Die Reiseroute
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Algerien 22.10. – xx.11.2026
22.10. – 30.10.2026 Ihr habt es bemerkt, wir haben uns für einige Zeit von der Bühne des www verabschiedet. Der SIM-Kartenerwerb ist schwierig, so unser Tourguide Saman in Taleb Larbi. Ich übersetze: Steht nicht ganz oben auf seiner to do Liste. Es scheint wohl auch der Sicherheitslage weniger zuträglich, life vom Präsentierteller zu berichten. Na, oftmals ist eh kein Internet verfügbar. Das merken wir, als es nach vier Tagen endlich SIM-Karten, aber kein Netz gibt. Na, statt im home office verbringen wir eh manche Zeit beim Essen und Erzählen im Reiseteam.
Zudem sind die Fahrtage, die uns durch die großen Ergs der Sahara zum Tassili n´Ajjer Nationalpark bis ins Hoggar Gebirge in den algerischen Süden bringen, lang und gleich zu Beginn hinken wir hinter dem Zeitplan her. Die Ausreise aus Tunesien dauert keine Stunde, doch neun Personen und fünf Fahrzeuge nach Algerien einreisen zu lassen nahezu das Siebenfache und so endet der erste Fahrtag bereits kurz hinter der Grenze bei Talib Larbi auf einem Hotelparkplatz. Tags drauf fließen hunderte Liter Diesel in die weitgehend leeren Tanks und Reservekanister der LKW, beim Preis von 19 ct/l greift man halt gerne zu. Ein schneller Einkauf, weiter. Die Nacht in den Dünen vor Hassi Messaoud krönt eine Sternschnuppe, die viele Sekunden lang über den Abendhimmel zieht, bevor sie verglüht.
Immer wieder muss uns der Tourguide Saman an Kontrollposten bzw. bei Behörden anmelden. Das kostet Zeit. So ist das Erlebnis des Grand Erg Oriental leider fast nur während des fahrens möglich. Stunde um Stunde reihen sich phantastische Sandberge in nie gesehener Fülle und Intensität aneinander. Wechselvolle Dünenbilder, scharfe Kanten, weiche Bögen, Täler, alles fließt. Schatten- und Farbspiel werden von Sonne und Wolken bestimmt, ständige Veränderung. Ab und an kommt üppiges Grün hinzu. Wasser. Vor etwa drei Wochen hat es viel geregnet. Kleine Seen, deren Abflüsse im Sand versickern, glitzern im Abendlicht. Die Wüste blüht. Weiter südwärts wird aus der Sand- Geröll- und Steinwüste, Hammada. Als Jürgen bei Tin Fouyé Tabankort nach 500 km den Zündschlüssel rumdreht ist es dunkel.
Schwarzes Gestein durchsetzt zunehmend goldene Sanddünen, zwischendrin flache Ebenen, Stein- und Geröllwüste, blauschwarz schimmernd. Mehrfach fällt die Landschaft an schroffen Übergängen steil hinab. In Illizi erreichen wir das südliche Algerien, fortan dürfen wir uns für drei Tage freier bewegen. Nur wenige Menschen bewohnen den Süden. Hauptsächlich sind es Tuareg, zu den Amazigh/Berbern zählend, die historisch gesehen den Hauptteil der Einwohner stellen. Kaum Infrastruktur, dafür Natur in einzigartiger Schönheit. Haben Schöpfungskräfte die Besonderheiten der Welt an Felsskulpturen und Wüsten in einem Land vereinigt? Steil und teils kurvig führen erstaunlich gute Straßen auch über das Fadnoun Plateau. Und auch hier fließt in den zahllosen Oueds oft Wasser. Mehrere queren wir unterwegs in die Tassili n´Affer Region mit UNESCO Natur- wie Kulturwelterbestatus, wo in monumentaler Gesteinsformation bei Afara an der riesigen Felsnadel Adrar der Tag endet. Wie mitten im Amphitheater, meint Pia. Der sechste Tag ist ganz nach unserem Geschmack. Teer weicht Piste, nur wenige kurze Abschnitte sind anspruchsvoll. Immer wieder Fotostopps. Eine lange Mittagspause an einem See, den der Regen in der Wüste hinterließ und bereits nach 100 km erreichen wir das Lager für den heutigen Reisetag. So bleibt Zeit für einen ausgedehnten Spaziergang durch die spektakuläre Felsenwelt von Ifedaniouene. Elefanten, Tier– und Menschenköpfe, Triumphbögen, Orgelpfeiffen und so manches mehr glauben wir in den Steinformen zu erkennen. Schauen hier und da auch Fratzen grinsend hinab auf die Touristen, die durch ihre Landschaft krabbeln?
Der folgende Reisetag ist zum niederknien. In den Sand, Ive ausbuddeln, gleich zweimal. Und bei In Tanadouft vor der Steinkulisse der Wüste, seinen steinzeitlichen Felszeichnungen und Gräberfeldern.
Aufstehen Jürgen, aufstehen! Wer stört mitten in der Nacht? Gott sei Dank bin ich nicht Jürgen! Verdrängen hilft nicht, mitgegangen mitgefangen. Also quäle ich mich um 06:15 aus den Federn, hört sich besser an als von der 7-Zonen-Kaltschaummatratze. Auch die Sonne ist weit von ihrer Hochform entfernt. Mühsam plagt sie sich, mattes Licht aussendend, über den Horizont. Mich weckt nicht mal Kaffee so recht. Ahh, statt ihn nur anstarren sollte ich ihn wohl trinken. Um 07:30 Uhr starten die Motoren zur fast 500 km langen Strecke Richtung Hirafok am Rande des Hoggar Gebirges. Zwischendrin noch tanken, so mancher Tank ist nach etwa 900 km, davon ca. 300 über Pisten, leer. Auffüllen scheint nicht einfach. Vor den Benzinsäulen versammeln sich lange Schlangen. Saman verschafft uns beim Diesel eine Art Pole Position, doch es gibt nur 50 l, und die auch nur für drei von sechs Fahrzeugen. Die Lösung: Da wir ab hier für ca. 200 km eskortiert werden, bringt die Polizei später nochmals 60 l zum Nachfüllen an den Nachtplatz. Bezahlen? Geschenkt! Auch das achte Nachtlager in Algerien liegt inmitten mystischer Natur. Giant Pebbles taufe ich ihn. Magische Bilder in der Abendsonne und dazu auch noch einen Sundowner von Anke und Joachim. Wieder ein guter Reisetag.
Tags drauf bestimmt die Polizeieskorte die Reisegeschwindigkeit auf höchst eigenartige Weise. Mit deutlich über 80 km/h donnern wir durch die Landschaft, Geschwindigkeitsbegrenzungen von 50/60 km/h scheinen nur Ratschläge zu sein. Stopp, waite! Afrika halt. Bisheriger Durchschnitt 60 km in 3,5 Stunden. Update: 60 km in 4 Stunden, update 2: 60 km/4,5 h. 130 km liegen heute noch vor uns!
Tunesien 15.10. – 22.10.2026
15.10. – 22.10.2026 Die 25stündige Fahrt von Genua nach Tunis vergeht dank Kabinenluxus nachts und Sonnenschein über Tag fix. Schon schippern wir am geschichtsträchtigen Karthago vorbei, laufen kurz drauf mit geringer Verspätung in den Hafen La Goulette ein. Camping-Abenteurer aller Facetten mit Fahrrad, Motorrad, Geländewagen mit und ohne Dach-Zelt, kleine LKW bis hin zu Dickschiffen in nie gesehener Menge spuckt die Fähre aus, bzw. warten auf Rücktransport übers Meer. Wir schwimmen im Strom der LKW, das klappt bestens, bei der Immigration nicht mal aussteigen, Pässe durchs Fenster reichen, stempeln, fertig. Beim Zoll aussteigen, Ives Anmeldezettel mit Barcode abgeben, Zollhund nebst Führer machen ihren Job und ready, you can go! Keine zwei Stunden. Halt! Geld tauschen. Bei den Banken ist auch das schnell erledigt. Zurück zu Ive gibt es einen kleinen Aufstand. Die große Reisetruppe hat nicht nur die Zollformalität auf dem Schiff verschlafen, sondern auch die seit Mitte 2025 notwenige online Vorabregistrierung ihrer Fahrzeuge! Die Offiziellen sind genervt, die Individualreisenden auch, denn sie stehen eingekeilt zwischen den anderen, kommen kaum vor- noch zurück. Zentimeter um Zentimeter rangiert Jürgen, dann sind wir frei und rollen aus dem Hafen in die Nacht von Tunis. Am Géant Supermarkt, mittlerweile geschlossen, bleiben wir zur halben Nacht. Denn um 03:00 Uhr meint Security wir stünden auf Privatgelände, 500 m weiter sei ok. Diskutieren? Sinnlos, umparken und weiterschlafen.
Einkaufen ist ganz ok, Spaß macht das Nachfüllen von Kraftstoff für ca. 60 ct./l, leider nur bar, Kartenzahlung funktioniert weder mit Visa noch Master Card. Südlich von Tunis erreichen wir schnell das Camp Ksar von Matthias und Lilia. Neben familiärer Atmosphäre fühlt man sich in ein gaudieskes Künstlerdorf versetzt, auch Hundertwasser sei dabei, meint Matthias. Wir können uns kaum sattsehen am Ambiente, dem weiten Blick über die Landschaft und dem abendlichen Lichtermeer von Hammamet.
So bleibt wenig Zeit, etwas über Tunesien zu berichten. Kurzfassung: Nördlichster Staat Afrikas, doppelt so groß wie Österreich, ca. 12 Mio. Einwohner. Von Berbern 4tausend v. Chr. besiedelt, 800 v. Chr. errichten die seefahrenden Phönizier die Niederlassung Karthago. Mit ihnen sind die punischen Kriege verbunden, die Rom alle drei gewinnt. Das zerstörte phönizische Karthago wird als römische Stadt neu aufgebaut. Wie üblich in der Geschichte geht auch dieses unter, es folgen die Arabisierung, Vandalen, Osmanen und Franzosen kommen – und gehen, mal mehr, mal weniger.
2015 investiert Tunesien 18 % des Staatshaushaltes ins Bildungssystem, weist eine über 80 %ige Alphabetisierungsrate auf. 30 % der Schulabgänger beginnen ein Studium. Der Islam ist Staatsreligion, aber die Scharia nicht Rechtsquelle, 98 % sind sunnitische Muslime, die einst sehr liberale Auslegung seit 2011 rückläufig. 90 % der Einwohner sind sozialversichert. Das Gesundheitssystem ist gut. Nach Jahren der Bevölkerungsexplosion liegt 2026 die Geburtenrate/Frau bei 1,5, die niedrigste in der arabischen Welt. Die Säuglingssterblichkeit beträgt 1,1 %, die der Mütter im unteren Promillebereich, die Lebenserwartung bei ca. 77 Jahren. Die Arbeitslosigkeit ist vergleichsweise hoch, die Wirtschaft eng an Europa gekoppelt. Landwirtschaft (Zitrusfrüchte, Datteln, Oliven/Öl, Wein, Exoten wie Feigenschnaps Boukha oder der Dattellikör Laghmi), Textil- und Lederbranche sind neben Tourismus wichtige Industriezweige. 2022 nutzten fast 74 % der Einwohner das Internet.
Zurück zu uns. Die Insassen dreier Fahrzeuge erreichen das Camp. Neben Hallo, schön euch wieder zusehen bzw. euch kennenzulernen Jürgens Geburtstag feiern und dann heißt es auch schon Abschied nehmen vom tunesischen Norden. Auf nach Tozeur. Im Coco Oasis relaxen bevor das Algerien-Abenteuer von hier aus mit fünf Fahrzeugen startet. Letzte Besorgungen, Dinge richten, ein Kaffee im Ort. Bis demnächst, irgendwann und irgendwo!
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Ihr Wüstenfüchse!
Erst las ich den Text – so bildhaft – und meine Phantasie blühte auf! Dann die großartigen Bilder.. Unwirklich beeindruckend! Mit soviel gleichgesinnten Reisemenschen Sand schüppen zu dürfen. Ein Traum! Wir sind eure dankbaren Mitreisendürfende!! So schön
Liebe Grüße aus dem herbstlichen Westzipfel!
Christiane und Alex