Arabische Halbinsel (mehr s. auch ´Vergangene Reisen Vorderasien/Arabien´)
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Kurze Filme der Reiseroute (11.12.25)
Die Reiseroute:
Irak 12.03. – 16.03.2026
12.03. – 16.03.2026 Sieben Stunden dauert das Einreiseprocedere bei Tarbil in den Irak. Davon entfallen je zwei auf normale Administration, beten mit anschließendem Fastenbrechen sowie auf die Einreise von Motorrädern ohne Nummernschilder. Jeweils dreißig Minuten benötigen Simkartenerwerb und in die Flucht schlagen eines Schurken. Die Forderung Give me money ist nach mehreren Jahren Afrikaerfahrungen zumeist Betteln und/oder Betrügen zuzuordnen. Doch wie wird man jemanden kurz vor Mitternacht im irakischen Zollbereich los? Ich möchte den freundlichen Zöllner im Bürogebäude kontaktieren, das versucht der Schuft zu verhindern, packt mich am Arm, zerrt an meiner Jacke, womit er sich endgültig als Gauner outet. Ich werde laut und heftig, mache mich los, Jürgen greift ein, das reicht mir, um ins Gebäude zu kommen, wo man bestätigt, dass wir nichts zahlen brauchen. Wieder draußen, hat der Halunke zwischenzeitlich die Flucht ergriffen. Freitag, der 13., wir fallen todmüde ins Bett. Leider ist nicht nur der folgende Tag dazu angetan, abergläubisch zu werden. Morgens braucht es nochmals eine Stunde, um den Zollbereich zu verlassen. Kontrolle der Kontrolle, der Kontrolle, also für Touristen, sprich uns, andere reichen ihre zuvor erhaltene Zettelsammlung aus dem Fenster und weg sind sie. Auf den nächsten ca. 250 km ohne Begleitfahrzeug unterwegs, durchlaufen wir mehrere Polizei-/Militärposten. Pässe und KFZ-Papiere werden kontrolliert, fotografiert incl. des LKW. Nach mehr oder weniger langer Wartezeit erhält dann der Posten das Go für uns. Auf halber Strecke Richtung Bagdad kommt Konvoi fahren hinzu. Wo wollen wir hin? Nach Heet/Hit , das haben wir mit seinen antiken Wasserrädern und den natürlichen Bitumenquellen als sehenswertes Städtchen am größten Strom Vorderasiens, dem Euphrat, gelegen, ausgewählt. Nach längerem Warten kommt ein SUV mit zwei Polizisten, der Beifahrer sackt unsere Pässe ein und los gehts. Kurze Zeit später ist von dem SUV nichts mehr zu sehen, Ive ist eben kein Rennfahrzeug. Das wird den beiden wohl auch klar, denn irgendwo am Wegesrand warten sie. Nach ca. 40 km werden wir und der Staffelstab in Form unserer Pässe übergeben und weiter. Das Spiel wiederholt sich mehrfach, bei Nummer acht hören wir auf zu zählen. Nach dem xten Wechsel incl. teils langer Wartezeiten wird klar, dass wir Heet nicht mehr im Hellen erreichen werden. Wir erklären, nix mit Heet, bitte zu irgend einem sicheren Nachtplatz. Nein, nein, Heet ist sicher, die Raserei geht weiter. Diesmal hinter einem Toyota mit Gewehrstand und Mann im Ausguck. An der Stadtgrenze werden wir abgeliefert, erhalten die Pässe zurück. Die Polizei in Heet wird informiert, wir seien willkommen, am Fluss gibt es einen Parkplatz und ein Fischrestaurant und so fahren wir die letzten 15 km ohne Eskorte in die Stadt. Hier übernimmt uns die Polizei, manövriert uns statt zum Parkplatz in eine enge Sackgasse und nach dem dritten Wechsel eines angeblich sicheren Platzes, der kurze Zeit später von anderen Obrigkeiten als unsicher definiert wird, platzt mir der Kragen. Kein Bock auf Restaurant mit Polizeieskorte! Ich will im nahen Gemüse- und Supermarkt einkaufen, kochen, Ruhe haben! 300 m zu Fuß? Unmöglich! Ha, wenn es hier zu gefährlich ist, warum brachte man uns hierher? Keiner versteht mich, englisch spricht man nicht, arabisch ist doch Weltsprache! Ist mir egal! Klare Ansagen, auch wenn sie ins Leere laufen, machen Luft. Ich gehe los, die Polizei kommt mit dem Auto nicht durch den Stau, außerdem muss sie ja auch noch auf Jürgen aufpassen, und ich stehe bereits an der Kasse, als die Polizisten eintrudeln. Zurück zu Ive, selbes Spiel, ich habe bereits die Einkäufe verstaut, Jürgen Ive gestartet, als die Jungs kommen, um uns zu einem sicheren Platz zu bringen. Nein, kein Interesse an einem weiteren, angeblich sicheren Platz in Heet, wir wollen nur noch weg, notfalls die ganze Nacht fahren. Der Polizeiwagen folgt uns. Wir sind wohl irgendwann aus ihrem Verantwortungsbereich raus, denn sie verschwinden! Ist es an diesem Ort jetzt sicher? An der Stadtgrenze fragen wir den Posten, ob wir zur Nacht stehen können? Kein Problem meint der Schwarze, lacht uns freundlich an, welcome. Ruhe, kaum Verkehr, keine ohrenbetäubenden Gebetstiraden, die sich lautstark über Stunden hinziehen, wunderbar!
Am nächsten Morgen geht das Spiel weiter, etliche Stabübergaben folgen, noch einmal ein bewaffneter Wagen, dann dürfen wir kurz vor Samarra unbegleitet fahren. Uff! Wir werden fesch, wollen in der überwiegend schiitisch bevölkerten Stadt die einst größte Moschee der Welt mit ihrem Spiralminarett sehen, die neben dem Al Askari Schrein eine der wichtigsten Wallfahrtsstätten der Schiiten ist und im langen, brutalen Bürgerkrieg vom Islamistenführer Ibrahim Awad al Badri teils zerstört wurde. Doch noch immer ist einzig die Besichtigung von außen möglich. Die Auswirkungen von Krieg und Terrorregime sehen wir stets am Wegesrand, doch insbesondere Samarra scheint auch lange Jahre nach den Schrecken noch wie traumatisiert, ein Trümmerhaufen.
Nordwärts entlang der M1 sind wir auf Nachtplatzsuche, als wir bei Qaryat Nasif Jasim auf einem Parkplatz den Unimog der Schweizer Karin und Daniel sehen, gesellen uns dazu. Ein netter Abend im Restaurant, morgens trennen sich unsere Wege. Die beiden wollen heute über die Grenze, wir noch die nahe Ruinenstadt Assur am Tigris anschauen. Doch die Anlage, die die Reste des Neupersischen Reiches der Sassaniden repräsentiert, enttäuscht. 20 US$/Person, der Führer spricht kaum englisch, es regnet, alles ist vermatscht. Wir fahren. Bei Mosul fällt sintflutartiger Regen. Es ist kalt.
An einem der zahllosen Kontrollposten hat ein Bediensteter sichtlich Freude daran, uns zu schikanieren. Das erlebten wir bereits zuvor, aber hier ist das Ausmaß ungeheuerlich. Nahezu zwei Stunden geht es hin und her, fahren, nicht fahren. Nicht fahren sagt, mit einem Grinsen im Gesicht, der mit dem Gewehr, zudem haben sie unsere Pässe. Wir gehen in den Aufbau, trinken Tee, essen etwas und schließlich rufe ich die Notrufnummer 911. Schnell gelange ich an jemanden, der englisch spricht, ruhig und klar reagiert, mich nach meiner Schilderung bittet, den Bewaffneten zu sprechen. Doch der lehnt ein Gespräch ab. Ein Kollege übernimmt und sagt, wir könnten fahren. Wir steigen ein, der Bewaffnete sagt nein, richtet sein Gewehr auf Jürgen. Sofort rufe ich erneut 911 an, schildere die Situation, und es wird laut am Telefon, man solle uns sofort fahren lassen! Ich bitte meinen Kontakt solange in der Leitung zu bleiben, bis wir tatsächlich unterwegs sind. Ja, selbstverständlich, er entschuldigt sich für die Unannehmlichkeiten, ein schwacher Trost.
Etwa fünf Kontrollposten später sind es bei Bazalan noch knapp 70 km bis zur Grenze, es ist dunkel, regnet weiter in Strömen, wir haben keine Lust mehr, irgendetwas zu schauen, nur raus. Volltanken, wir bekommen heißen Tee und einen Platz für die Nacht. Willkommen in Kurdistan heißt es, nein wir seien nicht im Irak, ah ha!
Der irakische Staat ist eindeutig nicht reif für Tourismus, da hilft auch die anscheinend willkommene Ausrede ´Krieg im Iran´ nicht. Eher im Gegenteil. Kaum jemand wird an den Posten kontrolliert, internationale LKW fahren zügig durch, Einheimische ebenso. Lediglich wir Touristen werden immer rausgewunken, ausgiebigst kontrolliert, was auch andere Reisende in verschiedenen Gruppenchats thematisieren. Die Stimmung im Land empfinde ich als explosiv. Kriecht der besiegt geglaubte IS wieder aus den Löchern? Wittern Kurden eine neue Chance auf weitere Autonomie? Anscheinend ist das Ermorden von Menschen im Namen von Jahwe, Gott, Allah das Ergebnis der von Trump geöffneten Büchse der Pandora.
2,5 Stunden dauert die Ausreise bei Ibrahim Khalil, denn Jürgen wird einer Sonderkontrolle unterzogen, Grund: Routine! Zudem wird sein Pass falsch gestempelt. Nochmals retour …
Irak? Vielleicht zu anderen Zeiten. Die Chance, die wir dem Land geben wollten, hat es verspielt!
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