2019>GoSouth_NW_Afrika

Nordwestafrika: Marokko

Und wieder einige kurze Filme von unserer Reise:

Marokko Rif-Gebirge Ost/West (30,9MB; 117sec) 04.11.19

Marokko Meknes Marche Verte (20,6B; 77sec) 06.11.19

Marokko Hoher Atlas (32MB; 120sec) 10.11.19

Marokko Todhra Schlucht (29,4MB; 110sec) 10.11.19

Marokko Querung Todhra->Dades (32,3MB; 122sec) 11.11.19

Marokko Erg Chebbi West (25,1 MB; 94 Sec) 13.11.19

Marokko Erg Chebbi Ost Anfahrt (22,2 MB; 83 sec) 14.11.19

Marokko Erg Chebbi Motorrad Sandkasten (31,1 MB; 117 sec) 17.11.19
MA,
12.11. – 17.11.2019 Immer wieder bietet der Erg Chebbi, wenn auch mit den Jahren zunehmend touristischer geworden, einen faszinierendeAnblick. In der Sonne glänzende schwarze Steinfelder, Hammada, durchzogen von grünen Bändern, goldrote Sandberge, der eigentliche Erg – lasst eure Fantasie spielen. Am Dayet Srij reduziert Jürgen den Reifendruckwir fahren in den Sandkasten nach Ksar Tanamouste zu Anja und Jörg, schwatzen und Wunden lecken. Abseits der Touristenströme hält der Osten der Grand Dune die Stille der Wüste bereit, Wind und Licht verändern unentwegt das Gesicht der Landschaft, hoch oben am Firmament das helle Band deMilchstraße, langsam bewegt sich die Erde unter dem Sternenhimmel hinweg,Television Berber wärmt in eisig kalten NächtenAus weiter Ferne dringen die Klänge der Trommeln aus den Touristenzelten zu uns. Omar sieht und erkennt unser Auto, kommt zu Besuch, ein Kaffee, ein klein wenig Tauschhandel, leben und leben lassen, gar nicht so einfach am Rande der Sahara. Uns erreicht die Kunde von viel Schnee in den Bergen, Pässe im Mittlern wie Hohen Atlas sind gesperrt für den Verkehr. Welch ein Glück, war uns das Wetter vor wenigen Tagen dort noch hold.

09.11. – 11.11.2019 Mittlerer wie Hoher Atlas bescheren traumhafte Bergwelten. Karge, trotzdem abwechslungsreiche, fast wüstenartig anmutende Landschaft, unterbrochen von sattgrünen Winterweiden und Oasen, dem stahlblauen Wasser des Lac de Tislit. Auf 2500m schlagen wir am Ufer das Nachtlager auf. Über Imilchil und Agoudal verläuft die Straße durch den Hohen Atlas zum Einstieg in dasTal und die Schlucht des Todhra. Siedlungen in traditioneller Lehmbauweise, mehr oder weniger erhaltene Reste alter Kasbahs, Menschen die lachen, rufen und winken lockern immer wieder das Bild auf. Felsformationen, weich fließend wie Petticoats, mit klaren Kanten, an Plisséeröcke erinnernd, geschichtet wie luftiger Blätterteig, Busen der Natur, rund und weich wecken BegeisterungRichtung Tinerhir rücken die hohen Felsen der Schlucht immer enger zusammen, scheinen sich im Himmel zu treffen. Wir fahren bis in die Stadt tanken. Jürgen möchte mit vollen Tanks die steilen Passagen der Querung von der Todhra- zur Dadesschlucht angehen. Nahe des quirligen Dorfes Tamtattouchte finden wir mühelos den Einstieg in die Pistewas uns 2005, mit den Motorrädern unterwegs, nicht gelangAber ich/Marion hätte mich eh nicht getraut die Passage mit der  BMW zu fahren. Zahlreiche steile, enge Passagen, Hanglagen, Steilkehren, hinauf auf 2800m und wieder mehr als 1000 Höhenmeter hinunter, alles was frau so gar nicht braucht. So steht es geschrieben, so wird es erzählt. Wie war es wirklich? Auf zwei Rädern ganz klar nichts für mich, zu lang, zu anstrengend. Mit dem LKW? Es gab einige wenige Stellen, wo ein Fahrfehler fatale Folgen gehabt hätte – die habe ich Jürgen überlassen, dreimal mussten wir in Kehren reversieren. Ansonsten wurden wir durch wunderschöne Landschaft und ein nettes Treffen mit den von Klaus Kinigadner geführten KTM-Piloten belohnt. „Jungs, die fahren das mit dem LKW. Da beschwert ihr euch mit den Moppeds!“ Also ich für mein Teil: s.o.! Am Riad Bleu Afriqua, 29 Km nördlich von Boulmane Dades lassen wir den Abend mit einem leckeren marokkanischen Viergangmenü für unter 30€ ausklingen und rauchen durfte ich auch!
(Auf Drohenfilme müsst ihr leider verzichten, seit längerem ist es stürmisch.)

05.11. – 09.11.2019 Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Betrachter wie Betrachterin sind gerade mal weniger begeistert. Graue Wolken, Nebel und Regen verhüllen die Landschaft, unförmige lange Mäntel und Kopftücher das Gros der Weiblichkeit. Auch der Müll auf dem Parkplatz am Placeel Hedim bei der Medina von Meknes ist einer marokkanischen Königsstadt Stadt mit UNESCO-Welterbestatus unwürdigAber was schreibe ich! In Marokko versucht der König durch Energiekonzepte, die Realisierung erfahren, Verbot von Plastiktüten und Aufstellen von Mülleimern vordringlichen und sichtbaren Problem entgegen zu wirken. In D hingegen werden Müllberg und Ressourcenverbrauch in großem Stil unter dem Deckmantel des Umweltschutzes durch Regierungsmaßnahmen wie Abwrackprämien und Elektromobilität geschürt. Aber morgen, ja da scheint wieder die Sonne, dann sehen wir weiter.
Mehr zu Meknes bei https://de.wikipedia.org/wiki/Meknès oder auf dem Blog, vergangene Reisen https://majuemin.de/winterreise-2018-19-marokko/
Heute ist das Morgen von gestern und die Sonne scheint. Müll und Kopftücher sind noch da, aber auch das Lächeln und Grüßen, geschenkte Granatäpfel und Walnüsse. Zwei Seiten einer Medaille, ebenso wie der typische Geruch Marokkos: Ausdünstungen von Mensch, Tier und Schlachtvieh so wie der Duft orientalischeGewürze, von Rosen, Zedern- und Sandelholz, frischeKräutern, ZitrusfrüchtenNicht weniger bivalent ist der marokkanische Feiertag am 06.11., der 34. Jahrestag zum Grünen Marsch https://de.wikipedia.org/wiki/Grüner_Marschmit deeinerseits dem Wunsch nach Eigenständigkeit des Königreichs Marokko ohne spanisches Protektorat Ausdruck verliehen werden sollteder andererseits aber bis inGebiet von Spanischsahara (ehem. spanische Kolonie Westsahara) führteBis heute ist die endgültige völkerrechtliche Westsahara-Frage ungeklärt. Mehr dazu hier https://de.wikipedia.org/wiki/Westsahara
Bei Azrou im Mittleren Atlas bringt uns die Suche nach einem Nacht- und Reparaturplatz zufällig zur berühmten, doch längst abgestorbenen Cedre Gouraud im riesigen Zedernwald. Zufällig? Ich/Marion suche nach dem Besuch der Berberstadt nach nahegelegenen Pisten und lande den Treffer. Reparatur? Die Shureflowpumpe, die uns mit fließendem Wasser versorgt, ist undicht. Ein nasser Keller im WoMo ist mindestens so unangenehm wie im Haus. Aber nach der langen Zeit darf das sein, nur blöd, dass der Austausch auf ca. 1600m und bei Nachttemperaturen unter dem Gefrierpunkt erforderlich wird. Kein Wunder, hier ist Wintersportgebiet, am nahen Michliffen gibt es sogar einen Skilift. Das nenn´ ich Murphy, aber eigentlich müsste es heißen: selber schuld. Was treiben wir uns auch jetzt in dieser Gegend rum!  Während Jürgen arbeitet durchstreife ich die Wälder mit den Baumgiganten, treffe auf ein englisches Paar und in the middle of nowhere wird die Weltpolitik, das Reiseleben, die Lebensreise und dies und das diskutiert.
Voller Faszination betrachte ich, wie Minouk seine Artenkenntnis erweitert. Die für ihn wohl irgendwie nach kleinen Menschen aussehenden Wesen, mit Fell und Händen, die geschwind auf Bäume klettern und spielerisch darin turnen, nennen wir Berberaffen, die sich hier wenig scheu bestaunen und füttern lassen. Der einzige Primat, der außer dem Menschen in Europa lebt (Gibraltar), jedoch leider vom Aussterben bedroht ist; also die Affen, der Homo sapiens sapiens wird wohl noch etwas länger den Planeten bevölkern. Nach eiskalter Nacht und als stolze Besitzer eines dreibeinigen Klapptisches aus Zedernholz, mit neuer Pumpe sowieso, verlassen wir den Zedernwald.

01.11. – 04.11.2019 In Algeciras ist die LKW-Verladung wenig professionell. Moderne LKW mit geringeBodenfreiheit und die Laderampe deSchiffvon Balearia passen nicht recht zueinander. Die Fahrer leisten Millimeterarbeit, trotzdem setzt der eine oder andere Sattelzug auf. Bodenfreiheit ist für uns kein Thema, aber Jürgen wird von drei Einweisern, die verschiedene Order geben, in eine Lücke eingewiesen, die nahezu kein Spiel hat und uns fast den rechten Außenspiegel kostet. Völlig unnötig, denn der Kahn ist fast halb leer. Mit 30 Minuten Verspätung verlassen wir Europa. Vor dem Hafen Tanger Med drehdie Fähre eine Ehrenrunde, legan und – nichts gehtIrgendwann ertönen die ersten Hupen, zunächst zaghaft, zunehmend mehr und länger. Können wir auch…. ein fast melodisches Konzert. Macht auch Spaß, hilft aber nicht, die Luft zu verbessern oder den Entladeprozess zu beschleunigen. Nach einer Ewigkeit sind wir draußen – atmen Frischluft! Die Immigration erfolgtbereits reibungslos auf dem Schiff, die Zollabfertigung geschieht im Hafen. Wir werden nicht kontrolliert, aber leider brauchdeImport unserer Betas als Sportgeräte ohne Zulassung deutlich länger als geplant, denn die Fahrgestellnummern müssen fotografiert und festgehalten werden, nicht einfach unter der Plane auf der Bühne vier Stunden nachdem wir das hochsommerliche Europa verließen nächtigen wir auf einem Parkplatz nahe Tanger in Marokko.
Dunkle Wolken, niedrige Temperaturen, ab und an Regen heben (noch) nicht die Stimmung. Wir haben fast sechs Wochen Zeit bis zum Flug von Agadir nach Deutschland und entscheiden uns zu eineAbstecher ins Rifgebirge, nördlichster der vier Gebirgszüge, die Marokko durchziehen. Dunkle, tief hängende Wolken, Nebelschwaden, fallendeTemperaturen, Licht, das von der tief stehenden Sonne ausgestrahlt wird, surreale Landschaft, hier und da Siedlungen, Wälder. Sturm kommt auf. Nahe Ketama, zur Zeit des französischeProtektorates Luftkurort, Skigebiet und Zentrum des Rif, heute eher runtergekommene Kleinstadt, endet der Fahrtag in einem Zedernwald.
Tonrote Felsen und Erde, blutrote Kaktusfeigen, goldgelbes Herbstlaub, sattes Immergrün, dazwischen weiß gekalkte Häuser. Das Bild der schönen Welt wird immer wieder von Müll und Schutt zerstört, viel mehr als wir es aus den anderen Landesteilen gewohnt sind. Beschwerlich und karg erscheint das Leben der Landbevölkerung, Handarbeit bestimmt das Bild. Mensch und Esel pflügen mit Müh und Not kleine, felsige Parzellen. Meist hat man für uns ein freundliches Winken und Lächeln. IAl Hoceima wird die Teepause zu einem zwanzigstündigen Aufenthalt, denn Anja und Jörg stehen auf dem Parkplatz am Mittelmeer, dessen Wasser von glasklar, türkis bis stahlblau in der Sonne glitzert; bleiben oder aufbrechen? Klar, bleiben! Wir bummeln durch´s nette Städtchen hoch oben auf einem Plateauberg über dem Meer. Erst 1926 als spanische Garnisonsstadt gegründet erscheint der Ort modern, würde nicht der Anblick von Mädchen und Frauen eine andere Sprache sprechen. Der erste Souk der Reiseda muss ich/Marion kaufen: frisches Obst und Gemüse, nach Weihnachten duftenden Zimt, süßes Sesamgebäck, Salzzitronen – ich denke an Christiane, sende Grüße nach Indien.
Schnell vergehen die Stunden und nach dem Frühstück trennen sich unsere Reisewege, man sieht sich, in sha´allah. Eine schmale, kurvige Straße führt durch das Rif hinauf zum Col du Nador. Wie aus der Vogelperspektive wandern unsere Augen über die weite Bergwelt,schauen hinab in tiefe Täler, erspähen in der Ferne noch das Mittelmeer, der Stausee Asfalou kommt in Sicht – wir bleiben.

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7 Gedanken zu „2019>GoSouth_NW_Afrika

  1. Hallöchen,
    einfach geniale Bilder aus der Wüste und das Bild mit den KTM Jungs ist auch vollkommen genial. Glückwunsch, toller Bericht, berauschende Bilder.

    Danke dafür, …. wir freuen uns auf Euch

    Karola und Rainer

  2. Hallo Ihr Lieben,
    das erinnert mich stark an unsere Überfahrt nach Maroc. Beim Einschiffen hab ich mit unserem Setra sowas von aufgesetzt mit der Hängerkupplung, das es nur so funkte. Bei der anschließenden Lenkaktion, ohne Servo natürlich, bin ich so auf’s Lenkrad geknallt, dass ich mir die Rippen geprellt hatte.
    Beim Ausschiffen standen wir auch in der hintersten Ecke der Fähre und ausgerechnet der Brummifahrer vor mir schlief wohl mit Ohropax. Nur langanhaltendes Hupen und das wilde Geschreie der Einweiser konnten Prinzesschen aus dem Dornröschenschlaf wecken. Da war die Fähre, bis auf uns, schon komplett leer.
    Viel Spass weiterhin in Marokko.
    Bis bald
    Karola und Rainer

    1. Hallo ihr Beiden,
      ja, Fährfahrten sind immer ein kleines Abenteuer. Aber eine gewisse Bodenfreiheit und Servolenkung machen die Sache doch schon einfacher. Ausserdem lernt man die Spreu vom Weizen zu trennen, sprich bei drei Einweisern den auszumachen, der weis was er tut. Wie auch immer, auch in dieser Situation ist ein Presslufthorn mit dem sinnigen Namen ‚Highway‘ recht hilfreich.
      Wir genießen Marokko, jetzt unsere 4. Reise hier, Land und Leute sind immer wieder faszinierend.
      Viele Grüße, majuemin

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