2019_GoSouth_West_Africa_Teil07

Reiseroute durch Westafrika

Einige kurze Filme von unserer Reise;  Update 09.02.2021 (klick hier):

Gambia
23.02. – 26.02.2021 Gambia in Kurzfassung: Afrikas kleinster Staat. Umgeben von Senegal und Atlantik. 1,7 Mio. Einwohner. Erste Europäer auf dem gleichnamigen Fluss waren im 16. Jahrhundert Portugiesen. 1816 kauften Engländer für 50 € die Halbinsel am Mündungsdelta, errichteten Blackhurst, heute die Hauptstadt Banjul. Verkäufer: der König von Kombo. Geldfieber, Malaria, Cholera wüteten stark, was einigen Viertelden Namen ´Half Die´ verlieh. Seit 1949 verhindert ein Hochwasserdamm die ständige Überflutung der Hauptstadt. Trotz allem ist Stadtflucht enorm. 2013 residierten nur noch 30T Einwohner hier.
An Senegals Grenze verläuft die Ausreise für Maschine und Mensch ohne Schwierigkeiten. Bis der Grenzer in Jürgens Pass das Certificat Residence sieht. Heftige Diskussionen mit immer wieder neuen Vertretern der Obrigkeit darüber, wie wir an dieses Papier kämen. Wir wollen die carte d´identité d´étranger beantragen. Dazu ist u. a. dieses Papier vonnöten. Ewig lange Erklärungen später lässt man uns ziehen. Die LKW-Ausreise erfolgt reibungslos.
Einreise nach Gambia ohne Coronatest? Unmöglich. Erneute Diskussionen. Transit? Ok, 72 Stunden. Müssen reichen für den Kleinstaat. Ive erhält ein Permit. Bei ausgiebigster Durchsuchung unserer Heimstatt erregen vor allem die Medikamente Aufmerksamkeit. In den Schubladen glaubt man Marihuana zu riechen. Sicherlich nicht! Mehr Alkohol und evtl. auch Rauchwaren als erlaubt, Medikamente ohne Verschreibung – wie im Senegal üblich. Opiate! Ja, eine Dosis, für den GAU! Ok. Gute Fahrt. Zwei Stunden für raus und rein (s. auch Reiseregularien, ebenso zur Brückennutzung des Senegambia-Highway bei Farafenni).
Geldwechsel/Dalasi und
gambische SIM-Karte lohnen nicht für drei Tage. Internetabstinenz, eine erholsame Diät. Die Landschaft zeigt das selbe Antlitz wie im Senegal. Wie könnte es auch anders sein. Willkürliche bzw. koloniale Grenzziehungen trennen. Auch gleiche Ethnien. Trotzdem machen wir Unterschiede aus. Frauen tragen vermehrt die islamische Kopftuchversion, Autos sind meist in besserem Zustand, Häuser erscheinen gepflegter, Straßengräben beherbergen deutlich weniger Müll und Schutt. Insbesondere im Süden. Der ärmere Norden zeigt ein dem Senegal ähnlicheres Bild.
Nicht nur entlang der beiden Hauptstraßen, South wie North Bank Road, auch in den Dörfern entlang der Pisten verfügen Brunnen über Handpumpen, zudem sind Wasserkräne zahlreich. Am Gambia in Tendaba und Albreda nahe des Kunta Kinteh-Island enttäuschen wir die Menschen. Keine Zeit für Sightseeing, nur Transit https://de.wikipedia.org/wiki/Kunta_Kinteh_Island_und_zugehörige_Stätten ´Corona is very bad politic for mankind´, so die Männer, die uns vergeblich Pirogenfahrt sowie Besichtigungen anbieten. Wie leicht die Verständigung im englischen, wenn auch unsere Hirne nicht immer reibungslos in den neuen Sprachmodus umschaltenVielleicht ist ja auch die Hitze schuld. Seit Tagen 40° Grad und darüber. Eine letze Nacht in Gambia im Busch von Madina Kanuma.

Grenzerfahrungen. Oder wie wir, statt im Arrest zu landen, 230,- € erhalten. 
Die Grenzübertritte Gambia/Senegal entwickeln sich zur Belastungs- und Zerreißprobe. Arrest wegen Drogenschmuggel (Gambia) und Deportation aufgrund illegaler Fahrzeugeinfuhr (Senegal) hat Staatsobrigkeit für uns im Angebot. Wen nur die Kurzfassung interessiert: Oscar reife Schauspielerei bringen uns 230 € ein und Stunden später zurück auf senegalesischen Boden. Legal. Für 90 weitere Tage… wie vor genau einem Jahr am 26.02. – und jährlich grüßt das Murmeltier, eher Tragödie denn Komödie. Zudem kein Film, sondern nackte Realität. Was geschah? Die Ausreise im südlichen Senegal sowie die Einreise nach Gambia verliefen wie oben beschrieben; geht doch, denken wir. Tingeln ein wenig durch Gambia und finden uns früh am 3. Tag am Grenzposten in Amdalai zur Ausreise aus Gambia und Wiedereinreise in den Senegal ein. Mensch und Maschine abgefertigt in 30 Minuten. Wow, denken wir, bestens. Mitnichten! Die Dame für die Narcotics fängt uns ab, was folgt sind zwei Stunden Horror. Nicht opiathaltige Hustenstiller bzw. die beiden Ampullen zur Injektion bei starkeSchmerzen erregen Missfallen. Es sind Kräuterteebeutel (Baldrian, Weißdorn, Salbei …) sowie im Senegal rezeptfrei in der Apotheke bezogene Medikamente. Entsprechende Verordnungen aus D für gleichartige Arznei incl. leerer Packungen nebst Beipackzetteln (Schilddrüsenhormone, Blutdrucksenker) werden nicht akzeptiert. Es hätte für Gambia Verordnungen gebraucht! Medikamentenmissbrauch ist ein gravierendes Delikt, so der Vorwurf. Kräutertee klärt Dr. Google. Verordnungen für die täglich notwendigen, rezeptfrei im Nachbarstaat zu erhaltenden Medikamente bei Transit und Beanstandung bei Ausreise? Egal wo man in Gambia „erwischt“ wird. In Gambia seien gambische Gesetze zu befolgen. Immer! Ich erkläre mich kurzerhand zum Dr., belege das an Hand meines Reisepasses. Nein, im Krankenhaus habe ich nicht gearbeitet. Für die Regierung in D und EU. Nach Rückfrage, was ich denn für die Menschen am Grenzposten Gutes tun könnte, zahle ich mit Drogen. Koffein in Form von 250g Pulverkaffee werden akzeptiert und wir können weiter ziehen. Flugs in die nächste Katastrophe.
Bei der Einreise in den Senegal fragt niemand nach Coronatests. Unser Touristenstatus interessiert ebenfalls nicht. Entgegen der Aussagen des Auswärtigen Amtes erhalten wir ohne Schwierigkeiten (weil auf dem Landweg von Süden kommend?) weitere 90 Tage Aufenthalt. Doch beim Zoll bringt uns das mittels Autorisation de prorogation ergänzte Carnet fast eine Polizeieskorte zurück an die gambische Grenze ein. Ein Oscar reifer Nervenzusammenbruch meinerseits, sowie der Hinweis, dass wir für das angeblich wertlose Papier beim Zoll in Ziguinchor immerhin 230,-€ bezahlten, machen den Chef der Zollstelle hellhörig und wütend. Korruption und eine verzweifelt weinende Touristin im Büro! Der GAU. Ich höre no cry women, schöpfe Hoffnung. Zeige Name und Telefonnummer des Zollmitarbeiters in Zig. Der Chef ruft ihn, im Beisein aller im Büro, an. Sie sprechen Wolof, ich verstehe jedoch Alleman, Korruption, Prison, Argent. Nach wenigen Minuten ist klar, der angebliche Offizielle in Zig ist kein Zollmitarbeiter. Büro und irgend ein Ausweis machen ihn auch nicht dazu. Er erhält die Wahl: Geldrückzahlung oder Knast. Er entscheidet sich für die Rückzahlung. Wie hätten wir als Fremde den Fake erkennen können? Derjenige, der jetzt hier vor uns steht, trägt auch keine Uniform, hat weder Ausweis noch Büro! Doch von ihm erhalten wir gegen Quittung 150T CFA/230 € bar ausgezahlt! Ok, ein Anfang. Nun statt Stilllegung von Ive oder Deportation noch ein Passavant. Weiter Verzweiflung und drohenden Zusammenbruch präsentieren. Fällt kaum schwer. Ergebnis: Wir erhalten das Passavant für 10 Tage, um ein neues Carnet aus D senden und in Dakar stempeln zu lassen (s. auch Reiseregularien).
Doch der ADAC, Aussteller des Carnet, arbeitet am Wochenende nicht und wir sind kein Notfall. Montag nächstes Spießrouten laufen. Denn zuvor hatte uns der ADAC die Information erteilt, man könne das CdP im Senegal bis zu sechs Monate verlängern lassen.  

Trotz der sehr schlechten Erfahrungen bei den Grenzpassagen können wir die Horrorgeschichten über die enorme Korruption gambischer Offizieller und die mangelnde Freundlichkeit im Land in der kurzen Zeit unseres Besuchs nicht bestätigen. Polizeiposten sind zwar noch zahlreicher als im Senegal, doch meist entgegenkommend und ohne Geld für die Taschen. Auch als Jürgen die Frage nach der brown carte, der westafrikanischen KFZ-Versicherung, verneint, da wir eine Police für Gesamtafrika besitzen, lässt man uns ziehen. Auch die wenigen Kontakte zu Einheimischen sind eher positiv.
Bereits die geringfügigen Unterschiede, das wenige Neue zwischen den beiden Staaten verdeutlichen, was wir verpassen. Von Afrika. Vom Leben. Zudem macht die frühe Hitzewelle klar: Wir wollen raus. Raus aus der Starre, aus den Tropen, dem Modus des Zwangsurlaubs. Wenig sinnig erscheinen uns gegenwärtig (vorübergehender) Erwerb von Haus und Hof ohne gesicherte Flucht in bzw. Rückkehrmöglichkeit aus gemäßigteren Klimaten. Die nächste Hivernage droht. Doch es scheint, majuemin und Ive müssen irgendwie weitgehend gemeinsam unterwegs bleiben. Die Zeiten sind zu ungewiss.

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