2024>GoSouth2.0 Cote d’Ivoire; Ghana

Die Reiseroute Ghana 14.01. – 24.01.2024 Ein Reisefazit wollen wir nicht ziehen, dafür ist unser Aufenthalt zu kurz. Jedoch haben Land und Leute ein paar Eindrücke verdient. Freundlichkeit, Höflichkeit, Verlässlichkeit, sogar die Fahrzeiten der Fähren betreffend, sind gelebter Alltag. Vollverschleierung sehen wir gar nicht, Kopftücher kaum, üppiger Haarschmuck und bunte Kleidung sind häufig. Selten hält man uns an, meist nur, die KFZ-Papiere zu sehen. Lediglich auf der Fahrt zur Grenze nach Togo hat ein Obrigkeiten-Trupp Langeweile. Ein Blick auf die Papiere aber auch ins Innere soll es sein, für ein Foto wie sich herausstellt. Sauber erscheint Ghana. Müll in Straßengräben, ständig schwelende Abfälle sehen wir kaum. Das Leben findet, wie üblich, auch hier am Straßenrand statt. Doch sind die Läden mit etwas Abstand zum Verkehr aufgereiht. Abstandhalter sind eine Art Bordsteine oder Gräben mit schmalen Stegen. Zubereitete Nahrung, wie gegrillte Bananen, Fisch, Fettgebackenes, werden in sauberen Glaskästen ausgestellt; preiswert obendrein, wie Diesel für weniger als einen EUR/l. 20.01.24.01.2024 In Wli Afegame source ich den Großteil der Wäsche aus. Da wir direkt neben einem Wasseranschluss parken, nutze ich die Gelegenheit, Ive mal wieder gründlicher zu putzen. Jürgen repariert Kleinkram, bevor er sich zu Großem entwickelt; ergründet, warum Skype to Phone nicht mehr funktioniert: Zum Aufladen von Guthaben braucht es in Ghana wieder einen VPN. Wir erledigen Büroarbeit. Evisa für Kamerun und Benin beantragen. Kamerun: schwierig, wenig schlüssig programmierte Seite, die immer wieder ins timeout läuft. Kontakte per Mail und Telefon sind nicht möglich, auch nicht zur Botschaft nach Berlin. Irgendwas ist mal wieder komplett ´down´. Benin-Visa erhalten wir hingegen problemlos. Gut programmierte, stimmige Seite, wenig „Schnickschnack“ wird abgefragt. Etwa zwei Stunden nach Antragstellung sind die Visa im E-Mail-Postfach. Bei all der unliebsamen Reisearbeit gönnen wir uns nebenan im Restaurant das Abendessen. Landestypisches wird in idyllischer Atmosphäre serviert. Das heißt, Kerzenlicht, Wolltischtuch, viel Reis bzw. Yamsfritten, sehr scharfe Soßen und Gemüse, ein wenig Geflügel bzw. Fisch dazu, lecker. Für uns beide kostet dies incl. zwei großer Falschen Bier keine 15 EUR! Wir verlassen Wli natürlich nicht, ohne die Wasserfälle gesehen zu haben. So wandern wir durch schattigen Urwald zu den Lower Falls. Zahlreich umflattern uns unterwegs bunte Schmetterlinge. Immer wieder geht es über Bäche und kleine Flüsse, bis wir nach einer Stunde am rauschenden, kühlen Nass stehen. Trotz des tosenden Wassers ein friedlicher Ort im Wald. Aufbruch, weiter, nach Togo. 14.01.20.01.2024 Freundlich, effizient und teuer (Visa) ist der Eintritt in die Republik Ghana. Von Kamgbunli führt die Küstenstraße nach Cape Coast. Einzig die Stadtzwillinge Takoradi und Sekondi sind Nadelöhre. Wir brauchen Wasser, Duschen, Geld/Cedi und Seelenfutter. Dafür wählen wir das Oasis Beach Ressort. Gute Wahl. Für Ive ist es zwar eng, doch der Rest ist stimmig. Wunderbar große, üppige Duschen, frische Meeresbrise, eiskalter Gin Tonic, landestypisches Essen. Wenige Meter sind es in die Stadt zu den Sehenswürdigkeiten mit erdrückend trauriger Geschichte: Castle, angrenzendes Internierungslager, Methodistenkathedrale … Kommen wir zu Ghanas Historie. Das Reich von Ghana existierte vor etwa tausend Jahren in Westafrika, wird im 9. Jahrhundert erstmals erwähnt und als ´Goldland´ bezeichnet. Es lag östlich von Senegal auf heutigem Gebiet von Mauretanien und Mali und somit weit außerhalb des heutigen Ghana. Als ursprüngliche Bevölkerungsschicht in Ghana und angrenzendem Togo angesehen sind im Wesentlichen Gruppen, die im 9. und 10. Jahrhundert, aus Norden oder Nordosten kommend, einwanderten. Auslöser der Wanderung war eine längere Trockenzeit. Auch das Erstarken von Alt-Gana und der Vorläuferstaaten des Mali-Reiches trugen zur Migrationsbewegung bei. Etwa ab 1300 n. Chr. siedelten sich Akanvölker in der Regenwaldzone an, verschiedene Reiche gründend. Um 1600 begann dort der Aufstieg des Ashantikönigreichs zur vorherrschenden Macht im heutigen Ghana Die Ashanti, geführt von ihren Königen, nahmen es über Jahrzehnte erfolgreich mit der britischen Kolonialmacht auf, die von Süden aus der Kronkolonie Gold Coast eindrang und schlugen diese in mehreren Kriegen. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die Ashanti dann von den Engländern und Helfershelfern bezwungen, nachdem Viele grausame Tode gestorben waren bzw. als Sklaven verschleppt wurden. Der Grund: Umfangreiche Goldfunde, die der Küste den Namen Gold Coast einbrachte. Bereits 1957 erlangte die Goldküste, das Ashantireich und Britisch Togo (Teile von ehemals Deutsch-Togo) die Unabhängigkeit von Großbritannien mit dem Namen Ghana, bleib jedoch GB durch die Mitgliedschaft im Commonwealth verbunden. Heute gilt Ghana, nach dem Freiheitsindex, als einer der freiesten Staaten Afrikas. Und die Ashanti als relevante Ethnie haben bis heute ihren König, der auch eine wichtige Rolle in der Politik spielt. Lange Zeit war die Goldküste einer der weltgrößten Goldproduzenten, bis heute spielt Gold neben Industrie-Diamanten eine bedeutende Rolle. Der Export von Hartholz bedeutet Abbau von Regenwald mit allen negativen ökologischen Konsequenzen. Ca. 30 Mio. Einwohner leben im Staat, 3/4 sind Christen, der Anteil derer, der die Grundbildung von 6 Jahren genießt, beträgt 60%, die Lebenserwartung liegt bei rund 64 Jahren. Wir besuchen das Königreich der Ashanti, vornehmlich die Hauptstadt Kumasi, nach Accra zweitgrößte Stadt im Land. Am Ende einer Nachtfahrt, die zwischen den beiden größten Märkten Westafrikas hindurch führt, landen wir auf einem netten Restaurantparkplatz, kostenfrei. Von hier organisiert man uns einen Taxifahrer, der uns zu den Sehenswürdigkeiten bringt. Wir besuchen im Rahmen einer Führung den Manhyia Palast (Fotoverbot im Innern), ehemals Königswohnsitz, heute Museum. Der König wohnt heute in direkter Nachbarschaft, ebenso wenig prunkvoll wie zuvor und das trotz des immensen Reichtums, über den Herrscher und Volk verfügen. Im National Cultural Centre, der Eintritt ist frei, gibt es das Prempeh II Museum (ehemaliger König) sowie eine alte Bibliothek. Wir begnügen uns mit einem Spaziergang durch den großen Park, schauen Handwerkern und Künstlern bei ihrer Arbeit nach traditionellen Techniken zu: Messingschmiede, Töpfer, Maler, Bildhauer. Die Weber, die bunte Kente-Stoffe herstellen, sind so fix bei der Arbeit, dass das Foto ihre Hände nicht scharfstellt. Jürgen besucht zum Abschluss noch das Armed Forces Museum, während ich entlang der Marktstände schlendere und meinen Durst an einer frischen Trinkkokosnuss stille. Zurück am Parkplatz gibt es leckeres Essen im Resto. Auf der Weiterfahrt Richtung Osten hat Jürgen die Idee, am Afram-Arm des Voltasees entlang zu fahren. Nach irgendwelchen Superlativen ist er der größte künstliche See weltweit. In jedem Fall ist der in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts angelegte Stausee gewaltig. Ca. 20 km üble Piste schaffen wir, dann wird es steinig, felsig, teils steil. Noch 40 km. Wird es besser? Schlechter? Wir sind allein, es ist spät. Die Entscheidung fällt gegen die Piste und für die Fähre(n). Das heißt zunächst zurück, dann von Adawso über den Afram, Seitenfluss des Voltasees, übersetzen. Von dort ca. 110 km nach Agordeke. Hier legt eine Fähre über den Hauptsee nach Torkor ab. Zwei Stunden dauert die Fahrt quer über den See. Ab und an steigen Inseln aus dem Dunst empor, zaubern surreale Bilder im Dunst. An der Grenze zu Togo liegen in Wli Afegame die Wasserfälle nebst Lodge eines deutschen Paares, Restaurant, Wäscheservice… Wir haben reserviert, ganz nützlich bei Visaanträgen. Doch endlich angekommen werden wir am Tor abgewiesen. Mit Hund? Nein! Man hat selber Hunde, und der Rüde verteidige sein Anwesen und seine Hündin. Wir sind baff! Soviel Deutschland exportiert nach Ghana hätten wir nicht erwartet. Die Internetseite der Wli-Falls Lodge weißt nicht auf das Hundeverbot hin. Auch in den Telefonaten und im E-Mail-Verkehr fiel kein Wort davon. Leider fielen wir drauf rein. Also, Overlander, macht einen Bogen um die Lodge wenn ihr einen Hund habt. Wir finden eine Lösung, mit den Afrikanern! In Wli-Afegame, mit Restaurant, Wäscheservice, Frischwasser… Welcome, heißt es hier! Côte d´Ivoire 10.01. – 14.01.2024 10.01. – 14.01.2023 Zur Geschichte der Republik: Seit 1960 unabhängig von Frankreich, jahrzehntelang politisch stabil; Exporterlöse des bis heute weltgrößten Kakaoexporteurs garantierten relativen Wohlstand. Verfall der Kakaopreise am Weltmarkt und landesinterne Konflikte eskalierten zum bürgerkriegsähnlichen Kampf. Friedensvertrag 2007; 2015 Wirtschaftswachstum gut 9 %, somit eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften weltweit. Den 40 %-Anteil an der weltweiten Kakaoproduktion bedroht seit wenigen Jahren ein Virus, die Ernte ist eingebrochen. Doch weitere Agrarexportgüter sind Ananas, Avocado, Bananen, Kaffee, Kokosnüsse, Mangos, Papaya, Zitrusfrüchte. Wichtigster Exportartikel bzw. Industriezweig ist Erdöl und die Rohölraffinierung. Der Elefant mit seinem Elfenbein gab den Namen, durch Wilderei heute nur noch in Reservaten zu sehen. Weniger bedroht sind die westafrikanischen Krokodile und Schlangen wie Kobras, Mambas, Puffotter, Vipern, Pythons. 24 Mio. Einwohner vereinen ca. 60 Volksgruppen, 26% sind nicht Ivorer, eingebürgert 0,6%. Kaum 40% sind Moslems, knapp 1/3 Christen, der Rest ist Anhänger westafrikanischer Religionen, auch unter Moslems und Christen zu finden. Alphabetisierungsrate ca. 43 %, hohes Bildungsniveau besitzen die Eliten. Seit Anfang 2020 gibt es eine Krankenversicherung für alle Einwohner, für 1,55 Euro/Monat/Person, nur ein Bruchteil ist Mitglied. 70 % der Behandlungskosten werden übernommen, der Rest ist Eigenanteil. Durchschnittliche Lebenserwartung überraschend niedrige 59 Jahre. Ist wieder verschmutztes Trinkwasser verantwortlich für den Großteil der Erkrankungen? Rund 3/4 der Ivorer haben Zugang zu sauberem Wasser, ein vergleichsweise hoher Anteil. Das Abwassersystem ist weit weniger entwickelt: So hat ¾ der Bevölkerung keinen Zugang zu Latrinen. Wichtigster Sport in der Republik ist Fußball, die Nationalmannschaft eine der zehn erfolgreichsten Afrikas. Mal sehen was beim Afrika Cup 2024, `La Can`, vom 13.01. – 11.02. in Cote d´Ivoire geschieht.  Die Einreise nach Côte d´Ivoire bei Nzoo/Guela ist unproblematisch. Geldfieberimpfung, Reisepässe, Visa werden kontrolliert, Daten in Listen übertragen. Gegen ein kleines Geschenk können wir einen Tag vor Visagültigkeit die Grenze passieren. Das Carnet wird sechs km später beim Zoll fix gestempelt. Wir fahren noch ca. 100 km auf bester Teerstraße bis Gbangbegouine-Yati. Es regnet. Erstmals seit? Wir können uns nicht erinnern. Auf einer Freifläche neben einem Betonbau parken wir spät zur Nacht. Eine christliche Kirche, so stellt sich bald heraus. Wir dürfen bleiben. Gemeindemitglieder kommen zum Gebet. Während wir zu Abend essen geht die Standpauke der Vorbeterin los. Wie eine mütterliche Schimpftirade, die auf ihre missratenen Kinder trifft, mit zunehmender Härte, gebetsmühlenartig wieder und wieder. Zuwenig französisch verstehe ich, ihren Wortschwall nachzuvollziehen. Gott sei Dank erfuhren wir zuvor, dass es sich um eine Kirche handelt, sonst hätten wir wohl panikartig das Weite gesucht. Mit trauriger, verzweifelter Stimme – über die missratenen Kinder? – endet die Kanonade. Anschließender Gesang versöhnt nicht. Noch vor Sonnenaufgang geht es mit Trommeln und Singen weiter. Oh mein Gott! Im Dämmerzustand erinnere ich meine im April 1896 geborene Großmutter, die mir beten nahebringen wollte. Vor ihrer Marienstatue hockend, sich an die Brust klopfend, inbrünstig sprechend: Durch meine Schuld, durch meine übergroße Schuld…. Mantraartig! Verdammt, Schuld bin ich gar nichts! Ja, ich mache Fehler, wie jeder, das ist menschlich, ein Zeichen des Lebens, Versuch und Irrtum! Jesus, egal ob Gott, Prophet oder palästinensischer Rebell predigte Liebe, Friede, Freude, Vergebung… Gottesfurcht? Ich fürchte meine Feinde, wie die, die mir ohne Not den Nachtschlaf rauben! Müde ziehen wir weiter, im Zeitdruck, denn wir wollen vor dem 15.01. in Ghana einreisen, dann endet lt. Recherchen die Möglichkeit, Visa on arrival zu bekommen, die auf die Feiertagssession zum Jahreswechsel beschränkt sei. Noch wichtiger: Wir wollen vor Beginn der Regenzeit im März Nigeria nach Kamerun durchquert haben. Der Grenzübergang im Süden, am Trans-Afrika-Highway, ist wegen der Konflikte in den angrenzenden Regionen Kameruns nicht nutzbar. Ergo müssen alle den alten Eselpfad weiter im Norden durch die Berge über die Regenwaldpisten nehmen. ´No go´ im Regen. Na, kurze Gewitter erleben wir bereits jetzt. Erneut vor Zakogbeu. Die Dorfgemeinschaft erlaubt uns, auf ihrem Platz zu nächtigen. Zu müde sind wir, ihrer Einladung ins nahe Dorf zu folgen. Die Herren freuen sich über ein kaltes Bier, die Damen mit der Kinderschar vertröste ich mit dem heraufziehenden Regen. Weiter, über beste Straßen, der Trans-Afrika-Highway verdient hier seinen Namen, in die Hauptstadt Yamoussoukro. Zu wenig Zeit, schade, die Stadt hätte es verdient. Einen Kaffee nebst Gebäck gönnen wir uns, doch sind entsetzt: Statt ivorischem Kaffee wird Nestlé serviert, ein ekliges Gebräu aus Milchpulver und Instantkaffee. Oh Afrika! Die Obst- und Gemüseeinkäufe am Straßenrand für kleines Geld versöhnen und munden herausragend in Sikensi, abseits der Autobahn nach Abidjan. Die einstige Hauptstadt, bis heute politisches und wirtschaftliches Zentrum, ist im Afrika-Cup-Fieber. Fahnen, Tröten, Maskerade, zahllose Schlachtenbummler sind lautstark unterwegs. Im Carrefour gibt es das, was wir lange Zeit vermissten: Yoghurt, Käse, Schweinefleisch, Vollkornbrot. An der attraktiven Uferpromenade des Atlantik legen wir eine Teepause ein und in Kouakoukro la-Limite finden wir in einem Schuldorf, wir würden es wohl Internat nennen, Asyl für die Nacht. Gespräche mit dem Direktor, Lehrerinnen und vor allem mit den neugierigen Schülern verzögern unsere Abfahrt und unterbrechen immer wieder die Telefonate mit Sarah, Simon und Familien. Aber so nehmen die daheim auch ein wenig an unserem Alltag teil. Zum Abschied verschenken wir eine Reggae CD von Ras Erigz, schließlich durften wir unentgeltlich stehen. Da wir bei den ivorischen Straßenkontrollen immer angehalten werden, brauchen wir noch zwei Stunden bis zur Grenze. In derselben Zeit reisen wir in Noe aus und in Elubo ein nach Ghana. Osmand sagt es sei ein Flüchtlingsheim vor dem wir bei Kamgbunli zur Nacht stehen. Mir erscheint es eher wie eine noble Ferienanlage.

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