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Kurze Filme der Reiseroute (09.05.2026)
Die Reiseroute:
Ungarn 17.05. – xx.05.2026
17.05. – 24.05.2026 Szeged, von Römern gegründet, derzeit nach Budapest und Debrecen Ungarns drittgrößte Stadt. Ende des 19. Jhdts. zerstört das Hochwasser der Theiß nahezu alle Gebäude. Tatendrang der Überlebenden und internationale Hilfe lassen den Wiederaufbau im attraktiven Stilpluralismus sowie Jugendstil gelingen, breite Flaniermeilen und großzügige Parks lockern die Ansiedlung auf, schaffen Raum für Erleben, Erholung. Heutzutage ist Szeged ein Zentrum der Wirtschaft, Kultur und Wissenschaften, letzteres auch belegt durch drei Nobelpreise an Wissenschaftler bzw. Uni-Alumni.
Doch auch das kleinere Pécs ist den Besuch wert. Uns fallen die zahlreichen deutschen Nummernschilder an PKW auf. Auch wenn die KFZ von Ungarn gefahren würden, müssten die Lenker für den Kraftstoff ca. 15% mehr zahlen, an den Tankstellen werden die Schilder gescannt und der Kraftstoffpreis entsprechend eingestellt.
Nach soviel Stadt und Kultur ist uns nach Landleben und so wenden wir uns den Weingegenden im Süden zu. Noch bevor wir die 30 km lange, erste offizielle Weinstraße von Villány nach Siklós erreichen, biegen wir in Villánykövesd von der Landstraße ab. Ein schöner Park, Picknicktische, zahllose kleine Gebäude an der Pincesor, so heißen hier die Gassen der Weinkeller- bzw. Presshäuser, die heute oft auch als Ausschank genutzt werden, ziehen uns an. Hier ahndet man hoffentlich ebenfalls nicht den Aufenthalt des frei stehenden Campertouristen. Direkt gegenüber liegt Borkatedralis, der Ausschank der Wein Kathedrale, momentan als einziger geöffnet. Regina begleitet uns als Donauschwäbin auf deutsch durch die Kellereiprodukte. Dies und das erzählt die Bürgermeisterin des kleinen Dorfes, seit 20 Jahren im Amt, die auf ihrem großen Familiengut noch aushilft. Sie bestätigt die teils hohen Bußen für freies Übernachten im mobilen Heim, wie wir es auch von anderen Einheimischen hören. Doch hier kontrolliert niemand, keiner fordert Bußen, meint sie. Den Dörflern macht die Politik von Staat wie Europa Sorge, man braucht den Tourismus. Auch der Ausverkauf des einst so erfolgreichen deutschen Staates ruft Unverständnis hervor, die Ungarn fürchten Gefahren fürs eigene Land, nicht nur durch den Rückgang an kaufkräftigen Touristen. Essen wollt ihr? Geht ins Fülemüle Csárda! Der Landgasthof Nachtigall entpuppt sich als herausragender Tipp. Retour an der Borkatedralis noch ein Absacker, Reginas Geldmaschine ist aus, bei uns das Bargeld, wir lassen anschreiben, kein Problem.
Der Abschied von dem schönen, gastfreundlichen Flecken fällt schwer und der Tag hat zunächst auch nur Reisefrust im Gepäck. Wir fahren die Weinstraße entlang nach Siklós. Die Beschilderung, Tonnagenbegrenzungen betreffend, das Freistehverbot – der Ort hat keinen Campingplatz – sowie Berichte über hohe Bußen, lassen uns vorsichtig agieren, wir biegen nicht ab in den Ort. Je länger wir in Europa weilen, je mehr Frust bezüglich des Bürokratiedschungels baut sich auf. Horrormeldungen über abgelaufenen TÜV und resultierende Sanktionen in Ungarn und Italien geistern durchs Netz, als da wären Einzug von Schildern und Papieren. Der ADAC Clubjurist Bernd Gstatter stellt die Sachlage bereits vor Jahren im Video klar. Denn anders als in D, wo Fahrzeugzulassung und damit die Gültigkeit der Zulassungsbescheinigung auch bei abgelaufener Prüfplakette bestehen bleiben, erlischt in Ungarn beides. Für Italien steht noch der Musterprozess aus. Na klasse! Hoffentlich sind nicht wir diejenigen, die ihn bemühen müssen. Nach Siklós erscheint auch der Besuch des Thermalbades Harkan nicht legal möglich und so landen wir nahe Drávasztára an der Drava am Rande des geografischen Niemandslandes. Am Grenzfluss zwischen Kroatien und Ungarn kommen wohl auch die Bürokraten ins Schwimmen und stellen Eigenrettung vor Drangsal des Bürgers. Und so gewährt die Bürgermeisterin auch hier dem Freiheitssuchenden Asyl. Wie wunderbar, es gibt sie noch, die Inseln der Glückseligkeit, man muss sie nur finden! So, wie Auswanderer aus D und NL! Das Wochenendareal am Fluss mit Duschen, WC, Grill und großer Wiese zum campen stellt die Gemeinde unentgeltlich zur Verfügung. Nichts ist zerstört, das Gelände ist sauber! Daran ändert sich auch nichts, als zum Pfingstwochenende neben Reisenden auch Dorfbewohner und neu Zugezogene das Gelände aufsuchen. Die Dörfler bringen Kirschschnaps zum anstoßen mit, die Auswanderer ihre Geschichten. Gerne nehmen wir die Einladung von Arne an, ihn zu besuchen. Als Jungrentner zog er vor zwei Jahren hierher, lebt weitgehend autark, kommt zur Ruhe, genießt das Dasein. Uns beglückt er mit een kopje koffie und 20 Eiern von seinen Hühnern.
In der Kirche des Heiligen Johannes von Nepomuk nehmen wir am Pfingstgottesdienst teil, aus Neugier. Rund 15 Personen versammeln sich im Kirchenschiff, insgesamt hat das Dorf rund 358 Einwohner. Die Verteilung ist weitgehend klassisch: Männer auf der rechten Seite! Da wir mittlerweile zu alt um jung zu sterben sind, senken wir den Schnitt kaum noch. Einen Jugendlichen und eine junge Frau machen wir aus. Bei dem Pfarrer, der die Stufen zum Altar erklimmt, frage ich mich, ob es wohl die letzten Schritte durchs Leben sind, die er tut? Nun, aus der Nachbargemeinde kommend liest auch hier wohl die Messe, bis jemand für ihn die Totenmesse zelebriert. Natürlich verstehen wir nichts, doch die Zeremonie ist bekannt, die Sprachmelodie lässt das Vater unser und das Ave Maria erkennen. Man reicht sich die Hand, auch dem Fremden. Wir sind die vom Fluss! Die ziehen morgen weiter, nach Slowenien.
Rumänien 14.05. – 17.05.2026
14.05. – 17.05. Die sog. 2. Donau-Brücke zwischen Vidin und Calafat führt von Bulgarien nach Rumänien. Brückenmaut zahlen, Rovinieta kaufen (s. Reiseregularien) und der Zufall bringen uns erneut ans Kloster. Doch dazu später, zuvor machen wir Rast am Port Cultural Cetate, früher Getreidehafen, heute einer für Kunst am Fluss. Idylle im Sonnenschein, uns fehlt die Muße zu bleiben, wir sollten es eigentlich besser wissen, verweile doch, du bist so schön, der Augenblick. Doch es irrt der Mensch, solang er strebt! Der gute alte Goethe lässt uns im Faust am Wissen teilhaben. Und am Eisernen Tor, der Engstelle des gut 100 Kilometer langen Durchbruchs der Donau durch die Karpaten, bis zur Entschärfung 1972 im Zusammenhang mit dem gleichnamigen Kraftwerksbau, der für die Schifffahrt gefährlichste Flussabschnitt, folgt die Strafe auf dem Fuße. Das Museum ist bereits geschlossen und auf dem Parkplatz dürfen wir nicht übernachten, Museum zu heißt Parkplatz verlassen. Na, dann eben nicht, ein paar Fotos und weiter ans Kloster Vodita, ruhig am Ende einer Sackgasse mit großem Parkplatz gelegen. Nicht ganz so idyllisch, doch in netter Hundegesellschaft, genießen wir das Abendbrot im Abendrot.
Unterwegs nach Timișoara. Das Land erscheint aufgeräumter als Bulgarien, die Armut nicht so offensichtlich, die Menschen freundlicher, aufgeschlossener. Positiv überrascht das Maß an englischem Sprachgebrauch, negativ die kategorische Ablehnung des Euro. Der eine oder andere mag sich erinnern, dass von Timișoara die rumänische Revolution gegen die Ceaușescu-Diktatur ausging. Als einziges Staatsoberhaupt im Rahmen der Revolutionen 1989 wurde der Diktator nach blutigen Auseinandersetzungen gewaltsam gestürzt und nach kurzem Prozess mit seiner Frau am 25. Dezember 1989 erschossen. Heute nennt man die Stadt, zu Recht, auch das kleine Wien, 2023 gemeinsam mit Eleusis/GR und Veszprém/HU Kulturhauptstadt Europas.
Auf dem Platz der Freiheit werden die Absolventen der Universität in großem Rahmen verabschiedet. Die jungen Leute, uniform bekittelt, mit Uni-Hut behütet, werden namentlich auf die Bühne gerufen, erhalten Urkunden, Applaus sowieso. Mit Freunden und Familie ziehen sie, beschenkt mit üppigen Blumengebinden, durch die Stadt, lassen sich feiern.
Ach ja, ich vergaß, wir feiern den Sieg über die Obrigkeit, die 520 EUR wegen unerlaubter Durchfahrt einfordern will. In Caransebeș, auf dem Weg nach Timișoara, sehe ich sehr wohl die Tonnagenbegrenzung auf 3,5 t. Aber … ich fahre auf einer Art Bundesstraße, wir wollen die Stadt schauen, sind Touristen im Mobilhome. Zunächst geht alles gut, doch als die lokale Polizei vor mir einschwenkt und mich rechts ran winkt ist klar: sch…. Führerscheine, KFZ-Papiere, aussteigen. Ich mache einen zerknirschten, schuldbewussten Eindruck, wir wollen doch die Stadt schauen, sind Touristen … Der Polizist gibt sich verständig, aber die Kameras haben uns aufgezeichnet, Schild ist Schild und Vergehen ist Vergehen, das will er mit 520 EUR ahnden. Puh, mir wird mau, das müssen wir irgendwie diskutieren, ich wirke noch zerknirschter, alte Leute, soo lange Fußwege von außerhalb ins Zentrum fallen schwer … geht die Buße nicht auch billiger? Nach einigem Hin und Her erreichen wir 100 EUR, Barzahlung! Ah ha, mann nimmt also Euro! Ich bitte um eine Quittung und mache mich auf, das Geforderte zu holen. Was geschieht? Der Polizist nimmt Jürgen zur Seite, der muss versprechen, sich in Rumänien nichts mehr zu Schulden kommen zu lassen, und wir dürfen fahren. Nett? Korrupt? Nett korrupt!?
Nach dem Besuch des schönen Timișoara, wo bei der Fülle an historischen Gebäuden der Restaurationsstau nicht so recht deutlich wird, tun wir uns schwer mit Arad. Hier und da schöne, restaurierte Häuser(fronten), an die Vergangenheit der KuK-Monarchie erinnernd, doch es fehlt ein geschlossener Stadtkern, eine Restaurant- und Caféhausszene. Zudem ist die Unitatea militară Cetate, eine sternförmige Bastion aus dem 18. Jhdt., seit 1999 Sitz des rumänisch-ungarischen Friedensbataillons, bei unserem Besuch geschlossen. Lange war die Anlage gar nicht öffentlich zugänglich, wird aber zunehmend für touristische Zwecke geöffnet, wie heute morgen. Pech. Und abends regnet es mal wieder in Strömen, kalt ist es sowieso. Bereits 2014 hatten wir kein Wetterglück in Rumänien, schade!
Bulgarien 04.05. – 14.05.2026
09.05. – 14.05.2026 Das Tal der Rosen liegt in Ost-West Richtung zwischen den Städten Kazanlak, der Rosenhauptstadt, und Karlovo. Nach Norden wird es vom Balkangebirge und nach Süden von den Sredna Gora Ausläufern begrenzt. Die geschützte Lage, ein ausgewogenes Klima und ausreichend Wasser begünstigen die Rosenblüte, und so entwickelt sich die Gegend seit dem 17. Jhdt., nachdem die Rosenkultivierung von Persien über die Türkei Einzug hielt, zum Weltzentrum. Über den Niedergang in jüngster Zeit berichtete ich im Abschnitt zuvor. In Kazanlak erscheint es unwahrscheinlich, dass der Niedergang erst mit der Coronakrise eingesetzt haben soll. Das Rosenmuseum und das Einkaufszentrum für Rosenprodukte sind verkommen und aktuell geschlossen, auch dem Rosengarten fehlt es eindeutig an Pflege, Rosenrost und Läuse tummeln sich. Stadtvillen zerfallen, teils eine Schande. Die Prachtbauten des Sozialismus sind verwahrlost, selbst die wenigen Balkonpflanzen wollen keinen Blütenreichtum zeigen. Gehören die PS-Boliden vor den Häusern den Bewohnern oder Besuchern?
Mit biologischer Vielfalt, dem Geruch von Wald und Frühjahrsblüten und einem Vogelgezwitscher, wie wir es seit Jahren nicht mehr hörten, überrascht der Stadtpark, in dem sich auch Gräber der Thraker Könige befinden (UNESCO Erbe). Wir sind zu spät dran, stehen auch hier vor geschlossenen Türen.
Unterwegs durchs Rosental erspähen wir vereinzelt bewirtschaftete Rosenfelder, aber auch solche, die verwildern. Die Blüte lässt auf sich warten, zu kalt, zu nass ist es, auf den Höhen des Balkan liegt noch Schnee. Richtung Damascena, einer privat geführten Rosenöldestillerie mit Museen und mehr, springt die Armut ins Auge. Vor kleinen, ärmlichen, zerfallenden Häusern sitzen Menschen, aufgedunsen, aschfahl die Gesichter, kraftlos die Körper, alt und geflickt die Kleidung. Lächeln? Winken? Kaum eine Regung ist in den Gesichtern auszumachen. Um ein Foto möchte ich nicht bitten. Damascena macht deutlich, wie groß die Schere zwischen üppigem Reichtum und bitterer Armut ist. 30 Rosenblüten ergeben einen einzigen Tropfen Rosenöl, ein Liter reines Damascenarosenöl wird mit 15T€ und mehr gehandelt.
In Plowdiw, zweitgrößte Stadt Bulgariens, und, ihr erinnert euch, gemessen an der achttausendjährigen Besiedlungszeit, älteste Europas, suchen wir den Glampingplatz mit Wäscheservice auf. Schön, gepflegt, aufwendig; Maschinen, die sowohl waschen als auch trocknen, leider mit suboptimalem Ergebnis. Etwa fünf Stunden dauert der Vorgang, viel zu lange, das eine oder andere Teil ist hernach immer noch leicht feucht, und manches stark verknittert, der Trommel fehlt es einfach an Volumen. Doch unterwegs nimmt man, was man bekommt. Da der Platz von Großbaustellen in die Zange genommen wird, fahren wir am nächsten morgen an die Auen des Maritsa, fußläufig zur Altstadt und kostenfrei. Der historische Ortskern besitzt UNESCO Welterbe Status, der Besuch lohnt. Als Kulturbanausen schlendern, genießen und staunen wir, Stunde um Stunde, für mehr schaut bei Wiki vorbei, s. o..
Auf kleinen, wunderschönen Bergstraßen queren wir die Rhodopen und gelangen ans Kloster des heiligen Iwan Rilski von Rila, bei gleichnamiger Stadt und Fluss. Iwan, geboren im 9. Jhdt., lebte als Aussteiger mit wenigen Anhängern unter den extrem kargen und einsamen Bedingungen der Bergwelt in Felsnischen und Höhlen. Wundertaten führten zur Bekanntheit der Einsiedler und späteren Gründung des Klosters vermutlich im 10. Jhdt. Im Laufe der Jahrhunderte wurde es zum Zentrum des geistig kulturellen Lebens sowie der Aufklärung in Bulgarien und ist heute das größte Bulgariens. Die Anzahl hier lebender Mönche kann nicht ausschlaggebend sein, es sind wohl nur noch sieben. Das UNESCO Welterbe ist von beeindruckender Schönheit, die Architektur mit ihren Holzkonstruktionen und Gewölben, die Malereien an und in der Sweta Bogorodiza Klosterkirche inmitten noch vom Schnee bedeckter Berge, umgeben von Wald und plätscherndem Gebirgsbach. Im Innern der Kirche, Fotoverbot, wird der Besucher vom Reichtum an Gold, Täfeleien, Bildern, Erkern überwältigt… weit entfernt vom einfachen, asketischen Leben und Wirken des Gründungsvaters. Der Eintritt nebst Kirche ist kostenfrei. Zur Übernachtung wählen wir den Parkplatz (24 EUR/24h), noch scheint die Sonne, doch Regenwolken ziehen bereits auf und wir möchten die Anlage möglichst noch ohne Wetterunbill genießen. Und bereits am frühen Abend gewittert es, die Temperaturen stürzen in den Keller, nein, es schneit noch nicht.
Kein Wetter für Berge, wir verlegen unser Mobilheim an die Donau westlich von Lom, Sonnenschein. Die Gegend begeistert. Dorf- und Landschaftsbilder erinnern an lange vergangene Kindheitstage. Kleine, niedrige Häuser. Wildblumen, Duft von Heu, Kamille, Flieder, Lilien, Rosen betören. Schön angelegte Gärten, die die Selbstversorgung garantieren und das Auge erfreuen. Rosenspaliere, Weinreben, die Schatten spenden. Die Donau und ihre Flussauen bieten Lebensraum, Raum zum Erleben, in und mit der Natur auch für den Menschen, anscheinend selbstverständlich. Überall stehen, versteckt im Gebüsch, Wohnwagen, Wochenenddomizile. Angeln, picknicken, lagern am Fluss, ein Feuer, Freizeit, Erholung, frei von Verbots- und Gebotsschildern – ein Paradies? Eher nein, Verfall und Armut sind zu deutlich sichtbar.
Für uns ist es jedenfalls die letzte Nacht in Bulgarien. Vielleicht erlaubt uns das Leben irgendwann wiederzukommen, mit mehr Zeit im Gepäck.
04.05. – 09.05.2026 Bei den Dardanellen erreichten wir den europäischen Kontinent, mit der Einreise nach Bulgarien sind wir auch im politischen Europa angekommen. Europäische Union, Schengenraum, Zoll- und Währungsunion, um nur einige zu erwähnen, verschiedene Vereine mit unterschiedlichen Mitgliedern, Funktionen und Absichten. Ordnung ins Wirrwarr zu bringen ist komplex, schauen wir einfach mal aus Sicht des Reisenden auf die Konstrukte. Klar, in Bulgarien können wir uns nicht in der Landessprache verständigen, aber hier sind wir zusätzlich noch Analphabeten. Die ca. 450 Mio. Einwohner der sog. Union bedienen sich 24 Amtssprachen und nutzen das kyrillische, griechische und lateinische Alphabet. Georgien, als potentieller Beitrittskandidat, brächte mchedruli als viertes hinzu.
21 Staaten bilden eine Wirtschafts- und Währungsgemeinschaft, jüngstes €-Land ist seit 2026 Bulgarien. Die Mitgliedsstaaten Rumänien und Ungarn nutzen den Euro hingegen nicht, mal schauen ob sie „unser“ Geld akzeptieren. Die Polen taten es 2019 nicht, die Schweden unwillig! Andererseits verwenden Nicht-Unions-Staaten den € (wie Andorra, Monaco) als offizielles Zahlungsmittel.
Die Union ist kein Teenager mehr. Am 1. November 1993 starteten zwölf Staaten, darunter D, mit dem Zusammenschluss. Derzeit hat sie 27 Mitglieder, einer davon, Zypern, liegt in Asien, die zahlreichen Überseegebiete lassen wir mal unerwähnt. Die Anzahl der Unionsmitglieder fluktuiert, manche treten aus (GB), andere wollen zunächst Mitglied werden, entscheiden sich dann doch dagegen (Island). Das Gros der Staaten liegt geografisch vollumfänglich auf dem europäischen Kontinent, aber nicht alle Europäer gehören politisch zur Union und dann gibt es eben auch die, die nur teilweise oder gar nicht dem Erdteil, sondern Asien, zugeordnet werden (s. o. Zypern, Türkei, Armenien).
Ein europäischer Staat, der eine Mitgliedschaft beantragen kann, ist somit quasi ein selbstständiges Land, das geographisch auf dem europäischen Kontinent liegt und/oder historisch bzw. politisch eng mit Europa und dem christlichen Abendland verbunden ist und die definierten Grundwerte der Union akzeptiert, als da seien: Freiheit, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte und bürgerliche Grundfreiheiten (s. Artikel 49 EU-Vertrag). Na, das lässt viel Raum …
Multikulturell ist die Union jedenfalls, mit zahlreichen nationalen Identitäten und Traditionen, die von den Mitgliedern zumeist stolz bewahrt und zelebriert werden. Schulterschluss? Das Hemd ist, wen könnte es verwundern, näher als der Rock!
Und bevor es endlich mit uns weitergeht, lasst uns gemeinsam auf Bulgarien und seine Besonderheiten und Superlative schauen:
Bulgarien trägt seinen Namen seit 681, gilt damit als einer der ältesten Staaten Europas, der seinen Namen auch unter Fremdherrschaft beibehalten hat.
Älteste durchgängig bewohnte Stadt Europas ist Plowdiw (8T Jahre), älteste Goldschatzfunde der Welt bei Varna von 4600–4300 v. Chr., und bislang früheste Belege für menschliche Ansiedlung in Europa (Steinzeit).
Weltweit führender Produzent von Lavendelöl; mit 70 %-Anteil weltführender Exporteur von hochwertigem Rosenöl. Insbesondere die Sorte Trigintipetala, synonym Kazanlak, eine Damaszener-Rose, ist bereits seit dem 17. Jhdt. als sog. Bulgarische Ölrose bekannt. Corona- und Energiekrise sowie mangelnde Erntehelfer ließen die Anzahl der Rosenbauern um 80% schrumpfen. Und was ist nun wesentlicher Bestandteil z. B. in Chanel Nr. 5?
Und auch die noch verbliebenen Tabakbauern schauen auf eine maue Auftragslage, den EU-Schwarzmarkt bedienen andere.
Bulgarien gehört zu den ärmsten, aber auch zu den am niedrigsten verschuldeten EU – Ländern. Laut Transparency International ist es eins der korruptesten Mitglieder mit den schlechtesten Werten in Sachen Rechtsstaatlichkeit.
Bulgarien schrumpft u. a. aufgrund von Migration, geringer Geburtenrate (1,8/Frau) und niedriger Lebenserwartung (75,6 J.). 2023 lebten noch ca. 6.5 Mio. Einwohner im Land.
Der Frühling beginnt am 1. März mit dem Brauch des Verschenkens von Martenizas, kleiner rot-weißer Stoffanhänger oder Armbänder. Sie werden, damit sie Glück bringen, bis zur ersten persönlichen Storchensichtung getragen. Dann bindet man seine Marteniza an einen Zweig, verbunden mit einem Wunsch. Wir sehen allenthalben die Püppchen oder Bändchen hängen, mal mehr mal weniger aufwendig in der Handarbeit. Und auch anders als europaweit üblich gilt hier das Kopfnicken als Verneinung, das Kopfschütteln als Bejahung. Andere Länder, andere Sitten, man sollte sie nur kennen!
Nun endlich zu uns: An der EU-Außengrenze Türkei > Bulgarien sind die Pässe schnell gestempelt, der Zoll wirft einige Blicke in äußere Staukästen, ins Innere, dann heißt es welcome, you can go!
Da wir Analphabeten sind, freuen wir uns, dass manch einer englisch oder deutsch spricht. Wie Dimitri, den wir auf einer Campsite in Sozopol treffen, die keine mehr ist, eher verkommener Schrebergarten. Er verhilft uns zu einem Platz im Hafen des kleinen Städtchens mit seinen engen Straßen und Gassen. Fußläufig sind die sonnige, sanfte Sandbucht am Meer, historische Ruinen, Kirchen und Kapellen, Kneipen und Restaurants zu erreichen. Schöne Gebäude im Schwarzmeerstil, unten Stein, oben Holz, sind nicht immer in gutem Erhaltungszustand. Tourismus? Ja, hier und da, nicht überfrachtet, in Sozopol leben Bulgaren, nicht nur vom Tourismus.
Anders sieht es im 70 km nordwärts am Sonnenstrand gelegenen Nessebar aus. UNESCO Welterbe, zahllose Ruinen aus verschiedenen Epochen. Die Bauten im Schwarzmeerstil aus der Phase der bulgarischen Wiedergeburt als auch neueren Datums sind meist in gutem Zustand, die Bausünden des Sonnenstrandes liegen Gott sei Dank abseits. Restaurants wie Bars locken oftmals mit Animateuren, um vom überteuerten Angebot abzulenken, Andenken- wie Schnickschnackläden bieten hier und da schönes Handwerk.
Zu unserem Heim in den fußläufig gelegenen Piasachni Dünen verirren sich wenige Camper internationaler Couleur und einheimische Spaziergänger. Der ruhige Platz am Meer erlaubt einen tollen Blick auf die Altstadt.
Drei Nächte bleiben wir, ungeplant, denn in Nessebar beginnt am 08. Mai der Giro d´ Italia. Wir sind kaum Radrennsportbegeisterte, doch mein Vater war es. In jüngeren Jahren recht aktiv Manchmal flog er … – fragwürdig gekleidet, zum Beispiel in Telekom-Pink – mit einem Pulk seiner Jungens am Samstagmorgen die Mühlenstraße herunter (Sarah). Im hohen Alter gab er als Senior Experte vor dem Fernseher so manches Stelldichein, diskutierte mit uns am Telefon die Straßenradsport-Weltmeisterschaften, die im September 2025 in Ruandas Hauptstadt Kigali stattfanden. In memoriam an ihn erleben wir die Grande Partenza in Nessebar am Hafen entlang der historischen Gassen. Mit Ive tuckern wir am Samstag dem Tross hinterher. Einige Etappen haben wir gemeinsam, die Radler sind viel schneller, doch leider auch mit mehr Blessuren unterwegs als wir.
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Hallo Jürgen und Marion, Es war schön euch Gestern zu begegnen. Abentuerliche Menschen haben immer viel erlebt und Geschichte zu erzählen. Und es macht froh wenn ich andere Menschen begegne die auch durch alle Quatsch hin schauen.
Ich habe mein Email Postfach gecheckt und dass war nu 30% gefült. Wie verabredet versuche ich es jetzt via diesem Weg. Versuche nochmal ein email. Möchte es wieder falsch gehen, versuche mein ‚reserve‘ email. Ich schicke noch ein email von dem mailbox.
Ich wünsche euch gute Reise und viel Spass. Wenn euch jemals wieder hier in die Gegend sind, immer welcome.
Grüsse Arne (Drávasztára)
Guten Morgen Arne,
danke für deine lieben Grüße und die leckeren Eier! Ich habe versucht über beide Adressen eine E-Mail zu senden.
Nur reserve Mail geht, braucht jedoch lange für den Versand.