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Westafrika
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Kurze Filme der Reiseroute (23.01.2024):

Die Reiseroute

Nigeria 04.02. – 15.02.2024
Der Zoll zur Ausreise aus Benin ist in Ketou ca. 20 km vor dem Grenzort Illara. Hier werden die Impfpässe durchforstet, Gelbfieber, Covid … interessierte bei der Einreise niemanden. Vor lauter Gründlichkeit ob unserer Gesundheit vergisst der Stempelmeister, diesen zu schwingen. Jürgen bemerkt dies Gott sei Dank. Nun noch Geld wechseln. 500 EUR tauschen wir in Naira, größter Schein ist ein Tausender, Wert heute ca. ein EUR, morgen weniger. Also, statt Geldbörse Plastiktüte. Der Schlagbaum nach Nigeria öffnet sich. Unser erstes Sorgenland unterwegs nach Süden. Mulmig ist uns zumute. Was hört und liest man nicht alles: aktiveTerrorgruppen, Boko Haram, IS von Norden eindringend, Extremismus, Entführungen, Korruption; Kriminalität. Nährboden bietet die bittere Armut der Menschen in einem ölreichen Land. Inflation, die den Naira, der einst neben dem Dollar Bestand hatte, zu einer Ramschwährung machte. Doch wollen wir auf dem Landweg nach Südafrika, sind Alternativen derzeit rar. Also hindurch durch den offenen Schlagbaum. Wir hören Welcome to Nigeria. Und dann: Die Grenze ist seit Covid geschlossen, doch jemand begleitet uns zum nächsten Grenzübergang in der Nähe. Professionell finden die Stempel die Wege in die Pässe. Nun noch zum Zoll gegenüber. Nein, die Grenze ist geschlossen und man kann das Carnet nicht stempeln (weil man es nicht kennt), ein erforderliches Dokument für die Einreise des LKW kann man nicht ausstellen, die Grenze ist ja geschlossen – außer für Beniner und Nigerianer. Nun empfiehlt uns der Zöllner, der wohl beim Thema Immigration nicht aufgepasst hat, zurück nach Benin zu fahren und bei Lagos den Übergang für die Einreise zu nutzen. Geht´s noch? Wir haben keine Visa für die erneute Einreise nach Benin und wenn wir aus Nigeria rausfahren auch keine zur Rückkehr! Eine andere Lösung muss her. Etliche Diskussionen später und Telefonate mit Obrigkeiten, die Amtsleitern hoch, geleitet uns eine Eskorte zum Hauptzollamt nach Meko. Irgendwann ist hier klar: Wir haben ein Carnet de Passage, brauchen also kein extra Papier, stempeln kann man das CdP auch. Ob der Diskussionen wurde es spät, wir dürfen im Zollhof übernachten. Welcome to Nigeria geht doch!
Tags drauf,
wir wollen den Staat zügig durchfahren, nehmen wir den Trans-Africa-Highway, eine Art Autobahn, allerdings hier und da mit Gegenverkehr vom Fußgänger bis zum LKW. Meist guter Teer. Wenn nicht, können Schlaglöcher oder ausgefranste Fahrbahnränder auch mal einen Kleinwagen verschlucken. Es herrscht Rechtsverkehr, auch beim überholen insbesondere langsamer LKW, denn die wollen bzw. können sich nicht auch noch mit den Schikanen am rechten Fahrbahnrand auseinandersetzen und bleiben gleich links. Tankstellen gibt es bei einem der größten Rohölexporteure wie Sand am Meer, Diesel eher weniger. Auch die bislang gewohnt üppige Versorgungslage insbesondere mit frischem Brot, Obst und Gemüse ist mäßig. Wer will schon vergastes Zeugs oder pappigen, gesüßten Toast? Heiß und zum schneiden dick ist die Luft, ruß- und ölgeschwängert, gemischt mit Rauch. Ein Truckerparkplatz bei einem Policecheckpoint in Oko-Eko eignet sich zur Nacht. Apropos Polizeikontrollstation. Wer, was auch immer kontrolliert, können wir nicht jedesmal ausmachen, es heißt jedoch meist schlechte, zerstörte Straße, Holzstämme, alte Reifen oder Fässer zur Slalomfahrt zwingend, mehr oder weniger martialisch. Meist Uniformierte, trotz der Hitze mit schwarzen Sturmhauben, oft mit ganzen oder halben Totenköpfen versehen, mit Kalaschnikow, G3, Powergun oder dicken, langen Holzknüppeln. Strategie: Ich halte beim ranfahren den Kopf aus dem Fenster, mal rechts mal links, grinse den mit dem Anhalterjob an und rufe Hello Sir, good morning Sir,  – also je nach Tageszeit – how are you? Dann schaut dieser erstaunt, grinst zurück und ruft Hello Madame, oder Mama, Mammy, welcome, salutiert hier und da. Hält er uns tatsächlich an, dann um zu erfahren, was white people in Nigeria machen … Kontrolliert hat den LKW und sein Innenleben außer bei Ein- und Ausreise in Marokko bislang niemand. Neugierige blickten ab und an hinein. Trotzdem sind die mannigfachen Kontrollstellen, in manchen Gegenden nur hunderte Meter voneinander entfernt, zeitraubend, nervenaufreibend, wir wissen ja auch nie, wie es denn tatsächlich abläuft. Nicht zuletzt sind martialisch aussehende, bewaffnete Männer kein Zeichen dafür, dass im Staat alles in Ordnung ist.
Die Warnungen vor Nigeria nisten sich auch in uns ein und so übernachten wir meist in Hotelanlagen. Das Golden Cocktail Hotel in Agbor bietet eiskaltes Bier und kostenfreies Parken im Innenhof. Im Hof des Restaurant Oasis in Awaka trinken wir unser eigenes Bier, man hat nur warmes, das Essen ist gut und preiswert. Die Chefköchin verzichtet sogar auf das Halbfinale, zitiert Freundin nebst Tochter herbei zwecks Talk, Hotspot und Fotos. Eine eigene SIM-Karte konnten wir bislang nicht erstehen. Die werden nur an Nigerianer verkauft. Anders als z. B. in Iran oder einigen Stans hält man sich hier bisher daran. Aus Angst? An der Abzweigung A343/A4 übernachten wir in einem Weiler neben der Kirche. Bis in den späten Abend hinein umringen, bedrängen uns die Bewohner. Fragen, was wir für sie haben: Rindfleisch, Huhn, Fisch würde genommen! Geld auch. Germany? Da will man hin … Wir sind müde, wollen eigentlich nur den Abend in Ruhe ausklingen lassen. Im Morgengrauen weckt uns der Nachtwächter, sein Salär zu kassieren. Schließlich passte er auf uns auf. Kaum eine Stunde später kommt der Dorfpriester, fragt, ob wir beten wollen. Nein, nur schlafen, bevor es weiter gen Norden, in die vom Auswärtigen Amt als no go Area definierte Gegend geht. Wie eigentlich ganz Nigeria. Leider ist die einfache Route nach Kamerun Touristen aufgrund der Konflikte in den Regionen Nordwest und Südwest verwehrt, und auch wir müssen über die Berge und den insgesamt 120 km langen Pistenweg.
Nördlich von
Takum, in Mararaba, geschieht das, was wir uns in unseren Alpträumen ausmalten. Mitten auf der Straße, ausgebremst durch einen Polizeiposten, versagt Ive den Dienst. Angekündigt hat sich unwilliges Startverhalten erstmals in Senegal. Doch in letzter Zeit hilft Jürgens Lösungsansatz, den Einspritzkreislauf ab und an von Hand zu entlüften, nur noch schlecht. Und jetzt ist dort, wo man nicht als Ziel, sondern ständig in Bewegung sein will, Schluss. Der Druck, der auf uns lastet, ist enorm. Kein Internet für Kontakte mit daheim, wir können nichts recherchieren, uns nicht mit Experten ob Ideen austauschen. Jürgen stellt seine Diagnose und weiß, dass wir ohne Hilfe und Ersatzteile nicht weiterkommen. Ich frage nach einer Werkstatt. Tatsächlich soll es die in unmittelbarer Nähe geben. Ein großer Dreckplatz, umringt von Holzschuppen, schlafenden Männern, betenden Muslimen … Oh mein Gott! Doch unser Guide meint no worry mama, als er meine Verzweiflung sieht. Und kurz drauf kommt am Sonntagnachmittag Oman. Jürgen erklärt das Problem, Oman zieht das Ersatzteil aus der Hosentasche, welches Jürgen bei Ive als fehlerhaft identifizierte. Gemeinsam wird in der Gluthitze, mehr als 40º C, an Ive geschraubt. Oman stellt noch eine defekte Pumpe fest. Die besorgt er mal eben, schraubt weiter und nach drei Stunden startet Ive wieder – nicht wie gewohnt spritzig, doch (hoffentlich) zuverlässig. Zehntausend Naira sollen wir zahlen, incl. der Ersatzteile von Bosch. Der Kurs liegt aktuell bei ca. 1.200 Naira/1 EUR. Wir legen ein gutes Trinkgeld drauf. Wegen der Verzögerung erreichen wir die kühlen Berge nicht, übernachten in Bali, wo parken im Motel 4T Naira kostet. Irgendwie nicht stimmig, wie einiges im Staat. Die Hitze des Tages bleibt im kleinen Innnenhof gefangen. Eine fast schlaflose Nacht. Weiter die Berge hinauf. Zunächst beste Teerstraße, die ab Mayo Selbe zunehmend löchrig wird und in teils gute, aber auch üble Piste übergeht. Egal. Die Temperaturen fallen, ein frischer Wind weht, der Himmel wird blau. Berglandschaft, Hochebenen, freilaufendes Rindvieh, Pferde, stahlblaue Vögel. Wir können endlich wieder durchatmen und haben beide denselben Gedanken: Nicht wieder hinter Hotelmauern verschwinden. Hier im Grenzgebiet frei stehen? An einem der zahllosen Polizeiposten bei Gurgu Sudan bitten wir um Nachtplatz. No problem! No worry, you are safe, this is a policecheckpoint. Minouk macht ein paar Kunststücke, ich erzähle von unseren Reisen. Respekt, Achtung empfinden wir auch hier wieder. Den Start des Pistentrecks verschieben wir erneut und bleiben noch eine Nacht in Guroji, denn nach Ives Defekt hat Jürgen einen fiebrigen Infekt, zugleich auch einen Hitzschlag? Und hier wird meine erneute Bettelei nach einer SIM-Karte endlich erhört, so können wir Kontakt mit daheim aufnehmen, den Blog grob aktualisieren. Trotz meist schlechter Datenübertragung sind wir doch froh, ob der Möglichkeiten.
Auch wenn Jürgen angeschlagen ist und wir ob unserer Diagnose bzw. Therapie nicht sicher sein können, beginnen wir die Pistenfahrt zur Grenze. In der Hauptstadt Kameruns erhofft sich Jürgen eine qualifizierte Diagnose. Horrorgeschichten kursieren zur Strecke. Ja, sie erfordert Bodenfreiheit, ist teilweise nervig und anspruchsvoll zu fahren, in der Regenzeit schwerlich passierbar, gefährlich eigentlich nicht. Sie führt auf mehr als 1600 m durch unglaublich schöne, offene, weite Berglandschaft südlich des Kamatan Forest Reserve. Grasland, ab und an Bäume, Palmen, Bananen, Yuccas. Seit langem raubt eine Gegend nicht mehr die Atemluft, die Nerven, die Sicht, sondern gibt zurück: Ruhe, traumhafte Blicke, die Lust am Reisen und Verweilen, die wir ausgerechnet hier im Osten Nigerias wiederfinden. Jürgen bringt uns noch bis hinter Mayo Daga voran. Freistehend verbringen wir die letzte Nacht, bevor wir das Land, in dem ich Mama Afrika wurde, bei Kalnyak verlassen. 

13.02.2024 Hallo Welt, es gibt uns noch.
Umringt von interessierten, neugierigen manchmal auch aufdringlichen Nigerianern. Eingereist über eine geschlossene Grenze. Genau dort, wo man nicht als Ziel stehen, sondern in Bewegung sein will, versagt Ive den Dienst. Jürgen im Nachgang ebenso. Doch eins nach dem anderen, solange das Netz es zulässt. Zunächst also nach Benin!

Benin 02.02. – 04.02.2024
An der Grenzstation Tohoun führt man uns ins `Wohnzimmer`, hilft beim Ausfüllen der Immigrationcards, vergisst vor lauter Freundlichkeit fast die Pässe zu stempeln; noch einen aufs Carnet, ein Blick von außen in die Staukästen, und wir sind in Benin, wo wir in einer Zitrusplantage bei Akohoun eine angenehme Nacht verbringen. 
So klein der Staat ist, so verwirrend seine Geschichte, auch um den Namen. Das heutige Staatsgebiet Benin hieß bis zum 20. Jhdt. Dahomey, seine Hauptstadt Abomey dessen Anfänge auf das frühe 17. Jhdt. zurückgehen. Das Königreich Benin, mit der Hauptstadt Benin City, hat seinen Ursprung 600 n. Chr. und befand sich weiter östlich auf dem Gebiet des heutigen Nigeria, etwa von Lagos bis zum Niger. Im 15. Jahrhundert trieben die Könige von Benin wie auch die von Dahomey Handel mit europäischen Staaten, zunächst vornehmlich mit Portugal. In diese Zeit fällt die Hochkultur der sogenannten Beninbronzen, einer Legierung zumeist aus Kupfer und Zinn. Kurzfassung: Sklaven gegen Metalle. So gelangten vermehrt Kupfer, Blei, Zinn, Zink u. a. aus dem Aachener Land nach Afrika und die bereits bestehende Kunst der Metallurgie erlebte enormen Aufschwung. Kriegerische Eroberungen setzten um das 20. Jhdt. herum den Königreichen ein Ende, Franzosen Dahomey, Großbritannien Benin. Ziel war, Handel und Handelswege zu kontrollieren. Als Beute kamen in Folge die Beninbronzen insbesondere durch Briten nach Europa und in die USA. Die Rückgaben der Bronzen an die derzeitigen Staatsoberhäupter von Nigeria bzw. Benin sehen sich aktuell großer Kritik ausgesetzt, da die Kunstschätze meist nicht in Museen ausgestellt, sondern in Privatbesitz oder anderweitig verschwinden: … sollten die Bronzen nicht Nigeria oder gar dem derzeitigen Oba zurückgegeben werden, sondern den Nachkommen der Sklaven zugute kommen. Deadria Farmer-Paellmann von der Restitution Group spricht daher von „Blut-Metall“. Die Gruppe forderte Frankreich, Großbritannien, die USA und Museen anderer Länder auf, die Bronzen weiterhin auszustellen, da sie in westlichen Museen den tatsächlichen Nachfahren von Sklaven zugänglich seien, die dafür „mit ihrem Leben bezahlt“ hätten, und nicht den Nachfahren von Sklavenhändlern. Ja, ein Blick in die Geschichte und Expertenmeinungen zu berücksichtigen kann sinnvoll sein, bevor man als Gutmensch publikumsträchtig in die falsche Richtung rennt.
Mit hohen Erwartungen besuchen wir das UNESCO Welterbe Palais royaux d´Abomey. Schließlich sind die Palastanlagen der zwölf Könige von Dahomey Zeugnis eines der größten Königreiche Westafrikas. Etwas verstreut liegen die Paläste in einem Areal in der Stadt, jeder erfordert separaten Eintritt, wobei „Eintritt“ ein eng gefasster Begriff ist. Vergleichsweise viel Geld wird gefordert, um einen Blick in den Innenhof zu erhalten. Weitere Besuche der Palastkomplexe sind aus verschiedensten Gründen gerade nicht erlaubt. Fotos? Kosten extra. Breitbeinig in die Ecken der Innenhöfe urinierende gewichtige Frauen des Königs sind im Preis inbegriffen. Wir verzichten auf diese Ablichtung.
Enttäuscht verlassen wir Abomey in Richtung Ketou. Der nigerianische Grenzübergang liegt West-Ost in der richtigen Richtung und umfährt die Monstercity Lagos weiträumig. Nachfahrern raten wir: Lasst es besser.

Togo 25.01. – 02.02.2024
31.01. – 02.02.2024 Es dauert letztlich 48 h, bis die Honorarkonsulin der Republik Kongo bundesrepublikanisches Eigentum zurück gibt. So verlassen wir Lomé zwei Tage später als geplant. Im Besitz aller Pässe mit Visa für Gabun, Republik Kongo sowie den approved preenrolement für Kamerun, die an den Staatsgrenzen in die eigentlichen Visa getauscht werden, wenden wir uns nordwärts nach Kamina. Hier errichteten Deutsche 1913 eine Großfunkstation, um von den afrikanischen Protektoraten in Ost und West mit Berlin-Nauen zu kommunizieren. Ein Jahr später, 1914, zerstörten sie die Anlage wieder, damit sie den Kriegsgegnern nicht in die Hände fiel. Heute stehen die Ruinen als historisches Erbe unter togolesischem Schutz. Deutschland und Deutsche stehen hoch im Kurs im Land. Oftmals spricht man zumindest in Ansätzen unsere Muttersprache, ist stolz darauf. 
Ostwärts Richtung Benin, an den Fluss Momo, dessen Ufer für Ive, und somit für uns, nicht erreichbar sind. Aus der Idee, vor dem nächsten Grenzgang zu entspannen, wird nichts. Kaum mehr als abhängen ist in der schwülen Hitze möglich. Wie eine dicke Decke hängt seit wenigen Wochen eine Dunstglocke über uns, verdunkelt den Himmel, beeinträchtigt unser Solar power System nennenswert, wickelt uns ein in lähmenden, heißen Staub. Selbst nachts sind es mehr als 30° C im Auto. Wir schlafen bei offener Tür, bei geöffneten Fenstern sowieso. Kühlpads helfen bedingt. Ich glaube von innen heraus zu verbrennen, als würde in mir ein Feuer lodern. Schlaf stellt sich erst in den frühen Morgenstunden ein. Gott sei Dank gehen Aus- und Einreise von Toga nach Benin zügig, freundlich sowieso. Ich hätte nicht gewusst, woher ich Kraft für Grenzstress hätte nehmen sollen. Selbst Rotwein trinken bereitet wenig Freude! Doch da man bekanntlich an seinen Aufgaben wächst, werden wir den roten Südafrikaner heute Abend probieren.

25.01. – 30.01. 2024 An der Grenze Ghana – Togo wird gemeinsam in einem Gebäudekomplex gearbeitet. Sprich, in einem Büro redet man englisch, im nächsten französisch, mal gehts durcheinander und bereits um 10:00 Uhr sind wir aus- und wieder eingereist. Nur noch das Carnet stempeln… das braucht 1,5 h und eine harsche Ansage meinerseits, dass Mann und Hund dem Hitzschlag nahe seien. Dann rollen wir endlich durch Togo. Die Hauptstadt Lomé ist unser Ziel mit dem Konsulat bzw. der Botschaft von Republik Kongo und Gabun, Staaten die wir passieren wollen. Also die vorbereiteten Anträge abgeben, feststellen, dass die Angaben im Internet (Botschaften, Facebook, Ausw. Amt und so) nur bedingt stimmen: Öffnungszeiten sind länger, Preise höher, statt Hotelbuchungen nimmt man Kopien vom Carnet de Passage und der Carte gris (Fahrzeugschein), ergo Anträge ergänzen. Warten! Denn nun wiehern die Amtsschimmel hinter verschlossenen Türen bzw. Fenstern, Bürohengste wandern bedingt beschäftigt hin und her. Dabei hätten wir viel lieber Waldelefanten, Wasserbüffel und dergleichen gesehen. Warten! Stundenlang. Seit Wochen andauernde Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit bringen uns an unsere Grenzen. Small talk und keep smiling gegenüber denen, die am Hebel sitzen, kostet Kraft… Doch tatsächlich sind noch am Tag der Antragstellung spät nachmittags die Gabunvisa in den Pässen. Die der Republik Kongo folgen hoffentlich Montag. Denn auf die sehr hohen Zusatzkosten für Expressausstellung – hier heißt das erst am nächsten! Tag – in Höhe von knapp 70 EUR verzichten wir und fahren übers Wochenende raus aus dem Stadtzentrum an den Coco Beach. Ein netter Ort, solange man am Touristenstrand bleibt. Die Abschnitte, die an die Wohnstätten der ärmeren Einheimischen grenzen, sind vermüllt und werden zudem von Groß wie Klein als öffentliche Toiletten genutzt, für jedes Geschäft. Im Einzugsgebiet der Großstadt werden weder Mensch noch Meer Herr über den Unrat. Es wird wahrlich augenscheinlich, dass Ein Glas Wasser® im Staat, dem es an Wasser nicht mangelt, ein komplexes Problem darstellt. Brunnen oder Frischwasserleitungen fehlen eher weniger, sondern ausreichend nah verfügbare und funktionsfähige Latrinen. Im schwach besiedelten Raum akzeptabel, der Kreislauf der Natur regelt es, aber an Orten der Über-Bevölkerung ein ´no go´! Schließlich lebt die Hälfte der 8,5 Mio. Togolesen in Städten, alleine in Lomé mehr als 2,1 Mio. Und so ist die hohe Kindersterblichkeit von mehr als 7 %, die meist auf Durchfälle und Dehydrierung zurückzuführen ist, eine bedeutende Ursache für die geringe Lebenserwartung von etwas mehr als 61 Jahren. Weitere Alphabetisierung alleine (ca. 65 % verfügen zumindest über geringe Schuldbildung) wäre kaum eine ausreichende Lösung, staatliches Handeln erforderlich. Während ich schreibe reift die Frage, ob nicht z. B. Shell oder Heidelberg-Zement, die hier zu Konditionen arbeiten, die in Europa unmöglich wären, Beiträge leisten könnten?
Traditionelle Religionen, wie Ga, Youba oder auch Voodoo, stehen mit ca. 50 % im Vordergrund. Der Rest verteilt sich auf Christen und Moslems.
Und so erleben wir Togo, nach Côte d´Ivoire und Ghana, zunächst wie eine Art Kulturschock – nicht wegen der Religionen.
Auf nähere Beschreibungen der schockierenden Erlebnisse im Konsulat der Republik Kongo verzichte ich. Nur soviel: Mit einer derartigen Abkanzelung und Ansammlung von Unterstellungen übelster Art sah ich mich noch nie konfrontiert. Angebliche Gründe: Der Besitz von Zweitpässen und mein Iranvisum im Erstpass, auf dem ich, wie vorgeschrieben, mit muslimischem Kopftuch abgebildet bin! Will ich Spionage betreiben? Beides Anlass für Inhaftierung! Und die Zweitpässe verschwinden in der Handtasche der Konsulin. Ich kontaktiere die Deutsche Botschaft, mal sehen, was geschieht. Nach etlichen weiteren Schikanen erhalten wir nachmittags die Visa in den Erstpass. Nun können wir uns zumindest wieder frei bewegen.
Es wird wärmer, feuchter, wir sind ziemlich geschafft. Da kommt Carl aus Passau an den Strand, fragt nach einer Zigarette. Ich überlasse ihm einen Zigarillo. Wir unterhalten uns und weil wir ihm gegenüber so freundlich sind, lädt er uns ein auf ein Bier, der Halbafrikaner. Zurück am Auto fährt Gaku, der Japaner, den wir in Conakry kennen lernten, auf den Platz. Noch ein Bier…
Tags drauf meldet sich die Deutsche Botschaft. Man wird heute eine Verbalnote incl. unserer Pässe erhalten. Hoffentlich! Ausharren am Strand von Lomé

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29 Gedanken zu „2023 Start > GoSouth 2.0 Westafrika

  1. Endlich rüber, ihr 3… Ich freu mich sehr mit euch! Was passierte da in Guinea-B?? Fühlt sich sehr stressig an. Aber so isset eben dort, immer für eine Überraschung gut. Die beiden Musikdinger, die der Pastor bekam, hätte ich dann später auch gern!
    Nun fahrt schön weiter in eurem sicheren Schiff und haltet uns wie immer mit tollen Berichten und Bildern auf dem Laufenden.
    Herzliche Adventsgrüße aus dem grauen Westzipel, Christiane

  2. Hallo ihr Drei,
    schön zu sehen dass es euch gut geht. Die Fotos sind klasse, Marion, auch ohne das neue Objektiv. Da bekommt man Fernweh. Aber jetzt geht es erst mal zurück auf unsere Finca. Marokko war ja auch nicht schlecht. Weiterhin gute Fahrt und bleibt gesund.
    Liebe Grüße
    Irma und Guri

    1. Hallo nach Spanien,
      ja, es geht uns gut. Sind im ersten neuen Land und konnten von Süden her auf unsere Senegal-Plätze zurückblicken. Aber es ist noch viel Afrika vor uns, bis wir ganz im Süden angekommen sind.
      Euch eine sanfte Landung in eurem Heim, wir sehen uns.
      Liebe Grüße Marion und Jürgen

  3. Hallo ihr Weltenbummler, ich wünsche euch viele neue Eindrücke und eine bruchsichere Reise. Genießt das Neue, das Unbekannte und bleibt euch treu. Liebe Grüße aus dem Rheinland

    1. Liebe Christiane,
      ja da kommen Heimatgefühle auf im Senegal. Die Menschen sind freundlich wie immer. Wir fühlen uns wohl. Viel Spaß beim ‚Beifahren‘, Grüße auch an Alex von Jürgen und Marion

    2. Ihr Lieben 3!
      Guinea-Bissau, nicht mehr Senegal, aber auch mit so zauberhaften EckenPlätzen und freundlichen Menschen.. Real Africa! Immer weiter nach Süden – aufregend! Jetzt les ich weiter!

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