2023 Start->GoSouth 2.0 Arabische Halbinsel

Arabische Halbinsel  (mehr s. auch ´Vergangene Reisen Vorderasien/Arabien´)
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Kurze Filme der Reiseroute (11.12.25)

Die Reiseroute:

Königreich Saudi Arabien (KSA) 10.01. – xx.xx.2026
18.02. – 25.02.2026 Mit den Worten: Kommt gut nach Hause, gute Reise, verabschiedet sich mein Vater von uns. Welch außerordentliches Zeichen von Verständnis, Toleranz! Zu keiner Zeit waren wir ihm näher als während der langen Jahre unseres Reiselebens. Paradox!?
Erhört wird sein Wunsch zu Beginn der Rückreise eher weniger: Der Eurowings-Flug von Köln nach Jeddah ist katastrophal. Erneut kein online check in möglich, anstehen im wilden Pulk. Klar ist, Extras wie Getränke, Verpflegung usw. bedeuten satte Aufpreise. Weniger klar ist, dass die Rasiersitze schnell Schmerzen an Beinen und Rücken verursachen. Beim Hinflug saßen wir zufällig, Sitzplatzwahl kostet extra, am Notausgang mit entsprechender Beinfreiheit. Inakzeptabel ist das rücksichtslose Verhalten der Pilgerschar, die mit einer Undiszipliniertheit bis hin zur Gefährdung, wie es eine Kindergartenschar oder eine Truppe Fußballfans nicht vermögen, Start und Landung um ca. 45 Minuten verzögert. Damit besteht keine Chance auf den ersten Anschlussflug nach Abha, der nächste geht um 02:45 Uhr. Also nehmen wir ein Mitternachtsmahl, freuen uns im SaudiAir Flieger über bequeme Sitze, Beinfreiheit und Service und landen um 04:00 Uhr in Abha. Nach kurzer Taxifahrt erreichen wir wieder die Erdbeerfarm, fluten Ive mit Gepäck, Klamotten und fallen gleicherweise todmüde wie aufgewühlt ins Bett. Sonne, Wärme wecken uns, ein wenig aufräumen, erholen. Sahleh kommt vorbei. Seinen Vorschlag, den Ramadanmarkt zu besuchen, verschieben wir auf den folgenden Tag. Und der beinhaltet eine weitere Einladung zur Familie nach Hause, wir erleben Ramadan hautnah. Kurz: Am Ende der Fastenzeit ist man müde und hat etliche Kilos mehr auf den Rippen.
Langform: Zwischen Sonnenauf- und –untergang wird gefastet, außer man ist Reisender, Kind, alt, krank, schwanger… Bei Sonnenuntergang endet mit dem Muezzinruf das Fasten. Wasser, gewürzter Kaffee und Süßes bereiten den Körper auf die Mahlzeiten vor. Das anschließende gemeinsame Gebet kann zwischen zehn und sechzig Minuten dauern. Und dann wird gefuttert, dabei sind auch wir zugegen. Wenige Kleinigkeiten erwarb Saleh zuvor auf dem Ramadanmarkt, ähnlich einem Weihnachtsmarkt, nur mit opulentester Essmeile. Eine Street Food Küche reiht sich an die nächste. Da die Sonne während der Öffnungszeiten noch am Himmel steht, wird das köstlich duftende Essen verpackt und nun stellt euch vor, ein gerade gebackener Reibekuchen wird zwei Stunden später verzehrt, schade. Doch am heimischen Herd haben die Damen des Hauses das Meiste frisch zubereitet. Heute Abend tragen sie bunte, leicht figurbetonte Kleider, die von keiner Abaya verdeckt werden, nur die Kopftücher sind dunkel. Wir sind, fast, in der Familie angekommen. Der Essraum ist mit Lichterketten dekoriert, festlich geschmückter Tisch nebst Anrichte biegen sich unter Leckereien. Diverse Gänge werden dargeboten, leider hochkalorisch und nahezu parallel. Als Getränke werden spezielle Ramadansäfte gereicht. Es ist zwischenzeitlich 22:30 Uhr, als im Separee türkischer Mocca, Tee, Datteln und Gebäck auf die Beistelltische kommen. Erzählen, verschiedene kulturelle Bräuche erläutern, vergleichen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede entdecken. Die Teenager folgen den Gesprächen mit Mühen, nur die älteste, Remas, bereichert sie insbesondere zur Informationstechnologie, Social Media, KI. Hoch im Kurs stehen auch Erzählungen über Europa, Schneebilder nebst Videos sowie Karnevalfotos. Als ich nach den Hennafingern der Damen frage, ist klar, das soll ich ausprobieren. Unter Lachen und Albern gebe ich meine Hände her. Auf den Kajal um die Augen, der tiefschwarze, rauchige Konturen erzeugt und seit Jahrhunderten insbesondere von Frauen auf der Wasserlinie aufgetragen wird, um die Augen zu betonen und vor Infektionen sowie Sonne zu schützen, verzichte ich. Mir reichen derzeit meine natürlichen dunklen Augenringe. Ein warmherziger Abschied, der älteste Sohn Al Hussin fährt uns zur Farm zurück, um 01:30 Uhr sinken wir ins Bett. Die Familie bleibt wach, wird gegen 03:30 Uhr frühstücken, vor dem neuen Fastentag beten und ca. 05:00 Uhr Ruhe zum Schlaf finden. In Saudi Arabien beginnen Schul- und Arbeitszeit während des Ramadan in der Regel erst um 10:00 Uhr und enden nach sechs Stunden. Alles wiederholt sich, 30 Tage lang!
Wie oftmals in den letzten Jahren nach langem Flug hat sich Jürgen auch diesmal eine heftige Erkältung eingefangen. Zudem leistet sein Verdauungssystem nach dem Fasten(fr)essen Schwerstarbeit. Er konnte gar nicht so schnell essen, wie insbesondere Saleh immer wieder Nahrung auf seinen Teller häufte, eat, fasting is over. So bekommt er von der Traumfahrt durch die Asir-Berge von Abha über Muhayil hinab ans Rote Meer bei Al Hadirah nur wenig mit. Jeweils eine Nacht. Weiter. Nordwärts. Ive war die ganze Zeit im Königreich und muss es spätestens nach 90 Tagen verlassen, und noch sind wir weit im Süden. Angesichts der schwer einzuschätzenden Situation im Nahen Osten möchten wir zudem einige Tage aufsparen, um im Falle eines Falles beweglich zu sein.
Zum nahen Strand bei Al Birk fährt Jürgen wieder. Wir gönnen uns einen Pausentag. Die zurückliegenden Wochen haben uns trotz wunderbarer Erlebnisse in Deutschland und im KSA sehr gefordert.

Deutschland, 05.02. – 19.02.2026, Intermezzo in Bildern:

30.01. – 02.02.2026 Demnächst mehr, schrieb ich zuletzt. Und ihr erinnert euch? Beim letzten Wassertanken erhielten wir einen Kontakt in Abha, in den Bergen; jemanden den wir unbedingt besuchen müssten. Da es auf der Route liegt und wir erfolglos nach einem Waschsalon suchen, nimmt Jürgen Verbindung auf. Auf die Frage, ob Saleh uns einen Waschsalon mit Kilo- oder Selbstservice statt per Wäschestück nennen könne, reiht sich erneut eine wunderbare Erfahrung bezüglich Gastlichkeit und Hilfsbereitschaft an die andere. Und insbesondere bieten er und seine Familie Hilfe in unserer Not. Denn die Nachrichten, den Gesundheitszustand meines Vaters betreffend, werden zunehmend schlechter. Trotz der widrigen politischen Situation im Nahen Osten entscheiden wir, unsere Reise für zwei Wochen zu unterbrechen. Saleh steht uns dabei ausgesprochen hilfreich zur Seite: Stellplatz für Ive, Tipps zur Flugroute, Zollformalitäten, Ablenkung und Anteilnahme, einzigartig! Wie meint seine älteste Tochter Remas: Es ist, als würden wir uns ewig kennen!
Mehr kann und will ich aktuell nicht berichten, brauche Auszeit. Neues wird dauern! Viel Freude beim Betrachten der aktuellen Fotos.

23.01. – 29.01.2026 Eine Woche verbringen wir in der Rub al Khali. Zunächst am Rande des UNESCO Weltnaturerbes Uruq Bani Maárid. Jürgen lädt sein Motorrad von der Bühne, entstaubt, päppelt die Batterie und findet dann über Schotterebenen, entlang der Felsausläufer, ab und an im losen Sand seinen Spaß!
Weiter südlich bei Imnkhli stöbern wir mit Ive einen Weg in die Wüste auf. Sand, in immer wieder neuen Bildern. Weich, fließend, wie flüssiges Gold. Kantig, hart, bizarr. Gleißendes Licht, flirrende Luft, Strukturen verschwinden im Nebel der Helligkeit. Fordernd, aber auch meditativ. Wie die Zentralsahara und die Atacama gehört die Rub al Khali zu den echten Wüsten, nahezu ohne Leben. In der hyperariden Region ist Wasser eine Rarität. Ein Glas Wasser® auf seinem Weg in der Welt (Aktion mit/von der Künstlerin Heike Krüger und Stefan Cotinghui, ich berichtete öfters über die Aktion), Luxus und gleichzeitig Lebensnotwendigkeit. Doch Ives Tanks sind leer. Aufbruch und das Wasser-Glas zieht mit, in der Hoffnung, dass für uns bald wieder mehr als ein Glas Wasser draus wird. Tief im Süden des KSA, dort wo sich der Highway 15 ostwärts in den Jemen, dem Hadramaut, und westlich zum Roten Meer hin wendet, erspäht Jürgen einen Wasserturm, der in Funktion zu sein scheint. Keiner zu hause? Wir wollen schon wieder fahren, da kommt jemand auf uns zu. Klar können wir Wasser haben, lautet die Antwort auf Jürgens Frage. Wie üblich ist der Stutzen zur Füllung der Wassertanker für Ives Anschlüsse zu groß. Aus dem Bassin, das mittels Pumpe mit Grundwasser gespeist wird, bedienen wir uns. Hernach geht Jürgen sich zu verabschieden, fragt nach dem Wasserpreis … Nein, so einfach kommen wir nicht davon. Wir sind an einem Verkehrssicherheitsposten, der Gruppenleiter möchte uns sehen, dies und das erfahren. Das geht nicht ohne Kaffee, wunderbar aromatisiert mit Kardamom, etwas Milch, leicht scharf, dazu süße Datteln und Kommunikation mit Händen und Füßen, ein wenig englisch dazu. Jedenfalls wird klar, dass der Leiter der Station uns nach dem Kaffee in sein Büro bittet, um uns kennenzulernen. Der Bruder des Leitenden wird angerufen, der spricht gut englisch und so kommt ein informatives Gespräch zustande. Die Gruppe erfährt von unseren umfangreichen Reisen, wir erfahren, dass es gleich Lunch für uns gibt, wir unbedingt in die Berge fahren sollen, den Bruder besuchen. Das liegt auf unserem Weg, Telefonnummern werden ausgetauscht. Wenn wir irgendwelche Probleme haben, müssen wir anrufen! Nach dem Essen darf Tee nicht fehlen, der Raum wird mit Myrrhe geräuchert, Gespräche über Weltpolitik geführt. Glatteis in der Wüste, da möchte ich jetzt doch lieber langsam aufbrechen. Nein, nein: wunderbar aromatische Nelken, eine dicke, süße Zimtstange, sterile Wundgazen, zwei Instant-Warm-Kalt-Kompressen sowie etliche kleine Flaschen Wasser werden als Wegpräsente eingepackt. Ach ja, der Stationsleiter weist wiederholt darauf hin, dass der LKW Diesel braucht … Jürgen gibt sich geschlagen, und so wird letztlich auch noch Ive mit 200 l gefüttert. Zum Abschied überreicht mir Mubarak seine rot-weiße Kopfbedeckung, den Shemagh. Überwältigt von der Gastfreundschaft ziehen wir von dannen, verlassen ca. 80 km später den Highway 15 in die Wüste zur Nacht. Das Abendbrot fällt weitgehend aus.
Anderntags heißt es in Najran Daten- und Telefonguthaben im Shop aufladen, denn die App akzeptiert nur die nationale Visa Card, Großeinkauf im Supermarkt und als Belohnung süße Sünden zum italienischen Kaffee im MallorcaCafé der Mall. Erneut übernachten wir abseits des Highway 15, der nun durch die Berge verläuft.
In Al Khalaf, südlich von Sarat Abidah, wird ein schönes Lehmdorf versprochen. Wir sahen bereits einige, entscheiden uns trotzdem für den Besuch. Wie gut! Eine derartige Bauweise haben wir noch nie gesehen, staunen über die Größe der Wachtürme, Häuser, Moscheen, pittoresk ist das Dorf mit seinen kleinen Gassen, schönen Portalen. Das Kleinod wäre der Erhaltung und weiterer Sanierung wert.
Der Weg durch die bizarre Bergwelt führt rauf und runter, immer wieder über abenteuerlich steile Pässe der Straße 158, die zudem ab und an die private Rennstrecke Einheimischer zu sein scheint, bis zur Staumauer nahe des Wadi Lajb. Geduld, demnächst mehr.

16.01. – 22.01.2026 Eingepackt in Winterkleidung hocken wir auf Stühlen mit dicker Wolldeckenauflage, trotzen der Kälte und erfreuen uns teils rotgolden glänzender Sanddünen. Die Menschen begegnen uns freundlich, viele grüßen, einige laden zum Tee. Es ist Wochenende im Königreich, Freizeit. Großfamilien picknicken. Mädchen und Frauen, in schwarzen Abayas und oft noch mit Gesichtsschleier, richten das Essen her. Hier und da kicken Väter mit ihren Jungs. Vom nahen Reitstall traben stolze Araber heran. Respekt, Jürgen sieht einen Enduristen mit Sozius die Hänge erklimmen und geschickt über die Hügel surfen. Kleine Jungs graben mit Sandschaufeln. Große Jungs buddeln Autos ein, wie der GMC-Pilot auf leicht geneigtem Abwärtshang. Oder der Jeepfahrer, wohl im Besitz der Rubikon-Version ohne Allrad, mit durchdrehenden Hinter- und stehenden Vorderrädern, immer wieder am sanften Anstieg scheiternd. Ja, ja, wer den Schaden hat …
Die Temperaturen fallen weiter, bescheren eisige Nächte. Tagsüber wärmt die Sonne weder Ive noch uns auf. Heizung? Ihr erinnert euch? Ausgleichsgefäß gerissen! Die Klebung will Jürgen nur im äußersten Notfall strapazieren und den ruft er noch nicht aus. Richtung Südwesten soll es wärmer sein.
Bizarre Felsformationen, an Säulen erinnernd, riesige Plateaus. Gigantische Steinkugeln in den Hängen scheinen der Physik zu trotzen. Das Tuwaiq-Gebirge ist wahrhaft sehenswert. Wir fahren weiter zur nahen Ibex Reserve Protected Area bei Al Hulwah, inmitten einer von zahllosen Wadis durchzogenen Berglandschaft, Heimat des bedrohten Nubian Ibex, nubischer Steinbock, nahe verwandt mit dem Alpensteinbock. Ein Ranger erspäht uns, fragt nach Permits. Haben wir nicht. Die ersten Antragsseiten waren englisch, dann ging´s arabisch weiter. Ok, und weg ist er. Internet? Auch hier gilt, mal ja, meist nein!
Auf unserer langen Wanderung erspähen wir weder Steinböcke noch die scheuen Wölfe, ebensowenig große Greifvögel. Dafür sehen wir bei der Rückkehr wieder einen Ranger. Also, was wir tun ist verboten, erklärt er freundlich. Campen, Feuer machen, betreten des Geländes ohne Permit. Zu Letzterem zeigt Jürgen die Fotos der Seiten auf arabisch, Feuer haben wir (noch) keins gemacht und dass campen verboten ist, steht nirgendwo, noch nicht mal, dass wir überhaupt im Park sind, bzw. ein Permit nötig ist, nix! Ja, die Regeln in Saudi Arabien erlauben freies Campen fast überall, aber eben nur fast, und hier nun mal eben nicht. Er begleitet uns hinaus aus dem Terrain. Auch jetzt sehen wir nirgends Hinweis- bzw. Verbotsschilder. Am nahen Staudamm von Al Hulwah, umgeben von zahlreichen Oscherbüschen (Sodomsapfel), bleiben wir zur Nacht.
Auf untergeordneten Straßen unterwegs erleben wir Landwirtschaft, die mittels Bewässerung möglich ist. Riesige Felsformationen, die an Orgelpfeifen, Säulenhallen, Schiffe Kiel oben erinnern, gigantische Monolithe, das Monument Valley der USA in den Schatten stellend, steigen aus dem Dunst empor – schlecht für Fotos. Immer wieder grasen größere Kamelherden, nahezu weiße bis fast schwarze Tiere, häufig mit Jungen. Grausam ist der Anblick eines tödlich Verletzten. Die Kollision mit einem Geländewagen trennte einen Vorderlauf vom Körper, zertrümmerte den Schädel. Die Autoinsassen sind unverletzt.
Teepause in wunderschön geschwungener Sicheldünenlandschaft; ich will nicht verschweigen, dass über längere Strecken flaches Ödland zu bewältigen ist. Nach 360 km biegen wir zur Nacht nahe Al Haddar ab, Akazien lockern die Felslandschaft auf.
Der weitere Weg südwestwärts verläuft meist geradlinig durch eintönige Landschaft bis zur Episode: Geldtausch in As Sulayyil. Vier Banken weist der Ort aus, da sollte es keine Probleme geben, nicht zuletzt aufgrund der Wechselkursbindung von Saudi-Riyal zum US-Dollar. Bank 1: Scheine zu alt. Bank 2: Scheine zu groß (20er). Bank 3: Scheine zu klein (dieselben 20er). Bank 4: Ladies Branch; klar, mein Part. Oh Wunder, Frauen im Businessoutfit. Abayas und Niqabs tragen nur Kundinnen, die von der Straße kommen. Wie zuvor die Herren sprechen auch die Damen kaum englisch, bedienen sich elektronischer Übersetzungen: Scheine sind zu klein, doch man tausche einen Hunderter. Besser als nichts, also zurück zu Ive, Geldschein holen, zurück, Tauschvorgang dauert. Die Toilette benutzen? Nein, das geht leider nicht. Dafür gibt es Kaffee und Kekse, Ausgleich für den schlechten Kurs?
Die UNESCO Welterbestätte bei Al Faw ist unser Ziel. Als solche ausgewiesen vor Ort ist sie nicht. Seit 1970 wird ausgegraben, 2024 wurde die Stätte gelistet, der Welt allerdings (noch) verschlossen. Man gräbt wohl immer noch an den Resten der Karawanenstadt aus vorislamischer Zeit. Übernachten? Nein, am Welterbe nicht, 100 m weiter an der Hauptstraße. Nicht unser Ding. Viel besser ist der Platz, den wir im Dunkeln finden, allerdings auch nicht. Bisher ist Saudi Arabien irgendwie noch nicht so ganz nach unserem Geschmack!
Ändert sich das rund 200 km weiter südlich Richtung Jemen? Wir probieren es, biegen ab von der 177 ins Leere Viertel, der Welt größte Sandwüste, Rub al Khali. Die Gegend gilt als menschenleer, ist wunderschön. Wir stehen ungestört zur zweiten Nacht. Von den Felshängen fällt kalter Wind in die Ebene, stürmisch! Am fernen Horizont zeigen sich die Lichter einer kleinen Siedlung entlang der Landstraße. 

10.01. – 15.01.2026 Viereinhalb Stunden Grenzprocedere für raus und rein. Unkompliziert und schnell, im Minutenbereich, verläuft die Personeneinreise, für den LKW dauert es länger. Kurzer Kabinencheck, dann anstehen an der Röntgenapparatur. Die erhobenen Daten wollen ausgewertet sein, braucht Zeit. Warten. Ok Germany, go! tönt es aus der Anlage, das lassen wir uns nicht zweimal sagen. Schnell erreichen wir den berüchtigten Abschnitt des Highway 10, der den persischen Golf mit dem Roten Meer verbindet. Hinter Al Batha biegen wir müde und hungrig von der Straße ab ins Gelände. Abendbrot im Abendlicht, bevor Kälte uns ins warme Auto treibt. Die Nachttemperaturen sinken bis an den Gefrierpunkt, tagsüber müht sich das Thermometer, die 20° C zu übersteigen.
Königreich Saudi Arabien, KSA, ein Überblick:
Größter Staat der Halbinsel, Küsten am Roten Meer wie am Persischen Golf. Die riesige Wüste Rub al Khali, das sog. leere Viertel, erstreckt sich über den Süden. Nordwärts schließen sich im Westen die mit über 3000 m höchsten Berge an. Hauptstadt Riad > 4 Mio. Menschen, zweitgrößte Stadt Dschidda, ca. 3,7 Mio. Einwohner. Weitere Millionenstädte und heilige Stätten des Islam sind Mekka und Medina. Die Auslegung des Islam ist konservativ, gestrenge Scharia ist Rechtsordnung mit Todesstrafe, Amputationen, Folter. Bei einer Volksbefragung bezeichneten sich 19 % als nicht religiös und 5 % als Atheisten. Seit 2022 Kronprinz Mohammed bin Salman die Regentschaft inne hat, öffnet sich der Staat gegenüber der Welt, aktualisiert zunehmend Menschen- und Frauenrechte. Aus dieser Öffnung resultiert u. a. zunehmender Tourismus. Für den weltgrößten Ölexporteur mit enormem Reichtum könnte künftig ökonomische Vielfalt existentiell sein. Derzeit ist KSA die größte Volkswirtschaft im arabischen Raum, mit fester Wechselkursbindung des Saudi-Riyal zum US-Dollar.
Ca. 37 Mio. Einwohner. Wie in Oman und UAE ist der Anteil vor allem asiatischer Gastarbeiter mit ca. 11 Millionen hoch. 85 % leben in Städten, wenige nomadisch. Lebenserwartung knapp 78 Jahre, Geburtenrate 2,4, Kindersterblichkeit 0,64 %, Gesundheitsausgaben 6,0 % des BIP, Hauptgesundheitsproblem Übergewicht/Adipositas mit weltweit höchsten Raten.
Amtssprache Arabisch, Lehr- und Handelssprache Englisch. Alphabetisierungsrate mit fast 95 % weltweit überdurchschnittlich, neunjährige Schulpflicht, kostenfrei von der Grundschule bis zum Hochschulabschluss, Unterricht mit Geschlechtertrennung. Zur Förderung wissenschaftlichen Austauschs ließ der Staat eine Eliteuniversität errichten, Kosten 12,5 Milliarden US-Dollar. 2000 Studenten und 600 Fakultätsmitglieder aus aller Welt sollen mit bester technologischer Ausrüstung ausgestattet sein und international vernetzt Spitzenforschung betreiben, Männer wie Frauen.
Rund die Hälfte des Trinkwassers stammt aus Meerwasserentsalzung, 40 % aus sich verbrauchenden fossilen Vorräten, der Rest ist Gebirgswasser. Dem extrem niedrigen Wildtierbestand sollen Auswilderungsprogramme entgegen wirken und Antilopen, Gepard, Leopard, Strauß wieder heimisch werden. Besondere Sehenswürdigkeiten, Landschaft und Kultur betreffend werden wir an Ort und Stelle erwähnen.
Über frühe Besiedlung, Ordnung der Stämme durch den Stamm der Saud und resultierend Entstehung des Staates, Islamisierung und so einiges mehr, vielleicht später einmal mehr.
Und kurz zum Highway10: Wir fuhren bereits deutlich langweiligere Strecken, z. B. im Oman, Westsahara. Nicht nur an der Wüstenlandschaft können sich Auge und Geist immer mal wieder erfreuen, auch Verkehrsteilnehmer wie Regelwerk sorgen für Abwechslung.
Auf den ersten Blick wird sichtbar, dass verglichen mit Oman und UAE im KSA weniger in die Infrastruktur investiert wird. Verkehrswege, Gebäude, Internet, Müllentsorgung, Beschilderung – insbesondere zu touristischen Zielen – erscheinen optimierbar. Offensichtlich ist die Verkehrsmoral schlecht. Gehäuft weisen Fahrzeuge teils gravierende Blechschäden auf, mehrfach sehen wir Unfälle. Dabei sind Polizei und Geschwindigkeitskontrollen häufig.
Verglichen mit UAE und Oman kommt das KSA mit einem Hauch von Afrika daher. Am Nachtplatz im Südwesten Riads lässt der Wind mancherlei durch die Luft flattern. Plastikflaschen zuhauf, festgefahren im Sand, scheinen aus dem Boden zu wachsen. Nun denn, in unserer Überlebenskapsel sehen wir nichts davon, genießen zum Abendessen Fisch aus dem Roten Meer mit frischem Koriander, Gemüse aus Zwiebeln, Zucchini und Bittergurke, kräftig gewürzt sowie Reis.
Und tags drauf fahren wir an den Rand der Welt, Edge of the world, auch Jebel Fihrayn genannt, nordwestlich von Riad. Das Felsspektakel ist Teil der wunderschönen Tuwaiq-Berge. Lässt der Name vermuten, dass der blaue Planet doch eine Scheibe ist und der Weg spannend? Nein, tief unten im Tal gehts weiter, und mit Ives Bodenfreiheit ist der Weg überwiegend nur nervig! Dafür belohnt spektakuläre Landschaft mannigfach. Kälte, Wind, der sie scheinbar verstärkt, lässt uns nach zwei Nächten die Berge verlassen.
Tipps für Nacherfahrer: Von Sudus (24.99167°N, 46.20750°E) führen eine nördliche und eine südliche Piste zum Rand der Welt, beide wenig ausgeschildert. Die nördliche ist ca. 26 km lang, etwa im letzten Drittel ist an wenigen Stellen Bodenfreiheit nötig, für einen kurzen Streckenabschnitt sollte das KFZ nicht viel breiter als 2,4 m sein. Die südliche Strecke ist mit 20 km kürzer, einfacher und lässt bei guter Sicht schöne Bergwelt mit zahllosen Schluchten erkennen – wir hatten Nebel.
Entgegen anders lautender Informationen gibt es nirgends ein Tor, weder Sandpassagen noch tiefen Schotter. 4×4 braucht es nicht, etwas Fahrkönnen schon.
Info zur Kommunikation: Trotz vorhandenem Netz ist es für uns stundenweise nicht verfügbar. WhatsApp geht nicht, Threema und Telegram funktionieren ok. In Riad versuchen wir ein Telefonpaket zu erwerben, um mit meinem Vater per Festnetz telefonieren zu können, geht leider nicht. Spezialpakete gibt es nur für den arabischen Raum, Auslandsdienste wie in die EU sind nur mit Verträgen von Anbietern für Residents zu erwerben. Es bleibt bei Telefonaten per Internet mit schlechterer Verbindungsqualität.
Wir verlassen Riad zu den Red Sand Dunes bei Mazari. Groß und Klein spielen hier im Sandkasten, die roten Dünen sind schön, leider verschandelt mangelhafte Mülldisziplin  hier und da den Blick. Ab und an machen wir es uns zu eigen, unsere „Parzelle“ beim Einzug von den Hinterlassenschaften zu befreien.

UAE
27.12.2025 bis 10.01.2026

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Oman
03.12.2025 bis 27.12.2025

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17 Gedanken zu „2023 Start->GoSouth 2.0 Arabische Halbinsel

  1. Schön wieder von euch zu lesen und dass Vatern wieder munter zu sein scheint. Wie schafft ihr es nur bei eurem Essensangebot so schlank zu bleiben? Wir haben Mühe trotz regelmäßiger Wanderungen nicht noch runder zu werden.
    Genießt eure Weiterreise, weiterhin so tolle Begegnungen und gute Fahrt. Gruß aus Patagonien‍♀️

    1. … nein, munter ist mein Vater nicht, aber daheim, weitgehend seinen Wünschen gemäß, und in guten Händen.
      Wir bewegen uns weiter heimwärts, telefonieren täglich, hoffen…auch dass zunächst Jürgen wieder fit wird, er brauchte heute wieder Auszeit.
      Schlank bleiben? Ich weiß nicht recht. Zum Wandern gehört tägliche Gymnastik, ich koche meist selbst, so habe ich versteckte Kohlenhydrate und Fette im Blick ;-).
      Lasst es euch gut gehen, genießt jeden Tag!

    1. Ja, Wüsten gibt es hier reichlich, dann und wann kann man dort auch stehen. Und Marion ist unter allen Bedingungen eine begnadete Köchin.
      Ebenfalls liebe Grüße aus Saudi-Arabien

      1. So schöne Wüstenmeere! Und jetzt noch das Leere Viertel. Den schwarzen Araber hät ich schon gern.
        Hast du eine Abaya dabei?? (MARION: Nein, Walleklamotten + Shemagh ;-))
        Liebe Grüße aus unserem geheizten Wohnzimmer!
        Christian und Alex

  2. Übrigens: Berlin ist gelöscht, EU ein Höllenloch?? Wir sind lieber, wenn es donnert, in D als in USA und größeres Vertrauen in die Justiz haben wir immer noch mehr in D (und soweit noch in USA) als in UAE, Saudi-Arabien, die meisten afrikanischen Staaten etc. Sei’s drum. Habt eine gute Zeit, Freude beim Reisen und immer die Vorräte lecker gefüllt!

    1. „Wenn es Krieg gibt gehen wir in die Wüste“ Ein lesenswertes Buch von Henno Martin und Hermann Korn. Zwei junge deutsche Geologen entfliehen 1940 dem Krieg und leben 2,5 Jahre in der Wüste um den Kuiseb Canyon, Namibia. Hoffen wir, dass es nicht so weit kommt! Die „Wüstenfüchse“ 😉

  3. Hallo, ihr alten Wüstenfüchse,
    Unsere Erinnerungen an den Jumeirah Beach, ein Feuerwerk um das Burj al Arab sind noch sehr schön. Jetzt wollten wir wohl nicht mehr dorthin.. Die Wüste mit Minouk, euer Bild.. Melancholie breitet sich aus. Und dann wieder diese Begegnungen und Freundlichkeiten, die alles wieder wettmachen. So großartig!
    Weiter geht’s! Wir freuen uns auf weitere Berichte und ebenso tolle Bilder!
    Liebe Grüße aus dem schneeweißen frostkalten kleinen Wöschele
    Christiane + Alex + Namkha

  4. Euch ein gutes, neues Reisejahr mit vielen netten und interessanten Begegnungen, Gesundheit und allzeit gute Fahrt!
    Wir waren vor ca. 10 Jahren im Oman, damals noch werktätig und ohne Womo unterwegs. Eigentlich wollten wir immer nochmal dort hin – schauen wir mal, jetzt freuen wir uns erst mal auf Patagonien und Feuerland.
    Liebe Grüße aus Buenos Aires
    Rita und Ronald

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