ‚Topf‘ informiert ebenfalls über den Füllstand.
SOG Absaugung hat voll überzeugt. Wir haben niemals ‚Chemie‘ verwendet und hatten keine Geruchsbelästigung. Lediglich sollte man darauf achten, dass bei heftigen Geländeetappen die Kassette nicht mehr als ½ voll ist, sonst kann es durch Schwall zum Verstopfen der SOG-Leitung kommen (recht unangenehm!).

Motorräder:
Es gilt je kleiner desto mehr Spaß. Die Betas ALP 200 sind genial. Sie machen viel Spaß, kommen überall durch und sind völlig ausreichend. Wer will auf so einer Reise schon 200 km Landstraße im Schnelldurchgang fahren? Einzig habe ich gelernt, dass man auf so langen Etappen Motorräder nicht ohne Schutz (-plane) transportieren darf. Wasser und Staub haben unsere Beiboote mehrfach stillgelegt. Das Auf- und Abladen mit Kettenzug ist zwar anstrengender als meine frühere elektrische Winde, aber auch nicht so störanfällig. Die Motorräder an den Fußrasten mit LKW-Gurtwinden zu befestigen ist simpel, stabil und preisgünstig. Wir haben ca. 3.500 km auf der Reise gefahren, das meiste davon auf ‚rauhen‘ Wegen.

Sonstiges:
Sandbleche braucht man nicht oft, aber wenn dann ist es oft der einzige Weg. Ich habe sie zweimal gebraucht, sind meiner Meinung nach nötig.
Ebenso Bergegurt, möglichst lang und stabil (15m, 25t), zweimal gebraucht.
Ebenso Abschleppstange; einmal gebraucht (siehe David und Golitah)
Ebenso Greiff-Zug, einmal gebraucht. Unbedingt zu hause üben. In Dunkelheit und Regen ist man froh, wenn man weiss wie das Teil funktioniert.
Ebenso Bergekissen; zweimal gebraucht. Unbedingt üben, wenn man kein Feuerwehrmann ist.
Reifenfüllausrüstung (Druckluft). Unbedingt empfehlenswert, vor allem wenn man Motorräder hat.
Das Garmin-GPS Dezl 760 funktioniert unter allen Bedingungen (Temperatur, Feuchtigkeit). Die Bedienung ist jedoch nicht mehr zeitgemäß, die Routenvorschläge sind außerhalb Europas auf jeden Fall zu überprüfen, da mitunter schlichtweg falsch. Der Kontakt zum Garmin-Service bei einem konkreten Problem war absolut unzureichend, ich hatte den Eindruck niemand hat meine Mail überhaupt gelesen, stattdessen bekam ich eine Einsendeadresse mit Kostenvoranschlag. In der Mail habe ich meinen Standort genannt: Kasachstan. Ein kundiger Overlander (Peter Scherer) hat dann unterwegs die Lösung meines Problems genannt. Ich werde mich um einen Alternative (Tablet) bemühen.
Der Satellitentracker (GV65PLUS) hat anfangs mit den unterschiedlichsten SIM-Karten unsere Position zuverlässig übertragen. Es war aber sehr umständlich, jeweils die unterschiedlichen Konfigurationen der SIM-Karten im Portal zu hinterlegen. Am Ende der Reise (Türkei/ Europa) war die mitgelieferte SIM-Karte für diesen Kontinent nicht mehr in der Lage, die Position zum Portal zu übertragen. Die Bemühungen des Betreibers waren zunächst erfolglos, nach einem zum Teil recht unfreundlichen E-Mail-Verkehr wurde das Problem gegen Ende der Reise gelöst.

Nachtrag vom 12.12.2017

Die jährlich fällige HU bei der DEKRA war aufgrund der Reisedauer überzogen. Äußerlich waren 2 Glühlampen defekt, die ich noch auswechselte und dann ging es zur Prüfung. An sich dachte ich, dass eine mehr oder weniger umfangreiche Überholung von Fahrwerksteilen notwendig sei, die Beanspruchungen auf der Reise waren extrem. Aber, bis auf eine Staubmanschette an einem Kugelkopf alles in Ordnung, Plakette zugeteilt. Erneut Respekt vor der Qualität des Fahrzeuges und der sachkundigen Arbeit der DEKRA-Prüfstelle in Aachen.

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