2019_GoSouth_West_Africa_Teil08

 

                                                                 Reiseroute durch Westafrika

Einige kurze Filme von unserer Reise;  Update 10.04.21 (klick hier):

Senegal > Gambia > Senegal 2.0

Senegal 2.0
GoEU-Ticker:
Schiff Dakar – Valencia Abfahrt die Erste: 26.04.21, gecancelt, Abfahrt die Zweite: 02.05.21… Flug Dakar – Madrid: 05.05.21. Abgabe Ive im Hafen: 26.04.21. Letzte Woche Lac Rose, im LKW? Ja und nein. Wir drei gehen in die Verlängerung, s. u., Abgabe Ive planmäßig, ohne Probleme, nur viel Zeit. Verladung Ive 27.04.21 geplant. 30.04., keine Neuigkeiten. 03.05.21, 03:33 Uhr Schiff verlässt Dakar! 
05.05.21, PCR-Tests negativ, Ive schwimmt bei den Canaren. Abflug 22:00 Uhr geplant. Abflug 22:30 Uhr, Ankunft Madrid 04:30 Uhr local time E. Nun fehlt nur noch Ive!

Drei Dinge sind uns aus dem Paradies geblieben: die Sterne der Nacht, die Blumen des Tages und die Augen der Kinder. Dante Alighieri

01.05. – 05.05.2021 Zwiespalte kennzeichnen die letzten Tage im Senegal. Wo man uns Gastfreundschaft botFremde zu Freunden wurden. Der uns aber auch viel abverlangte, klimatisch, menschlich – kulturell. Wir lernten, unvorbereitet in einem fremden Land leben zu müssen! Nein, zu dürfen! Eine Zeit, in der wir auch fassungslos auf das Weltgeschehen blick(t)en sowie in die müden Augen derer, die darunter leiden. Eine verrückte Welt lässt sich nur langsam wieder ins rechte Lot bringen. Wenn überhaupt. Schmerzlich der lange Verzicht auf Kontakte zu Freunden, Familie in Deutschland. Aber was schreib ich? Ist dies doch eine der weltweiten Gemeinsamkeiten.
Abschiede am Lac Rose. Traurigkeit. Stress. Erleichterung. Feiern. Entspannte Momente. Wir umarmen uns, spüren in wenigen Augenblicken, wie quasi im Traum 14 Monate Senegal vorbei ziehen. Dankbar für das Erlebte.
Manuel und Marina, die bei der Verschiffung von Ive unterstützten, verbringen mit uns das Wochenende im Gite du Lac. Bringen traumhafte Schokoladentorte mit und lassen den Korken knallen!
Christine und Pierre kommen mit ihren Töchtern vorbei, sich zu verabschieden. Tränen in den Augen. Wir waren für sie die ersten Sozialkontakte im Land – im Lockdown. Gegenseitig stützten wir uns in nicht einfachen Zeiten, für die wir alle vier andere Pläne gemacht hatten. Der Abschied fällt fast auf den Jahrestag unseres Kennenlernens.
Amadou fährt uns nach Dakar zum PCR-Test und in den Hafen, wo wir Ives Dokumente abholen, während er entlang der Westküste Afrikas nach Norden unterwegs ist. llig entspannt lassen wir dank unseres souveränen Chauffeurs nochmals die chaotische, lebendige Großstadt Afrikas mit ihrer Vielfalt, mit auch bitterer Armut und menschlichem Elend an uns vorbei ziehen.
Packen, Aufbruch. Abschied von Stephanie, vom Platz am Bonaba Café, der uns im Lockdown und Couvre feu Heimat war, bevor wir für rund 7000 km das Land erfuhren.
Es wird kein Fazit geben. Senegal war
für uns kein Reiseland im eigentlichen Sinne. Es ist der Staat, in dem wir nach Deutschland die längste Zeit unseres Lebens verbrachten, der uns nachhaltig prägte.

25.04. – 30.04.2021 Was wir über unsere Gesellschaft, 
ja über die Welt, in der wir leben wissen, 
wissen wir durch die Massenmedien, so der Soziologe und Gesellschaftstheoretiker
 Niklas Luhmann https://de.wikipedia.org/wiki/Niklas_Luhmann. Teils gehe ich mit ihm konform, jedoch bleibt immer auch eigenes, kritisches beobachten und hinterfragen. So sehen wir, dass die medialen Aussagen des Auswärtigen Amtes zur Situation im Senegal nicht mit der Realität, die wir erfahren und Einheimische bestätigen, übereinstimmen.
Erlebte Coronalage: sehr moderate Erkrankungsrate, Sterbewahrscheinlichkeit lt. JHU 0,0074 % bezogen auf die Gesamtbevölkerung; professionelle, sich laufend mit der Infektionsentwicklung anpassende Praktik, wie auch GEO vornehmlich über die Hauptstadtregion berichtete. Schließung von Einrichtungen seit Monaten beendet, Maske in der Öffentlichkeit nur noch seltenst Pflicht, Reisefreiheit im Land seit Juni 2020, über die gambische Grenze seit wenigen Monaten auch für Touristen und anderes mehr.
Bedrohungslage zu Malaria:
ist im Land eindeutig gegeben und besitzt wahrlich das Potential zu töten, jedoch ist die abgegebene Risikoeinschätzung deutlich überzogen. Hätten wir auf Empfehlungen von RKI und AA gehört statt auf unseren umsichtigen Hausarzt, wäre BigPharma jetzt um einige Tausend EUR reicher und wir ´vergiftet´. Unsere Herangehensweise und Expositionsprophylaxe: Einheimische nach dem Risikoprofil des jeweiligen Ortes befragen, je nach `(P)Lage´ abends Spezialkleidung, Antimückenspray unRäucherstäbe, letztere wohl auch dem Glauben an Abhilfe geschuldet. Vor allem suchten wir während der Hauptsaison (Regenzeit) Plätze mit geringem Vorkommen der Malariamücke wie Wind und abseits von Süßwasser(tümpeln) auf .
Während Jürgen Ive im Hafen abgibt, was Dank guter Betreuung durch verschiedene Agenten einige Stunden Zeit und Geld kostet, richte ich unsere Hütte in Bonaba chez Nono ein. Herausforderungen: EinKlobrille, die bei Gebrauch unter meinem Gewicht zusammenbricht. Klobrille braucht man nicht. Wasserspülung fehlt, magere Dienste leistet ein Plastikbecher. Dusche? Ein Abfluss im Boden und drei Wände. Wasser? Holt man am Brunnen, begießt sich mit einem Gefäß. Häufiges duschen ist gesunder Haut eh abträglich. Solarlampen, unsere eigene und die aus der Hütte laden kaum bzw. gar nicht. Ein hoch auf die Solarstromspeicherung und erneutes Beispiel für Produktion von Ökomüll. So sitzen wir im Kerzenschein abends am Petit Lac bis uns auf der Waldseite der Hütte tiefschwarze Nacht umgibt. Dem Wald abgewandt zaubert der Vollmond einen silbrigen Glanz auf den kleinen See.
Rechner und Handys brauchen Strom! Lösung: laden beim Sundowner trinken gegenüber im Gite du Lac https://www.espritdafrique-senegal.com/gite-du-lac. Man kennt uns. Klar, das Campement liegt nebenan vom Bonaba Café. Minouk ging hier ein und aus, besuchte seine Eselfreunde, fand Küche bzw. Essensreste, wir kauften Käse, als Moussa noch dort war und nun hört man, dass wir bei Nono „afrikanisch“ leben, ohne fließendes Wasser und Elektrizität. Wir finden das vorübergehend okay, haben uns arrangiert, aber Papemans vom Gite macht uns ein Angebot, dass wir kaum ausschlagen können. Und so gönnen wir uns die letzten Tage im Senegal eine Unterkunft, in der WC und Dusche über fließendes Wasser verfügen, Frühstück und 3-Gang-Abendessen serviert werden und alles zusammen knapp 50 EUR kostet. Für das Gros der Senegalesen unbezahlbar, für Toubabs preiswert, für mich eine Art Geburtstagsgeschenk. Morgen ziehen wir um, Platzwechsel 96 innerhalb von rund 63 Wochen im Land.

19.04. – 24.04.2021 Die Zeit am Lac Rose ist gekennzeichnet von aufräumen, putzen, packen, organisierenSchließlich soll Ive einen guten Eindruck machen, wenn er ganz alleine bei Zoll und Hafenagenten vorstellig werden muss. Wenn uns Nervosität packt, oder wir mal wieder im Netz über Horrorgeschichten zu Verschiffungen von Womos stolpern, beruhigt uns Herr Hansen https://www.caravan-shippers.com/de/ auf persönliche und entgegenkommende Art. Auch der sog. Clearing Agent im Hafen von Dakar, der Franzose Antoine, empfohlen von Manuel, macht einen sehr geschäftsmäßigen, professionellen Eindruck. Morgen Nachmittag fährt Jürgen zum Hafen, um Ive am 26.04. morgens abzugeben. Wäre doch nur schon alles vorbei! Zeltparzelle bei Valencia ist gebucht, Mietwagen zum Transfer von Madrid dorthin ebenso. Trotzdem bleiben Unsicherheit, Sorgen, nächtliches Kopfkino hat völlig gratis Zusatzvorstellungen im Programm. EU-Politik lässt sich gefühlt stündlich neues Regelwerk einfallen, das Volk zu drangsalieren. Zur Ablenkung spielen wir zwischendurch etwas im Sandkasten, üben nach jahrelanger Abstinenz zelten, na ja, zumindest den Aufbau.
Irgendwie steht die Ausreise aus dem Senegal unter ungünstigen Sternen. Genau die zehn Tage, die wir als Gäste bei Christine und Pierre in Dakar auf ihr Angebot hin dort verbringen wollten, erwarten ihre Töchter die Einreiseerlaubnis ins Land. Da treten wir natürlich zurück. So kurzfristig eine geeignete und vor allem bezahlbare Bleibe für die Zeit zu finden ist nicht einfach: Hund, Kochmöglichkeit, ausreichende Größe für unser Sperrgepäck. Wir berichten Stephanie und Amadou von der Situation. Kaum 24 Stunden später bewahrheitet sich erneut: die Toubabs suchen die Probleme – also wir in dem Fall, Stephanie ist ja nach 16 Jahren afrikanisiert – und die Afrikaner die Lösungen. Diesmal findet sie Amadou. Er betreut für einen Franzosen eine Hütte gegenüber des Bonaba Café. WC, Dusche sowie Brunnen sind vorhanden. Seit Jahren war der Eigentümer nicht mehr dort, also kleines Geld fürs putzen bereitstellen, Amadous Frau übernimmt die Wäsche, Stephanie hilft mit Gaskocher und Küchenequipment, so sind wir mal wieder versorgt und autark. Wunderbares Afrika! Ach ja, Problem: kein Strom! Also dafür müssen die Toubabs jetzt mal selber eine Lösung finden! So werde ich den morgigen Abend gemütlich mit Minouk und Kerze in der Hütte im Wald am Petit Lac verbringen, während Jürgen sich im Dschungel der Großstadt ganz alleine durchschlagen muss.

Nachtrag zur Hochzeit von Nicole & Amadou: Die beiden haben uns mit Fotos und Videos an ihrem Fest teilhaben lassen; leider nur die Amateurversionen, die vom Fotografen stehen aus. Wir freuen uns trotz bescheidener Qualität über die Erlaubnis, einen Eindruck vermitteln zu dürfen.

14.04. – 18.04.2021 Ins Kloster von Keur Moussa locken Ziegenkäse und Limoncello. In den Hafen von Dakar der Clearingagent für die Abfertigung von Ive. Will Papiere, am besten sofort, damit Ive das Schiff am 02.05. nicht verpasst!? Wir quälen uns also durch die City ins südliche Ende der Hauptstadt, tauschen Papiere gegen ebensolches Geld – oh nee, wir sind die alleinigen Geber. Dumm gelaufen!
Jetzt noch
in die Medina zu Iberia, Flug buchen, für Hund mit Übergewicht. Das menschliche Schwergewicht neben uns am Schalter wird ohne jedwede Diskussion eingecheckt. Aber letztendlich wird auch Hund gebucht.
Belohnung für stundenlange nervenzermürbende Administration: Café au Lait und Auswahl französischer Backwaren zu europäischen Preisen. Lächeln, zahlen, genießen! Es ist Ramadan und deshalb das Geschäft brechend voll. Das Gros der Kunden kauft riesige Präsentkörbe, um die am Tag nicht verzehrten Nahrungsmittel gerne in Form von Zuckersüßem nach Sonnenuntergang im geselligen Kreise üppigst zu genießen. Wir haben tagsüber nicht gefastet, begnügen uns mit ein wenig Blätterteiggebäck, vor Sonnenuntergang. Zurück zuLac Rose. Hähnchentapas sowie knusprige Pommes frites kaufen und anstoßen auf den Erfolg unserer Hartnäckigkeit!

09.04. – 13.04.2021 Hindernisse versperren nicht den Weg. Sie sind der Weg, so ein Zen-Sprichwort. Sackgassen leiten uns ab und an in die Irre. Doch wir geben nicht auf, sind zäh wie russischer Schlamm. Familie und Freunde sehen, in die Arme schließen, von Angesicht zu Angesicht erleben, wie es ihnen geht, ist für uns enorm wichtig! Ich will nicht verschweigen, dass uns dabei auch Sorge, fast Angst, begleiten. Marschieren wir nach 14 Monaten aus dem goldenen Käfig sehenden Auges in die DDR 2.0? Wo die ersehnten Kontakte evtl. sogar verboten sein werden? Doch auch alle Wege ins südliche Afrika, wo reisen in Grenzen noch möglich scheint, führen derzeit (noch) von Westafrika über Europa.
Immer wieder erleben wir auf vielfältige Art und Weise Unterstützung und Hilfe, von Fremden und Freunden im Senegal wie aus Europa. Überwältigt sind wir vom jüngsten Angebot, das Margrit und Peter offerieren. Schweizern wie ihnen ist es evtl. eher möglich, Ive für/mit uns aus Afrika herauszufahren, als den aktuell fast weltweit wenig gut gelittenen Deutschen – auf politischer Ebene! Wunderbare Erfahrungen, die uns tief berühren! Jedoch konkretisiert sich die Möglichkeit der Verschiffung. Das Schiff von Grimaldi fährt! Angeblich am 26. April Dakar Valencia, oder später!? Aktuell sind wir guter Dinge, dass Ive mitschwimmt! Lösegeldforderung: extrem hoch. Unsere Zwangslage ist bekannt.
Unbenommen davon werfen wir wenige Blicke hinter die Kulissen im Senegal, wie die Jeoachin Fode Ndiaye Schule für Technik, eine Art Berufsschule, in Joal Fadiouth. Etwa 250 Schüler, Mädchen und Jungen werden gemeinsam unterrichtet. Der Lehrkörper besteht aus 25 Personen, ca. acht davon Frauen. Mit dem jungen Lehrer für technisches Zeichnen kommen wir kurz ins Gespräch: gezeichnet wird auf Papier, aber auch CAD wird gelehrt. Klassen, Werkräume, Lehrerzimmer, Sekretariat, Direktorzimmer, nichts ist außergewöhnlich. So gewöhnlich, dass ich im Geiste wieder Schülerin werde Richtung Direktorat marschierend, um mich zu verabschieden. Zum Direx gehen ist immer doof, auch im Senegal.
Und ein Blick in familiäre Strukturen: Amadou heiratet Nicole. Beide kennen wir vom Bonaba Café. Er, praktizierender Muslim, verheirateter Vater zweier Kinder, sie Christin, geschieden mit Tochter, wird durch die Hochzeit Amadous Zweitfrau. Im Dezember heiraten sie in der Kirche, Nicole möchte es so. Amadous erste Frau hatte bei ihrer Hochzeit ihre Zustimmung gegeben, dass sie die Doppelehe erlaubt, reduziert damit die Wahrscheinlichkeit einer Scheidung, die im Senegal einfach möglich ist. Nicole möchte uns gerne einladen, doch irgendwie traut sich, so scheint es, Amadou nicht, die offizielle Einladung wäre seine SacheEr fürchtet wohl, wir würden ein Urteil fällen über ihn und seine für uns ungewöhnliche Situation. Da wir zur Hochzeit unterwegs sind, senden wir Glückwünsche, über die er sich sichtlich freut. Patchworkfamilie auf senegalesische Art. Möglich, wenn Mann es sich finanziell leisten kann.
Wir verlassen Joal Fadiouth über Pisten und Kleinststraßen, erleben wieder ein kleines Stück Afrika, Pisten, Savannenlandschaft, Dörfer mit Brunnen und strohgedeckten Häusern, kaufen ein im Supermarkt in Saly Portudal nach europäischem Muster nebst Angebot und errichten unser Heim über dem Delta der Somone, diesmal auf der Südseite. Ich rufe Malick vom New Panoramic Restaurant gegenüber an. Klar können wir bei ihnen essen, klar lässt er uns mit dem Boot abholen. Seine Freude, uns wiederzusehen ist überwältigend. Während ich mit ihm telefoniere ruft er seiner Frau May zu Minouk est arrivé. Im Schlepptau zwei Toubabs. 

29.03. – 08.04.2021 Ostern fällt dieses Jahr mit dem Nationalfeiertag Senegals zugleich. Zuvor, ca. drei Wochen nach den Ausschreitungen in Dakar, beendet der Präsident die Coronapolitik im Staat mit zwei Ausnahmen: Maskentragen im Fahrzeug und weiterhin offiziell verbotener Tourismus. Kaum jemand hält sich an die erste außer Polizei ist in Sicht, für die zweite werden Auswege gesucht und je nach Phantasie des Suchenden gefunden. So ganz will es sich Macky Sall einerseits doch nicht mit Europa verscherzen und auch die neuen Freunde aus China begrüßen Maske und Freiheitsbegrenzung. Andererseits ist ihm dringend am Geld der Reisenden gelegen. Sein Volk verarmt, hungert. So bleiben wir gern gesehene Gäste im Land. 
Ostern in der EU erneut im Lockdown, hoffentlich nicht im Bewegungsmangel. Zu Tode geschützt ist auch gestorben (Prantner Chr., nzz.ch) und die nzz.ch vom Ostersamstag berichtet aus us-kanadischer Studie, dass die an diesem Mangel vorzeitig Verstorbenen die weltweite Zahl Coronatoter weit übertrifft. Also bleiben wir mobil.
Wandern, um den
Lac Rose, am Strand … und Aufbruch, Neues zu sehen. Das gibt es auch für uns noch im Senegal. Über Mont Rolland mit Kloster und Kirche fahren wir auf teils traumhaften Pisten durch ebensolche Landschaft. Pambal, Tivaouane, Touba Toul, Khombole, Sandiara, Thiadiaye, Diofior, Fimla sind Stationen auf dem Weg nach Joal Fadiouth (Auflistung für Pisteninteressierte). Auf dem Gelände der Jeoachin Fode Ndiaye Schule für Technik, direkt an der Lagune mit Blick auf die Muschelinsel Fadiouth und den Inselfriedhof, treffen wir zufällig auf Nicolas, den Austernzüchter aus Oléron, den wir mit festgefahrenem LKW und Kindern bei Palmarin kennenlernten (s. 25.06. – 30.06.2020). Nach kurzem Gespräch mit dem Schuldirektor dürfen wir uns hinzugesellen. Nicolas, zwischenzeitlich nach Frankreich geflogen, versucht das Auto nach Europa zu holen. Anders als Deutsche Politik(er) bietet Frankreich Hilfe. Keine große Sache, aber immerhin. Frankreich und Marokko nähern sich an, erneuern ihre einst guten Beziehungen und organisieren evtl. Schiffsverkehr zwischen beiden Staaten. Gut für ihn!
Wie schrieb ich: Wir kennen jemanden, der jemanden kennt … doch auch dieser erreicht nichts. Grimaldi mauert. Kein Transport von Campern. Der Zufall will es, dass sich Ende März ein Paar aus Fürth an den Lac verirrte. Wir plauderten mit Marina und Manuel über dies und das. Fanden schnell gemeinsame Themen und erfuhren, dass Manuel, Deutschitaliener, zwar niemanden kennt, er aber selber international agierender Spediteur mit besten Verbindungen ist. Und so beißt er sich seitdem die Zähne aus an Grimaldi. Währenddessen erkunden wir Joal Fadiouth https://de.wikipedia.org/wiki/Joal-Fadiouth, Kleinstadt an der Petit Côte. Schlendern über die pittoreske Muschelinsel Fadiouth, lassen Ruhe und Stimmung auf dem nahe gelegenen Inselfriedhof auf uns wirken. Die letzte Ruhestätte, wo Moslems und Christen begraben unter Muscheln Seite an Seite liegen, besitzt einen besonderen Reiz. Der Stadtteil Joal, Geburtsort des Dichters, Politikers und Staatsgründers Léopold Sédar Senghor, gelegen am Meer, ist eher städtisches Zentrum und Versorgungsschwerpunkt.

Ostergrüße vom Lac Rose. Möge Menschenwürde wiedergeboren werden.
(Michael Esfeld zum 1945 erschienenen politphilosophischen Meisterwerk Karl Poppers «Die offene Gesellschaft und ihre Feinde» gegen den Totalitarismus. nzz.ch, 01.04.2021)

22.03. – 28.03.2021 Anfang Oktober letzten Jahres weilten wir einige Tage auf einem Campement an der Ostseite des Lac Rose. Dort stand, einsam und verlassen, der LKW von brummi-tours http://www.brummi-tours.de. Sein Besitzer, der mit Touristen durch Afrika reist(e), stellte ihn im März 2020 dort ab und flog, wie seine Kunden, nach Deutschland. Der Zufall will es, dass ich das allwissende Netz befrage, wo sich der Meister des Brummis derzeit aufhält. Ja! Genau, gegenüber. Und so lernen wir Michael Kunzendorf kennen, trinken gemeinsam Tee aus Südafrika, abends am Lagerfeuer Bier aus dem Senegal, Rum aus Benin. Würzen mit Erzählungen aus dem Reiseleben: Pleiten, Pech und Pannen, aber auch von den grandiosen Momenten, erschaffen von Menschen und Natur. Dürfen wir nicht in die Welt, holen wir sie zu uns – könnte man meinen.
Aachener Printen gibt es bei Birgit und Marcel! Köstlich, wunderbare Aromen, Duft von Heimat, Weihnachten im Sommer! Printen Klein https://www.printen.de verschickt zwar weltweit, doch unseren Nachtisch importierten die beiden.
Und: Wir kennen jemanden, der jemanden kennt, der uns möglicherweise zu einer Schiffspassage für Ive verhilft. Na also, nur einmal mehr aufstehen, als einem der Alltag ins Gesicht schlägt!
Das Wochenende beschert Kurzweil: Kunst, Landschaft und französische Gastfreundschaft in Dakar sowie zurück am Lac Rose die Senegalesische MX Meisterschaft. Doch der Reihe nach. In der Hauptstadt parkt Ive auf dem Zulieferparkplatz eines großen Supermarktes. Wir sind der Ansicht, der Platz ist nicht nur für den Großeinkauf, sondern auch für die Nacht geeignet, zahlen kleines Geld an die Geländecrew und ziehen von dannen. Die Galerie Arte im Stadtteil Mermoz zeigt eine Ausstellung afrikanischen Kunsthandwerks, die ergänzt wird von Bildern Vincent Isambourgs (unser Gastgeber am Bonaba Café). Christine und Pierre bieten, neben heißer Dusche, Speiss´ und Trank. Gemeinsam genießen wir beim Bootsausflug auf das kleine Eiland Ngor dessen Schönheit und Stimmung. Offener Atlantik, die ruhigere Meerenge hin zur Hauptstadtseite, Blick auf den westlichsten Punkt des afrikanischen Kontinents, Künstler, ihre Arbeiten ausstellend, kleine Kneipen, Bars und Strandrestaurants. Alles auf wenigen Kilometern, schnell ist das Inselidyll zu Fuß umrundet.
Sonntag früh fahren wir zurück zum See. Hier wird die zweite Runde des Championnat Senegal Moto-Cross, Challenge SMV-Motul ausgetragen. Über dem ansonsten immer noch recht verschlafenen Lac Rose Village weht der Duft von Action, Sport, Freiheit und Abenteuer. Drei Mal wühlen sich Junioren bzw. Senioren mit ihren Maschinen für 20 Minuten durch den Sand, bevor jeder zu Ehren kommt. Der eine mehr, der andere weniger. Mehr, die Weißen; minder, die Schwarzen. Auch hier zählt neben Geschick, physischer wie psychischer Kraft und Glück eben auch das nötige Geld.
Nein, die Veranstaltung ist keineswegs mit der Dakar vergleichbar, auch kein Ersatz für das wegen Corona und der Haltung Marokkos abgesagte Afrika Eco Race 2021, aber wir haben den Eindruck, jeder der kann ist auf den Beinen. Manch einer muss seinem Alltag nachgehen, hat nichts mit dem Renngeschehen zu tun, doch die Mehrzahl versucht im Rahmen des Events ein wenig Geld zu verdienen, freut sich am munteren Geschehen, am Leben im Ort. Der ein oder andere träumt. Von guten alten Zeiten. Vom Geist der Dakar.
Hier ein Video zum MX Championnat,  schaut mal rein. Demnächst wissen wir vielleicht auch, wie es bei uns weiter geht. Mit unserer „Dakar“.


16.03. – 21.03.2021 Wer hinter die Puppenbühne geht, der sieht die Drähte, schrieb Wilhelm Busch. Der hat gut reden. Was macht man, wenn man selber an diesen hängt? Strampelt, zappelt, fällt und aufsteht, ganz wie es den Puppenspielern beliebt?
Eine Woche nachdem Grimaldi uns ein Angebot für die Verschiffung von Ive macht, ziehen sie es zurück: No commercial interest, so die eine, for camping vehicles or similar no roro shipment allows die andere Erklärung in derselben kurzen E-Mail. Doch egal was stimmt, es zählt die Ablehnung der Verschiffung. Wiederum eine Sackgasse. Wie schon so viele zuvor. Müde ob zunehmender Perspektivlosigkeit bemühen wir uns, nicht allzu tief in ein dunkles Loch zu fallen – im goldenen Käfig. Es werden nicht die Puppenspieler sein, die uns aufrichten, das müssen wir schon selber leisten.
Lange sitzen wir abends mit Birgit und Marcel draußen, diskutieren die Situation, schauen aus verschiedensten Richtungen auf immer wieder das selbe Desaster.

Im nahen Lac Rose Village kaufen wir frisches Obst, Gemüse und Brot. Schönes Kunsthandwerk, das unzählige Boutiquen rund um die kleinen Lebensmittelläden anbieten, trauen wir kaum anzuschauen. Blicke auf die Waren oder gar stehen bleiben wird übersetzt in: potentieller Käufer. Schade. Mit den Menschen reden, erklären, dass wir einerseits keine wandelnden Brieftaschen sind, andererseits im LKW lebend, kaum über Bedarf verfügen, wir uns aber trotzdem an Schönem erfreuen möchten, uns für ihre Arbeit und ihre schwierige, teils ausweglose Situation interessieren, ist nicht immer leicht. Heute ist es gelungen. Verständnis und Respekt auf beiden Seiten.

07.03. – 15.03.2021 Kein Vormarsch ist so schwer 
wie der zurück zur Vernunft, so meint Bertolt Brecht. Zumindest herrscht in Dakar und der Region wieder Ruhe. Hoffen wir auf den Vormarsch, sprich die Rückkehr zur Vernunft seitens Politik. Es wäre seit langem Zeit, diesen Weg zu gehen!
Welche Wege werden wir beschreiten, um unseren goldenen Käfig Westafrika verlassen zu können? Alle Bemühungen, vom Senegal aus nach Süden zu kommen, haben sich zerschlagen. Dabei waren wir sogar so fesch, gemeinsam mit Leidensgenossen und ihren Hunden das Mieten eines kleinen Fliegers ins Auge zu fassen. Auch die Ausreise nach Mali und weiter durch Algerien erscheint uns immer noch nicht als Alternative. Marokko erlaubt vor allem all den Angehörigen von Staaten, die sich kritisch zur Westsaharafrage äußern, weder Ein- noch Ausreise. Nun beginnt sich eine Verschiffung in den Süden Europas abzuzeichnen, für Ive. Wir? Fliegen! Wohin? Wir werden sehen.

Zunächst heißt es für uns am Lac Rose: da capo! Spaziergänge durch den Wald, am Strand entlang, rechts und links rum. Um den See, dito. Salat und Koriander aus Isambourgs Garten. Am Wochenende essen im Bonaba Café. Besuch bei und von Birgit und Marcel.
Auch Christine und Pierre holen ihren am letzten Wochenende den Krawallen zum Opfer gefallenen Besuch bei uns nach. Sie bringen neben dem an ihre Adresse gesandten Carnet Carepakete vom Weihnachtsurlaub aus Europa: Kontaktlinsenreiniger, Zigarillos und herrlichen Christstollen!
Da das Carnet mit einer Verspätung von zehn Tagen an den Empfänger ausgeliefert wurde, gibt es die 90 € für den Expressversandt zurück. Der Zoll in Dakar stempelt anstandslos. Endlich mal eine Reihe guter Nachrichten.

26.02. – 06.03.2021 In Toubacouta verbringen wir zwei Tage im Campement. Ausruhen. Zum ersten Jahrestag im Senegal gönnen wir uns zu Austern südafrikanischen Sekt sowie bestens gegrillten frischen Fisch. Ergebnis: Essen super, Brummschädel allererster Güte. Am nächsten Abend ist die Zubereitung der Flügel des wohl an Altersschwäche verendeten Gummiadlers die Energie nicht wert. Wir ziehen weiter.
Die Fähre bei
Foundiougne nach Fatick nimmt uns nicht mit. Zu viele Werktätige warten auf Transport, so die Erklärung. Also begeben wir uns auf den ca. 150 km langen Umweg über Straßen; Kontrollen und Geldforderungen eingeschlossen. Letzteren entkommen wir dank umfangreicher Diskussionen. Zum nachtlagern biegen wir am Halleluja auf eine Piste ab, nicht ohne dort noch kaltes Bier und leckere Teigtaschen zu erwerben. Richtung Norden herrschen wunderbare Temperaturen. Wir sind der Hitzewelle im Süden entflohen und können bestätigen, dass eher gemäßigtes Klima insbesondere die Hauptstadtregion auszeichnet. Abends wird es sogar kalt.
Am Lac Rose gewähren uns Vincent und Stephanie am Bonaba Café erneut Gastfreundschaft. Die Stimmung am Lac ist mitnichten Rosa. Aller Nerven liegen blank. Gesichter sind überwiegend von Müdigkeit, denn von Lächeln gezeichnet. Moussa hat seine Ziegen verkauft, zu wenige Abnehmer gab es für seinen Käse, auf den wir uns schon freuten. Er selbst ist auch fort.
Christine und Pierre möchten uns besuchen, müssen jedoch kurzfristig absagen. Die Straßen im Raum Dakar sind aufgrund von Attacken und Krawallen zu unsicher. Oppositionelle liefern sich erbitterte Kämpfe mit der Polizei, zerstören Mautstationen, plündern französische Supermärkte. Der sonst politisch stabile, tolerante Senegal erlebt die seit Jahren schlimmsten Ausschreitungen. Perspektiv- sowie Arbeitslosigkeit, daraus resultierende Armut und Hunger sind Ergebnis staatlicher Corona-Politik. Die Lage mit wenig Erkrankten und Toten (0,24% ´Fälle`, Sterbewahrscheinlichkeit davon 2,5%, Stand 06. März ´21, Quelle https://coronavirus.jhu.edu/map.html) führt zu Aggression und vermehrtem Widerstand gegen die Obrigkeit. Wenige Funken genügen, um Flächenbrände zu entfachen. Der mit Europa verbündete Präsident Macky Sall zerstört Existenzen und Menschen, so hören wir immer wieder. Auch Muezzine predigen ex cathedra gegen staatliche Anweisungen, die nicht Allahs Geboten entsprächen… ich höre die Botschaft, mir fehlt der Glaube. Denn auch sie, versehen mit den Insignien der Macht, missbrauch(t)en diese zu oft, so lehren Erfahrung und Geschichte.
Senegal impft. Mit klassisch produzierten Impfstoffen aus China von Sinovac und Sinopharm sagt und liest man. Derweil sind Staatsmächte eifrig dabei, ihre Impfprodukte gegenseitig zu diskreditieren und Informationen zu Wirksamkeit wie Nebenwirkungen wenig transparent zu gestalten.
Ach ja, eins noch: Marokko verlängert
den Staatsnotstand bis Ende April. Verschließt sich vor dem Rest der Welt, insbesondere vor Deutschland, während das Auswärtige Amt nun lediglich eine bedingte Reisewarnung für das Königreich wegen Covid herausgibt. Widersinnig!?, seit kurzem ist explizit Deutschen sowie aus Deutschland einreisenden Drittstaatlern diese verboten.
Wie es uns geht? Was soll ich schreiben? Sommer, Sonne, Strand? Alles bestens? Nein. Das trifft es nicht. Zu oft wechseln Wohlbefinden, schöne Momente wie das Wiedersehen mit Stephanie, Birgit und Marcel, gemeinsames Essen im Bonaba Café und Sorgen ob des spürbaren Stimmungswechsels und zunehmendeFlächenbrände – wie in Dakar die letzten Tage.

 

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