Winterreise 2018-19 Marokko

Im Folgenden einige Movies auf denen ihr unsere Reise als bewegte Bilder erleben könnt. Bitte einfach anklicken, die Qualität ist systembedingt eher bescheiden.

Marokko Fähre Ankunft (7,6MB; 105sec)

Marokko Markt-Durchfahrt(12,9MB; 177sec)

Seidenspinnerei in Meknes(7,2MB; 27sec)

Piste bei Guercif (P5424)(8,5MB; 118Sec)

Marokko
12.12.-13.12.2018 Bis Taza dominiert Landwirtschaft, die sich bis zum weiten Horizont über sanfte Hügel ausdehnt, das Blickfeld. Frisch gepflügte Äcker, rotbraune Erde, junges Grün (Weizenfelder?) und immer wieder Olivenbäume. Weiter gen Osten nimmt die Präsenz an Polizei, Militär und Kontrollen zu, wir werden immer freundlich durchgewunken. Die Landschaft wird trockener. Bei Guercif wenden wir uns gen Süden, der Mittlere und Hohe Atlas liegen nun westlich. Beim Durchqueren derPlaine de Tafrata hat Ive erstmals für diese Reise Piste unter den Stollen. Das Gebiet der Chênes Vertes um Debdou und das Plateau du Rekkam ziehen uns an. Kennt ihr nicht? Wir auch nicht; das geht vielen Touristen so, die das Land verlassen, ohne den Osten gesehen zu haben. Wir haben Zeit, Marokko schon zweimal besucht und so gönnen wir uns die Möglichkeit, abseits der üblichen Touristenpfade zu wandeln. Debdou, unser Tagesziel erreichen wir nicht. 20 Km vorher ist Stopp angesagt. Es ist einfach zu schön im Irgendwo, um bis zur Stadt zu fahren. Wir wollen ein wenig laufen, grillen! Tagsüber ist es herrlich warm, nach Sonnenuntergang, so gegen 18:30 Uhr, wird es jedoch empfindlich kalt, muss man halt früher grillen. Die pistenartige Straße – im Ausbau – hinter Debdou windet sich auf 1600m hinauf, wunderbare Blicke ins Tal, auf die Stadt, die Eichenwälder, oben angekommen die Hamada (Steinwüste) des Rekkam Plateau. Vereinzelt Dörfer, Bauernhöfe, Viehherden mit ihren Hirten – heile Welt, harte Welt? Wieder übernachten wir im Irgendwo, diesmal nahe bei Outat el Haj.


08.12.-11.12.2018 In Meknes https://de.wikipedia.org/wiki/Meknès schauen wir das Bab el-Mansour, das größte Monumentaltor des Maghreb (müsste mal geputzt werden), die Große Moschee (12. Jhdt., die übersahen wir gestern Abend, hatten wir doch so was wie die gigantischen Bauten z. B. aus den Emiraten vor Augen), die Medersa Bou Inania (Koranschule,14. Jhdt., dito), Fotos hierzu könnt ihr googeln; uns hat anderes begeistert: das quirlige Treiben auf dePlace el-Hédim, die unzähligen Handwerker bei der Arbeit, die neben den Händlern das Rückgrat der Stadt darstellen,der Besuch des Riad Hiba, Maison d´hȏtes, aus dem Jahr 1795Ein Märchen aus 1000 und einer Nacht tut sich beim Durchschreiten des unscheinbarePortals aufdas Ganze ist als DZ, mit Dusche/WC und Frühstück für knapp 35€/Nacht zu genießen.Zum Abschluss gönnen wir uns alle Drei eine Kutschfahrt: entlang bzw. durch Ismails einst monströse und als Ruinenstätte auch heute noch weitläufigeVille Impérial, wie die Medina Welterbestatus aufweisend. Mulay Ismail, Ludwig der XIV. Marokkossah sich schließlich der exorbitanten Aufgabe gegenüber, für 30T Sklaven, 150T Soldaten, 12T Pferde und angeblich 500 Frauen mit rund 1000 Kindern Raum zu schaffenRaumgreifend auch das Gefängnis, etliche Kilometer zogen sich die unterirdischen Kerker unter der Stadt hindurch. Licht und Luft gab es einzig durch nach oben abgedecktSchächte. Reste können heute besichtigt werden – wir verzichten.
Entgegen unserer Gewohnheiten kauften wir viel mehr als üblich: Tee, Schmuck, erste Mitbringsel, einen Dolch und einen Berberteppich für unsere neue Wohnung.
W
ir haben nicht groß auf´s Geld geschaut, sondern versucht, das Leben zugenießen und uns verwöhntUnser Lebensabend ist so kostbar. Schon wieder hat uns die Nachricht vom überraschenden Tod eines lieben Menschen erreicht und sehr tief getroffen. Es fällt schwer, nach dem Spruch von Tagore damit umzugehenLeuchtende Tage, nicht weinen, dass sie vorüber, Lächeln, dass sie gewesen.
Und es ist wieder da, das Lächeln, Winken, Grüßen, die Fragen nach unserem Befinden….
Alles ist sauberer als bei den Reisen zuvor. Plastik überall in Bäumen und Büschen ist fast verschwunden, der König hat es verboten – nicht das Dekorieren von Grünpflanzen, sondern den Einsatz von Plastiktüten. Es gibt sie noch die Esel als Reit- und Lastentiere sowie Frauen, schwere Lasten tragend, während die Jungspunte, die Hände in den Hosentaschen oder am Handy, ihre Körper schonend nebenher laufen, haben sie anscheinend schon genug an ihrer aufkommenden Männlichkeit zu tragen. Es gibt sie auch, die Frauen, die selbstbewusst im Straßenbild auftauchen, ihre wunderbaren langen Haare zeigen.
Bei Boufakrane, kurz hinter Meknes, hier wollen wir morgen unsere Gasflaschen auffüllen, werden wir von einer sehr gastfreundlichen, warmherzigen Familie zu Tee, Kaffee, Essen eingeladen, shukran! Spät abends kommt ein Besucher, der im Ölgeschäft tätig ist und 1,5 L flüssiges Gold mitbringt. Nussig, fruchtig und weich schmeckt das Olivenöl aus Meknes, mit ein wenig Salz, frischem Brot….ein Gedicht. Anstrengend ist die Kommunikation am späten Abend, unser Gast spricht berber, arabisch und französisch, wie für uns als Fremdsprache, zudem möchte er über die ersten Menschen, die Mission zum Mars, die Weltpolitik reden…. der Preis für das Öl war es wert!
Wir suchen einen netten Stellplatz für einige Tage: Kabine putzen, Kekse backen, duschen, mopped fahren – das wär´s doch. Noch eine Teepause und weiter – dachten wir. Plötzlich Gehupe, das Groschengrab biegt auf unseren Picknickplatz ein, es wird erzählt und erst spät geht es weiter. Bis Taza in dieselbe Richtung, dann biegen die Beiden ab nach Süden in die hohen Berge, wir nach Norden in die etwas moderateren Höhen – auf den Höhen des Atlas hatten wir Schnee gesehen, nicht ideal für unsere to do Liste. Doch leider ist der Platztipp von park4night nördlich von Taza ein Totalausfall. Im letzten Licht des Tages finden wir wenige Km entfernt bei Meknassa Acarqia einen uns angenehmeren Nachtplatz und schmieden Pläne, wo wir finden könnten, was wir suchen.


04.12.-07.12.2018 Um 12:00 Uhr sind wir im Hafen von Algeciras, das Schiff läuft in zwei Stunden aus, so bleibt Zeit für einen Hafengassigang. Einschiffung, Personenimmigration an Bord, Ausschiffung, alles klappt zügig und unspektakulär. Am Zoll heißt es mit Ive dann anstehen. Das dauert, einige Afrikaner vor uns müssen ausladen, was sie an Bord haben und das beschäftigt alle sechs Offiziellen. Bei uns schaut noch nicht einmal jemand in den LKW! Um 18:00 Uhr verlassen wir den Hafen Tanger-Med mit allen Papieren, Dirham und Telefonkarte. Wir sind zum 3. Mal in Marokko, bei Vergangene Reisen siehe hier gibt´s Infos, was wir zuvor erlebt bzw. gesehen haben. Beim Vergnügungspark von Al Mnar nördlich von Tanger verbringen wir die erste Nacht auf dem Schwarzen Kontinent, von dem wir jedoch auch diesmal nur den Arabischen-/Berber-Teil sehen werden.
Unser erster Besuch gilt Asilah am Atlantik, bevölkert von ca. 35T Einwohnern und mit bewegter Geschichte. Das Seefahrervolk der Phönizier war hier, Römer, Normannen, durch die Islamisierung arabisch geworden, um 1471 von den Portugiesen unterworfen, Mitte des 16. Jhdts. zurückerobert. Dann wanderte es zwischen Portugiesen, Spaniern und Marokkanern hin und her und gehörte bis zur Unabhängigkeit Marokkos 1956 zu Spanisch-Marokko. Insbesondere die von einer gewaltigen Stadtmauer umgebene Medina ist den Besuch wert. Quirliges Treiben auf den Plätzen, Caféhäuser, Restaurants, bunte Verkaufsstände, in ihren Läden tätige Handwerker, aber auch kleine ruhige Gassen. Und überall Kunst, seit den 80ger Jahren ist die Stadt regelmäßig Gastgeber internationaler Kulturveranstaltungen, bei denen sogar die Häuser zu Kunstwerken werden.
Zur Teepause fahren wir in das nahe M´zora, wo der einzige Steinkreis Marokkos, ein Überbleibsel aus der Megalithkultur, leider wohl so langsam vor sich hin zerfällt. Die männliche Dorfjugend und Minouk stellen eine stressige Kombination dar, trotz redlicher Bemühungen der Erwachsenen, die Jungspunte zur Räson zu bringen. So beschließen wir, hier nicht zu übernachten, sondern noch weiter bis Larache zu fahren. Die Stadt, südlich der Mündung des Loukos in den Atlantik gelegen, besitzt eine ähnliche Geschichte wie Asilah und mit Lixus die älteste phönizische archäologische Stätte, soll aber ansonsten nicht von besonderem Reiz sein. So nächtigen wir am Nordufer, die Strandpromenaden sind verwaist, die Parkplätze leer, bis auf drei Wohnmobile aus D bzw. Nordirland. Wegen Nebel fällt die Sicht aus, alte Steine stehen bei dem Wetter auch nicht auf der Prioritätenliste, also auf in´s Landesinnere.
Die Sonne vertreibt den Küstennebel, traumhaft schön ist die Fahrt durch die Hügellandschaft des dem Atlasgebirge vorgelagerten Zerhoun-Gebirges. Die atlantischen Tiefausläufer, die den Portugiesen und uns den Herbst verhagelt haben, machten auch vor Marokko nicht Halt. Jetzt sind wir die Nutznießer und bestaunen den wunderbar grünen Teppich mit seinen zahlreichen Blüten, der das Land überzieht – die tiefen Pfützen und matschigen Pisten übersehen wir derzeit noch, aktuell ist ja Teer unter den Stollen angesagt. Entlang der Straßen finden wiederholt Märkte statt und Marokko präsentiert sich, wie wir es kennen und lieben: chaotisch, lebendig, freundlich, bunt, eine Explosion an Gerüchen…
Direkt vor der wichtigsten antiken Ausgrabungsstätte des Landes, Volubilis, parken wir unser Heim. Beim Kochen bestaune ich/Marion, wie die Sonne die Reste der römischen Provinzstadt in´s Abendrot taucht und beim Abendessen (andere Seite von Ive 😉 wie die heilige Stadt Moulay Idriss, einem hell leuchtenden Ufo gleich, über den Bergen zu schweben scheint. Die Stadt, Ruhestätte Idriss I., Gründer des ersten arabo-islamischen Staates auf marokkanischem Boden, besuchen wir diesmal nicht (s.o. Vergangene Reisen 2005). Wir widmen uns Volubilis, von 40 n. Chr. bis zum 3. Jhdt. Verwaltungszentrum der römischen Provinz Mauretania Tingitana und UNESCO- Welterbe. Wir gehen ohne Führer in die Ausgrabungsstätte, die sind 
alle mit Reisegruppen voll beschäftigt. Macht nichts, einiges haben wir zuvor gelesen bzw. lesen vor Ort, schnappen hier und da Brocken in italienisch, englisch, französisch, deutsch auf, technisches kann Jürgen erklären und so schlendern wir bei herrlichem Sonnenschein in unserem Tempo gemeinsam mit Minouk durch die Überreste der alten Stadt, schwatzen mit Besuchern – genau das Richtige für Kunstbanausen.
Spätnachmittags fahren wir in die 25 Km entfernte Königsstadt Meknes, parken Ive am Rand der Medina und auf einer Terrasse über dem Place el-Hédim trinken wir unseren ersten Berberwhisky (Schwarztee mit frischer Minze, nur stilecht mit gaaanz viel Zucker).

Zurück zur Startseite

Zur allseits beliebten DATENSCHUTZERKLÄRUNG

3 Gedanken zu „Winterreise 2018-19 Marokko

  1. Lieber Simon,
    ja die Marktdurchfahrten haben Laune gemacht und richtig, alles lief irgendwie! Das Wetter ist top, tagsüber Sonne und nachts fast Frost.
    Zwei tolle Tage in Meknes liegen hinter uns und heute wollen wir weiter.
    Gute Zeit für euch daheim,
    Majuemin

  2. Hallo ihr Lieben,

    viele Grüße zum 2. Advent. Schön zu lesen, dass es euch gut geht und das ihr eure dritte Reise nach Marokko genießt. Das Video von der Marktdurchfahrt sieht sehr interessant aus. So etwas kann man sich hier nicht vorstellen. Trotzdem schien der Verkehr ja irgendwie zu laufen, anders als hier so oft.
    Vorgestern habe ich mit jemanden gesprochen der gerade von einer 7 tägigen Reise aus Marokko zurück kam. Unteranderem berichtete er von 25 Grad uns Sonne. Da können wir schon neidisch werden…

    Ich wünsche euch weiterhin eine schöne Reise und freue mich bald wieder von euch zu lesen.

    LG, Simon

  3. Hallo ihr Lieben,

    viele Grüße zum 2. Advent. Schön zu lesen, dass es euch gut geht und das ihr eure dritte Reise nach Marokko genießt. Das Video von der Marktdurchfahrt sieht sehr interessant aus. So etwas kann man sich hier nicht vorstellen. Trotzdem schien der Verkehr ja irgendwie zu laufen, anders als hier so oft.
    Vorgestern habe ich mit jemanden gesprochen der gerade von einer 7 tägigen Reise aus Marokko zurück kam. Unteranderem berichtete er von 25 Grad uns Sonne. Da können wir schon neidisch werden…

    Ich wünsche euch weiterhin eine schöne Reise und freue mich bald wieder von euch zu lesen.

    LG, Simon

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

41 + = 43