Projekt IVECO

Technische Daten unseres Fahrzeuges:

Fahrzeugtype:                   IVECO 110-17 AW
Maße (lxbxh):                    700 cm x 235 cm x 355 cm
Gewicht (reisefertig):     ca. 7,5 t (zul. Gesamtgewicht vor Ablastung 12 t)
Motor:                                   Deutz  6 Zyl.-Diesel mit Turboaufladung, 6,2 Liter, 168 PS
Getriebe:                              2 x 5 Gänge vorwärts, 2 Gänge rückwärts, permanent Allrad
Sperren:                                Längssperre, Quersperre hinten, pneumat. zuschaltbar
Fahrzeugelektrik:              24 Volt, 120 AH Fahrzeugbatterie + 120 AH Aufbaubatterie,
Energieerzeugung:           Generator mit 50 A Ladestrom, Solaranlage 235 W
Kraftstoffvorrat:                 440 Liter Diesel, 40 Liter Benzin (Kanister)
Frischwasser:                      400 Liter in 2 Unterflurtanks
Abwasser:                             70 Liter
Maße Kabine:                      450 cm x 220 cm x 210 cm
Maße Krad-Bühne:            100 cm x 220 cm
Heizung:                                Eberspächer Warmwasserheizung mit Brauchwassererwärumung
Wasserversorgung:           Druckwassersystem (warm und kalt) mit Shureflow Pumpe
Gasversorgung:                  1 x 11kg und 1 x 5 kg zum Kochen und Grillen
Fenster:                                  KCT-Echtglasfenster mit Sonnen- und Insektenschutz
Dachluke:                              Gebo Standart Luke mit Flansch 900 x 600, R 55

 

Details:

Wasser und Heizung:
Wir haben den Aufbau von innen nach außen aufgebaut. Erster Schritt war der Einbau der beiden Wassertanks. Das Volumen ist auf 1 x 250 l und 1 x 150 l verteilt. Die Tanks sind aus PVC und im Unterboden frostsicher eingebaut. Im Querschnitt erkennt man deren Lage unter dem Kabinenboden. Die Tanks wurden von der Firma Amalric Plastik in Sinzig  gebaut. Die Ausführung ist sehr solide und passgenau, man muss jedoch Geduld und Zeit bei der Auftragsabwicklung haben.

Anschließend erfolgte die Verrohrrung. Es kamen gewebeverstärkte Kunststoffschläuche zur Anwendung vom Durchmesser 1/2 Zoll. Die Stichleitungen zu den Zapfstellen erfolgt durch Schläuche aus dem Campingzubehör mit Durchmesser 10 mm. Die Abwasserleitungen sind aus Kunststoff-Spiralrohren. Zwischen den Wassertanks befindet sich ein breiter Installationskanal, der zum Verlegen von Leitungen jeglicher Art genutzt wird. Die Wassertanks werden durch zwei Tankstutzen auf der linken Fahrzeugseite gefüllt, der Wasserstand wird elektrisch gemessen und angezeigt. Alle Leitungen sind durch Ventile schaltbar. Zur Wasseraufbereitung mehr im entsprechenden Kapitel. Die Wasserleitungen werden von einer Shureflow Trailking 24 Volt, ca. 10l/min mit Wasser versorgt.

Gleichzeitig mit der Wasserinstallation haben wir die Kabinenheizung installiert. Es kam eine Eberspächer Hydronik M II/10 24 Volt Warmwasserheizung (Diesel) zum Einsatz. Im Wohnbereich der Kabine ist ein Röhrenheizkörper mit ca. 1,5 kW Leistung verbaut, sowie eine Hochleistungseinheit mit elektrischem Ventilator mit ca. 2 KW. Im Sanitärbereich ist ein weiterer Röhrenheizkörper mit ca. 1 kW Leistung vorhanden. Im Heizkreislauf ist ein Wasseraufbereiter aus dem Bootsbau mit 24 l Inhalt integriert. Die gesamte Heizung wird durch eine Regeleinheit von Eberspächer gesteuert, auf der Temperatur und Heizzeiten vorgegeben werden. Unsere Erfahrungen mit der Heizung sind positiv, man braucht mit Sicherheit nie zu frieren. Aber für unsere bisherigen Reiseziele, sowie für die zukünftig geplanten ist die Heizung an sich zu aufwendig. Hier hätten wir sparen können.

Möbel:
Für die Fertigung der Möbel haben wir uns sachkundige Hilfe bei einem ortsansässigen Schreiner geholt (Firma Vohn/Herzogenrath). Die Möbel sind in Rahmenbauweise (Aluminium-Profile 30 mm der Firma Alvaris) gefertigt. Ich habe einen genauen Plan gefertigt, der alle benötigten Längen enthielt, die Firma Alvaris hat gegen faire Bezahlung alle Längen exakt und sauber geliefert. Die Möbelflächen bilden Multiplextischlerplatten 5mm, die der Schreiner genau zugeschnitten hat und anschließend lackierte. Der Alu-Rahmen ist auf dem Boden der Kabine verschraubt und an den Wänden mit hochwertigem Montagekleber verklebt. Auf anraten des Kabinenbauers haben wir den Rahmen nicht an der Decke verschraubt, da es sonst bei Längenausdehnung (Wärme) zu extremen Spannungen kommen kann. Bisher hat diese Konstruktion einwandfrei gehalten, auch raue Bedingungen auf albanischen ‚Straßen‘ haben die Einbauteile klaglos überstanden.

Elektrische Versorgung:
Ich habe zunächst versucht, alle elektrischen Verbraucher mit 24 Volt zu betreiben. Leider wäre das extrem teuer geworden, deshalb wurden nur Dauerverbraucher bzw. Großverbraucher (Kühlschrank, einige Leuchten, Heizung, Kran) mit 24 V betrieben. Der Rest (Leuchten, WC)  wird über einen DC/DC Wandler mit 20 A/12V versorgt. Dadurch ist die Leitungsführung etwas kompliziert, man spart aber sehr viel Geld und hat eine größere Auswahl.

Neben dem Gleichspannungsnetz haben wir auch ein Wechselspannungsnetz (230V), das entweder über Außeneinspeisung versorgt wird oder über einen 600 Watt Sinuskonverter. Bei Außeneinspeisung wird die Bordbatterie ebenfalls durch ein 600 Watt Ladegerät (Sterling 2415 CED) geladen. In beiden Betriebsmodi kommen FI-Schalter zum Einsatz.

Um autark zu sein, haben wir eine 235 Watt Solaranlage. Dazu ist auf dem Dach ein Solarpanel verbaut, der erzeugte Strom wird über einen Regler (MPPT-2210RN) in die 24 Volt Batterie eingespeist. Wir sind mit dieser Konfiguration seit 2 Jahren unterwegs, bisher brauchten wir noch keine externe Steckdose. Sicher hängt das sehr von den Verbrauchsgewohnheiten und der Urlaubsregion/Jahreszeit ab.

Küche:
Wir haben in unserer Küche einen 110 l Kompressorkühlschrank Waeco CoolMatic CR110, einen 4-Platten Gasherd mit Back- und Grillbereich. Die Spüle mit zwei Becken hat sich als sehr sinnvoll erwiesen. Küchengeräte und Bestecke finden in Schubladen und Schränken ihren Platz. Alles hat bisher auch die übelsten Wege überstanden.

Bad und WC:
liegen im Eingangsbereich bevor man durch eine Innentür in den Wohnraum gelangt. Wie bei vielen Konstruktionen ist die Dusche gleichzeitig Eingangsbereich. Wir gingen noch einen Schritt weiter, unsere Duschtasse besteht nur aus einer großen ‚Faltschüssel‘ mit Ablauf in das Abwassersystem des Fahrzeuges. Sie kann, wenn nicht gebraucht, zusammengefaltet werden und findet so raumsparend ihren Platz hinter der Bad-Heizung. Im Bad selbst haben wir ein Waschbecken und einen WC Dometic CTS. Es handelt sich um einen Kassetten-WC mit Porzellan-Schüssel. Dank der gut arbeitenden SOG-Entlüftung kommen wir ohne Chemie aus und brauchen kein schlechtes Gewissen zu haben,  in einen Kanal oder in ein tiefes Loch (Spaten!!) zu entleeren. Wir kommen mit dieser Anordnung eine knappe Woche aus, ein zweites Kassettensystem scheint nicht notwendig und birgt immer die Gefahr der Undichtigkeit. Im Bad ist wie beschrieben auch ein Heizkörper über dem Handtücher getrocknet werden können. Weiterhin ist hier das Ausdehnungsgefäß für die Heizung.

Bett:
Unser Bett ist ca. 200 cm x 140 cm groß. Bei Matratzen und Lattenrosten haben wir nicht gespart. Alles ist auf einem Rahmen mit genannten Alvaris-Profilen montiert. Das Bett ist im vorderen Bereich der Kabine eingebaut, es lässt sich, wenn nicht gebraucht, hochklappen. Das hat sich als sehr praktisch erwiesen. Nachts findet unser Hund Minouk unter unserem Bett seine Schlafhöhle. Der Abstand zwischen Bett und Kabinendecke beträgt 70 cm, das ist vorteilhaft für das Raumempfinden, schränkt den Platz unter dem Bett bei heruntergeklapptem Zustand natürlich ein. Über dem Bett haben wir uns die genannte Dachluke gegönnt. Bisher konnten wir leider noch keine Sterne am Nachthimmel bewundern, der letzte Urlaub 2014 in Rumänien war sehr verregnet. Aber wir sind guter Dinge. Als nachteilig hat sich erwiesen, dass Luken im Bootsbau einen Aluminiumrahmen haben. Dort bilden sich Nachts Tautropfen, bisher sind wir aber noch nicht nass geworden. Die Luke kann, wenn es sehr kalt ist, mit einem ‚Stopfen‘ verschlossen werden. Das mitgekaufte Insektengitter ist notwendig. Durch die Luke gelangt man von innen auf das Dach, von wo aus man einen herrlichen Ausblick hat.

Trinkwasseraufbereitung:
Um Trinkwasser auch aus nicht sicheren Quellen verwenden zu können, haben wir eine umfangreiche Wasseraufbereitung installiert. Wir wollen möglichst ohne Chemie auskommen und wollen das Wasser auch nicht nachträglich in den Tanks mittels UV entkeimen. Aufgrund den recht verwinkelten Tanks (Schwallbleche) wären sehr viele Leuchten erforderlich, was einen recht hohen dauernden Energieverbrauch bedingt. Wir versuchen vielmehr das Wasser bevor es in unsere Tanks kommt aufzubereiten. Die erste Stufe stellt hierbei ein Sieb im Ansaugschlauch der Pumpe (Metabo P2000G/450Watt) dar. Anschließend kommt ein Durchflussfilter mit Filterwirkung ab 20μ, danach ein Aktivkohlefilter zur Anwendung. Dann erfolgt die endgültige Entkeimung mit einem UV System (Purion 1000/24Volt) und das Wasser kann in die Tanks gefüllt werden. Alle Komponenten sind modular und können je nach Erfordernis genutzt werden. Eine komplette Füllung (400 Liter) ist in ca. 0,5 Stunden erledigt, was einen Verbrauch von ca. 20 Wh unser Aufbaubatterie bedeutet. Da wir bisher in Europa unterwegs waren, wo die Versorgung mit Trinkwasser immer problemlos möglich war, ist der finale Test noch nicht erfolgt. Fakt ist aber, dass das System 400 Liter in 0,5 Stunden bereitstellt. Die Qualität der Aufbereitung ist noch nicht getestet, die Aussagen der Firma Purion scheint mir aber belastbar zu sein, da sie solche Systeme auch zu Verwendung in Afrika geliefert hat.

Sonstiges:
Wir heben unsere Motorräder mit einem Ausleger, an dem ein Kettenzug angebaut ist, auf die Bühne. Das Befestigen der Motorräder ist im Laufe der Jahre optimiert worden, im letzten Jahr habe ich 4 kleine Winden, die an LKW’s zum Aufrollen der Spanngurte verwendet werden angebaut. Die Winden sind auf dem Bodenblech angeschraubt, an den Bändern sind Haken angebracht, die ich in die Fußrasten einhänge. Mit einer Ratsche und entsprechender Stecknuss kann ich die Motorräder von unten in die Federn ziehen und beim Abladen entlasten. Die vordere Befestigung geschieht mit Spanngurten, wie sie bei Bahnverladungen zum Einsatz kommen. Wichtig ist, dass ich fast alles erledigen kann, ohne auf der Bühne zu turnen. Ein Sturz aus dieser Höhe, eventuell sogar rückwärts kann üble Folgen haben.
Für den Fall der Fälle haben wir 8 Sandbleche an Bord. 4 x 3 m auf dem Fahrzeugdach, 4 x 1,5 m am Fahrzeugheck. Weiterhin haben wir noch einen ca. 20m langen Bergegurt 20 t dabei.
Zur Navigation haben wir ein Garmin dezl 760. Bisher hat uns das System nicht im Stich gelassen, die Programmierung in Zusammenarbeit mit einem Laptop ist jedoch mitunter etwas kryptisch. Das Display des Garmin nutzen wir auch für unsere Rückfahrkamera. Beide Systeme miteinander zu verheiraten war recht schwierig, da Informationen hierüber kaum vorhanden sind.
Wir haben unser Führerhaus komplett mit einem Astabweiser versehen. Das ist abseits regulärer Wege recht sinnvoll, da es leicht zu Beschädigungen an Führerhaus oder Aufbau kommen kann. Ebenfalls sind alle Außenlampen durch Astabweiser geschützt. Die Konstruktion der Astabweiser besteht aus 50 mm VA-Rohr. Die komplette Konstruktion wurde an einem Tag bei der Firma Vonhoegen Metallbau/Würselen gefertigt. Stefan hatte immer ein offenes Ohr für meine Wünsche und hat mir gezeigt, was in der Metallverarbeitung heute alles möglich ist. An dieser Stelle vielen Dank hierfür.
Weiterhin haben wir im Führerhaus die doch recht spartanischen BW-Sitze gegen zwei mechanische Schwingfedersitze (ISRI 5000) getauscht. Den mittleren Sitz haben wir gegen eine Platform getauscht auf der unser Hund Platz findet. Die mickrige BW-Beleuchtung haben wir um 4 Scheinwerfer Hella Luminator erweitert, zwei als Fernlicht, zwei als Breitbandstrahler. Auch die Hupe war uns zu leise, hier kommen zwei Presslufthörner, ebenfalls von Hella zum Einsatz. Auslösung wie es sich gehört über ein Ventil das über eine Kette am Kabinenhimmel betätigt wird (Truckerlike). In der Kabine haben wir ebenfalls einen DC/DC Wandler für 24V->12Volt, er ist  baugleich zu dem Teil im Aufbau, so dass ich diesen zur Not im Aufbau einbauen kann. Ohne Radio im Führerhaus kann man leben, ohne WC im Aufbau wird das schon schwieriger. Dann haben wir das Führerhaus noch umlackiert, fleck-tarn war uns zu militärisch, jetzt ist das Führerhaus beige.

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Ein Gedanke zu „Projekt IVECO

  1. Hallo,
    ich habe eure Beschreibung mit grosser Aufmeksamkeit gelesen
    und dazu erstmal herzlichen Glückwunsch zu dieser tollen Leistung.
    Ich habe mir auch einen 110-17 gekauft. Ich hätte zu dem Gesamtgewicht
    eine Frage. Wie hoch ist denn das Gesamtgewicht mit vollen Tanks und aller
    Zuladung.

    Mit freundlichen Grüßen, Udo Wegener

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