Winterreise 18_19

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Spanien
12.10. – 17.10.2018 Kaum in Spanien angekommen, fallen die zahlreichen Windkraft- und Solaranlagen ins Auge, beides vermissten wir im bereisten Teil der Schweiz. Die etwa 8 Mio. Eidgenossen decken ihren Energiebedarf mittels mehrerer Kernkraftanlagen.
Der Anblick des
Mar del Pireneo, wie der riesige Stausee Yesa auch genannt wird, und der uns bei unserer Reise durch Aragonien vor drei Jahren ob seiner schieren Größe so beeindruckt hat, erschreckt – über weite Bereiche ist alles ausgetrocknet, von eher fadem Grau denn von strahlendem Blau. Gespenstisch ragen vereinzelt Überreste versunkener Bauten aus dem Wasser.
Das ca. 400 qkm große UNESCO-Biosphärenreservat
Las Bardenas Reales https://de.wikipedia.org/wiki/Bardenas_Reales mit halbwüstenartigem Charakter komplettiert das aride Bild, präsentiert sich hier jedoch eher phantastisch: eine Mischung aus Monument Valley (USA) und Kaluts der Lut (Iran), mit bizarren Felsformartionen und wunderbaren Stimmungsbildern. Mitten im Oktober herrscht Hochsommer und am Nationalfeiertag (12.10.) teilen wir uns das Wahrzeichen des Parks, den Castil de tierra, die Burg aus Erde, mit zahlreichen Touristen. Den Abend genießen wir dank Ives und Jürgens Fähigkeiten in der Stille mit phantastischer Aussicht.
Teerstraßen gibt es kaum im Park. Die offiziellen Pisten sind in gutem Zustand, nur auf den Zufahrten zu den Hauptattraktionen entwickelt sich geringfügig Wellblech. Mit den Betas durchstreifen wir die Gegend, 65 bzw. 40
off road Km kommen zusammen. Die Hauptpisten sind 5-Gang-fähig, auf den MTB-Wegen geht es anspruchsvoller zu. Hier sind wir alleine! Vereinzelt Viehherden, Schafe und Ziegen; wir können nur ahnen, wie mühsam es sein muss, auf den steinigen Feldern Ernteerträge zu erarbeiten – die Bewässerung durch den Embalse el Ferial macht es möglich.
Am Sonntag (14.10.) werden wir gleich dreimal patschnass. Die erste Dusche erhalten wir auf der Heimfahrt mit den Betas. Die zweite beim ersten Versuch, die Maschinen zu verladen, die dritte beim zweiten. Kombis und Schuhe werfen wir erstmal ins Führerhaus, Socken, T-Shirts, Motorradpapiere, Reisepass und Euronoten wandern auf die Wäschespinne im Aufbau. Vorteil: Endlich habe ich das Prinzip der Geldwäsche verstanden! Letztendlich stehen die Kräder auf dem LKW, ein leckeres Abendessen ist verspeist und trocknen wird alles auch irgendwann.
Kontakte zu Spaniern sind begrenzt. Wenn wir dann doch einen treffen, bestätigt sich schnell: Wir können kein spanisch. Die Kommunikation per Zeichensprache ist unbefriedigend und so wird beschlossen: wir lernen zumindest einige Grundbegriffe der Sprache. Bekanntlich ist aller Anfang schwer und ich/Marion beschließe, mittendrin einzusteigen; stellt sich als nicht nachahmenswertes Lernmodell heraus – also Vokabeln büffeln, mal sehen, was so geht, oder nicht! Mermelada heißt Marmelade, café = Kaffee, vino = Wein, sollte gehen!
In Santo Domingo de Silos finden wir eine ganz andere Welt: Ein mittelalterlich geprägter Ort, auf dem besten Weg zu geglückter Restauration, die Klamm Garganta de la Yecla, stellenweise kaum schulterbreit, über der in Scharen Greifvögel schweben, ein Kloster (gegründet 929) mit Atem beraubender Stille, beeindruckendem Kreuzgang und ebensolcher Bibliothek, Benediktinermönche, die die Charts stürmten (zwar schon länger her, Mitte der 90er Jahre erhielten sie für ihre Gregorianischen Gesänge Platin). Die Andacht gestaltet sich sehr katholisch: 25 in schwarz gekleidete ältere Männer mit strengen Gesichtern blicken starr in ihre Bücher, der Gesang kommt aus der Konserve – gut zu wissen, es war Platin! Wie anders war doch die Zeremonie der Buddhisten in der Mongolei.
Auch bei Sergio Leone fand die Gegend mit wunderbaren Hügeln, Bergen und Tälern Anklang. Neu Mexiko lies er in der Alten Welt auferstehen und drehte einige seiner Westernepen mit US-Schauspielprominenz in der Umgebung.
Wir brechen auf nach Burgos, in das Land von El Cid.

Frankreich
05.10. – 11.10.2018 Frisch geduscht, mit sauberer Wäsche und aktualisiertem Blog verlassen wir die Schweiz/er Richtung Südwesten entlang des Vierwaldstättersees bis Küssnacht. Wir wollen mit Ive die Hohle Gasse nicht verstopfen und nehmen die Autobahn bis Genf. Majestätisch präsentiert sich der Mont Blanc, macht seinem Namen alle Ehre und über dem Genfer See verzaubert der Dunst die Landschaft im Sonnenuntergang. Fast übersehen wir – Schengen sei Dank – in der aufkommenden Dunkelheit den kleinen Grenzübergang bei Humilly und finden unseren ersten Platz auf französischem Boden. Im Carrefour füllen wir Kühlschrank, Gemüsekiste sowie Weinkeller und erholen uns bei sommerlichen Temperaturen am See bei Nantua von den Strapazen des Einkaufs. Desgleichen macht es eine junge französische Familie, mit Motorrädern unterwegs. Während Muttern die vergleichsweise leicht bepackte 900er Diversion pilotiert, chauffiert Vattern den Rest der Familie, sprich etwa zweijähriges Girlie, sechsjährigen coolen Boy, Boxerhund und Kinderwagen am Boot.
Wir lenken Ive weiter durch 
Frankreichs Hinterhöfe an die Loire bei Roanne. Feuerrot bis goldgelb präsentiert sich zunächst der Herbstwald in der Auvergne. Im späteren Verlauf des Massive Central dominieren dunkle, feuchte Nadelwälder. Aus den Tälern wabern Nebelschwaden hinauf, vermischen sich mit tief hängenden Wolken, aus denen bis Toulouse immer wieder Nieselregen fällt. Während wir in der Auvergne auf kleinsten, engen, nassen und mit Laub bedeckten Straßen unterwegs sind, geht es auf den mautfreien La MéridienneAutoroute du Pastel und der Autoroute Des Deux Mers zügig voran.
Wir passieren Toulouse, fahren vorbei an Airbus Industries und übernachten westlich der Stadt. Nachdem ich/Marion in der Schweiz ohne Bedauern die ersten Socken entsorgt habe, fällt mir der Abschied von meinen schönen E..o-Schuhen schwer, die Sohle gibt ihren Geist auf – alles wandert in den Müll.
In Auch, Herz der Gascogne und Hauptort des Armagnacs wollen wir es mit einem WoMo-Stellplatz versuchen. Das ausgewiesene Preisschild stimmt nicht mit den tatsächlich geforderten Euros überein, Wasser kostet pro 100L zusätzlich zwei EUR, die Stellplätze sind sehr eng, ansonsten gibt es NICHTS. Also parken wir auf dem Parkplatz nebenan, besichtigen das nette Städtchen mit der monumentalen Treppe im Renaissancestil und d´Artagnandenkmal, steigen hinauf zur Marienkathedrale. Die Tafel an den Gedenkkerzen spricht mir aus der Seele, ich zünde je eine Kerze für die Lebenden und die Toten an, der Unkundige des Französischen mag mir das Foto verzeihen.
In Mirande am Plan d´Eau bietet der Camping Municipal exorbitant viel Platz, um Auto und Aufbau ein wenig Pflege angedeihen zu lassen, Auslauf für Minouk, heißes Wasser zum duschen bzw. zur Reinigung weniger Wäschestücke, leider nur theoretisch free WiFi ….und die Betas scharren mit den Hufen. Wir bleiben, das Wetter wird besser! Auf kleinen Sträßchen mit Grünstreifen in der Mitte statt an den Rändern sowie hier und dort Schlamm- und Steinpiste sammeln wir 140 Betakilometer, zuckersüße Feigen und viele Eindrücke. Der Blick auf die nahen Pyrenäen ist wolkenverhangen, so ist die Landschaft nur nett, Ansiedlungen von eher morbidem Charme, häufig bringen Schilder den Wunsch des Verkaufs von Haus und Hof zum Ausdruck, Chateaux sehen wir selten – wir sind verwöhnt von Frankreich.
Drei Wochen sind wir unterwegs. Doch bereits vor einiger Zeit habe ich/Marion festgestellt, nicht die Kilometer 
sind für die Distanz zu Familie und Freunden entscheidend – unterschiedliche Lebensgewohnheiten bzw. -weisen sind es, die uns trennen.
Heute wollen wir rübermachen. Plötzlich ragt vor uns die unüberwindbar erscheinende Mauer aus Fels und Schnee auf. Doch wir finden den 9 Km langen Fluchttunnel durch das Massiv. Am Ende begrüßt uns kalter Regen statt Spaniens Sonne. Bei Tudela klettern die Temperaturen dann jenseits der 25 Gradmarke, und das zum Sonnenuntergang um 19:35 Uhr! Im Naturreservat Las Bardenas Reales finden wir in einer wüstenartigen Landschaft, die an das Monument Valley erinnert, einen wunderbaren Nachtplatz – Stille, Kräuterduft, Sternenhimmel.

Schweiz, unser persönliches Spotligt
Einfach, transparent und vergleichsweise preiswert ist die Bezahlung der Schwerlastabgabe incl. der Verlängerung über Postanweisung. Diesel ist teurer als Benzin und knackt hier und da die zwei CHF-Grenze. Roaming zu EU-Tarifen gibt es nicht, entsprechend hoch sind die Gebühren für Telefon, SMS und Internet. Insgesamt liegt das für uns erkennbare Preisniveau 20 bis 50% über dem in D, dafür bekommt man – z. B. bei Lebensmitteln – oftmals mehr Qualität. Land und Leute erscheinen im bereisten Abschnitt sehr sauber, bestens organisiert und diszipliniert. Die Friedhöfe lehren uns, dass Ehe-Paare meist Doppelnamen haben, Margrit und Peter, dass Schweizer überall auf der Welt krankenversichert sind – auch davon können wir Deutsche nur träumen. Eine besondere Erfahrung ist, dass wir als ehemals Besserverdienende eher als Minderbemittelte in der CH unterwegs sind. Auf Schikanen im Straßenverkehr, wie Drempler und Fahrbahnverengungen, wird verzichtet, exorbitant kostspielig sind dafür Geschwindigkeitsübertretungen und besitzen das Potential, einen zum Fußgänger zu machen. Dank an Jürgen, der den größten Teil der Republik befahren hat, aufmerksam auf Schilder achtend, während ich eher nach dem Motto: Was geht? Was trau ich mich? unterwegs bin. So verlassen wir beide das Land im Besitz der Führerscheine und ohne „Bussen“, wie die Schweizer sagen! Immer wieder gibt es schöne, kostenfreie Stellplätze. Die Menschen begegnen uns freundlich, neugierig, teils neutral. Minouk ist nirgends ein Problem und fuhr Bus, Eisen- und Bergbahn sowie Gondel.

Schweiz
02.10. – 04.10.2018 Der erste Oktober bleibt dem Faulenzen gewidmet; bloggen, lesen, kurze Gassigänge, ein Einkaufstrip, mehr haben wir nicht zu bieten.
Über Nacht ist auf den Höhen der Winter eingezogen, wunderbar glitzert der Neuschnee im Sonnenlicht. Wir wandern durch das warme Rheintal und besuchen Chur, die älteste Stadt der Schweiz, Davos sei die höchst gelegene Europas. Als persönliches Superlativ haben wir euch einen fast 35 Km-Fußmarsch Bonaduz – Chur – Bonaduz anzubieten. Karola, wir holen auf!
Chur, bereits von den Römern besiedelt und schon im 5. Jahrhundert Bischofssitz, war Heimat u.a. für Karolinger, Sarazenen, Staufer und Habsburger.
Eine kleine gewundene Straße führt von Bonaduz durch das Safiental, tief unter uns windet sich der Rhein durch eine enge Schlucht, schmale und niedrige Tunnel folgen aufeinander, Ive zieht den Kopf ein und schafft wieder mal 3,50m „Höhe“.
Insbesondere entlang des Wanderwegs von Tschamut nach Sedrun präsentiert sich die Schweiz wie eine Modelleisenbahnlandschaft. Almwiesen, wie von einem dichten Filzrasen bezogen, kleine Ansiedlungen, die sich in die Talsenken ducken, auf den Hügeln den Wetterunbill trotzende Berghütten; kleine idylische Bahnhöfe, wie vieles hier meist aus Holz gebaut und immer wieder Blumenschmuck.
Eine wunderbare Motorradstrecke bringt uns – diesmal fahren wir sie mit Ive – über Disentis-Muster auf den Oberalppass, der uns im strahlenden Sonnenschein begrüßt. In zahlreichen Kehren windet sich die Straße auf gut 2000m Höhe, hier schlagen wir unser letztes Nachtlager gemeinsam mit MauPe auf, bevor sich unsere Wege trennen. Viel Wunderbares haben sie uns gezeigt von ihrer Schweiz, mit dem Auto und auf den ausgedehnten Wanderungen. Es sind wohl nicht ganz 200 km zusammen gekommen in der Zeit. Herzliche Gastfreundschaft durften wir genießen. Und viel lernten wir über den kleinen Bergstaat, den hohen Stellenwert der Demokratie, die niedrigen Steuern und Abgaben, aber auch über die Kehrseite der Medaille, bestimmt von global agierenden Großkonzernen, die die Welt in ihrem Sinn (aus-)nutzen. Danke aber vor allem für den Blick in eurer Leben!


27.09. – 01.10.2018 Entlang der Landquart waren wir 21 km eher unter dem Aspekt Endurance unterwegs, bei Davos wird es wieder montan. Die Parsennbahn bringt uns bei strahlendem Sonnenschein auf das Weissfluhjoch auf 2663m. Kleine Rechenaufgabe am Rande: Hinunter laufen wir die 1100 Höhenmeter verteilt auf 11Km. Wieder stellt sich heraus, dass Margrit und Peter bergab schneller wären als wir, würden sie nicht auf mich/Marion warten.
Der Zügenwanderweg entlang dem Landwasser verläuft auf der historischen Bergstraße mit ihren zahlreichen Natursteintunnels und Viadukten, bekannt von Postkarten bzw. Reiseführern; bei Wiesen überqueren wir den höchsten und bei Landwasser bestaunen wir den wohl bekanntesten, beide stehen, wie die Räthische Bahn, unter UNESCO-Welterbeschutz. Auch mehr als ein Jahrhundert nach ihrer Errichtung muten die Werke der Bauingenieure, Statiker und Zimmerleute noch meisterhaft an. Nur wenige Jahre nahm der Bau der Trasse in Anspruch und der Zimmermann Coray, verantwortlich für den Gerüstbau des Wiesentunnels, ließ es sich nach Fertigstellung nicht nehmen, als Erster in knapp Hundert Meter Höhe das 20 cm breite Gestell zu überqueren.
In Lenzerheide bekommt Mobilität für uns beide nochmals eine andere Dimension, geht es doch längere Passagen bergauf, hier und dort sogar schmal wie Singletrails.
Bei Chur in Bonaduz schlägt das Wetter um, es regnet. Ein ruhiger Tag scheint bevor zu stehen, mal schauen, was sich ergibt.


23.09. – 27.09.2018 Immer wieder kommt die Sonne hervor, Regenschauer werden selten. Oberhalb von Weinfelden finden wir den Thurberg, ein schöner Flecken Erde, der bereits bei den Jungsteinzeitlern Gefallen gefunden hat. Am Treffpunkt stehen VW-Veteranen und wir inmitten der kleinen Duro-Gruppe mit Ive als Exot. Margrit und Peter lassen mit ihrem perfekt aufbereiteten Vortrag große Teile unserer >GoEast-Reise wieder aufleben und so verstehe ich/Marion trotz Schwyzer Dütsch(oder so) die Geschichten der Beiden von ihrem Asien-Russland-Baltikum-Trip.
Vor dem Aufbruch Richtung Berge lassen wir noch den Sturm der Sonntagnacht über uns hinwegfegen, dann entführen uns die Schweizer über teils kleinste Sträßchen in ihre Bergwelt. Über Appenzell fahren wir bis Klostersan den Fuß der Madrisa Bergstation. Die Gondeln schaukeln uns von 1100m auf ca. 1800m, hinab wählen die Beiden den Monstertrottiweg. Das muss ich kurz erklären: Trottinets sind spezielle Roller, die an sich auf dem Trottoir (Bürgersteig) fahren, die können hier oben geliehen und nach erfolgreicher Abfahrt an der Talstation wieder abgegeben werden. Es gibt zwei Möglichkeiten, sich mit den Trottis den Berg hinab zu stürzen, den Familientrottiweg oder halt den Monstertrottiweg, auf gut deutschDownhilltrail, für den sich wie gesagt, die Beiden entscheiden, und so mache ich die Erfahrung, mit zwei gesunden Beinen langsamer als die beiden mit dem 3-Rad-Rolli zu sein. Dabei haben wir noch auf die Trottis verzichtet, mit denen wäre ich wohl nie!!! heil unten angekommen, na ja, halt echter Flachlandtiroler. Respekt, Respekt vor eurer grandiosen Leistung MauPe.
Einiges lernen wir über die Schweiz, über das hohe Preisniveau, und dem Staat, der den Bürgern vom Verdienst deutlich mehr Geld in den Taschen lässt als bei uns, erfahren von der Demokratie im Land, in der noch Volkes Stimme zählt und den Möglichkeiten und Grenzen eines selbstbestimmten Sterbens.

 


19.09. – 22.09.2018 Der Abschied zur Winterreise verlief in vielen kleinen Dosen, entsprechend gering ist die Anzahl derer, die sich bei der Abfahrt um Ive scharren. Versorgt mit Selbstgemachtem, Mitbringseln in fester und flüssiger Natur, ersten Weihnachtspräsenten und zugehörigen Kerzen sowie guten Wünschen starten wir gen Süden. Länger als geplant sind wir zu Hause geblieben. Die Zeit war überschattet von sieben Todesfällen imittelbaren Umfeld und zwei weiteren Schicksalsschlägen. Das ging an die Substanz, oftmals lagen unsere Nerven blank und no sense-Politik und die Bürokratie,die uns fest in den Klauen hatteerzeugte neben Ohnmacht auch schnell WutInsbesondere für die jungen Menschen sehnen wir uns nach dem wind of changeauch in unserem Land, wo Politiker Demokratie, Kultur und soziale Marktwirtschaft wieder als Werte respektieren.
Die 
lange Heimzeit bringt aber auch schöne Stunden und Gelegenheit zu zahlreicheAustausch mit Familie und Freunden. Verständnis für unser Reisefieber haben meist all jene, die selbst unterwegs (gewesensind, aber auch sie tun sich mit Antworten auf die oft gestellten Fragen schwer: Warum reist ihr? Was gefällt euch an dem entbehrungsreichen Leben? Warum wollt ihr denn wieder aufbrechen, hier ist es doch auch schön? Was vermisst ihr hier und last but not least: Habt ihr keine Angst unterwegs? Die Antwort auf die letzteFragefällt leicht: Nein, wir hatten keine Angst und wir vermissen Familie und Freunde. Die Antworten auf die anderen Fragen tippen sich nicht so leicht in die Tastatur. Zahlreiche kluge Menschen haben erkannt, Reisen ist tödlich für Vorurteile (Mark Twain 1835 – 1910) und.das einzig Taugliche gegen die Beschleunigung der Zeit(Thomas Mann 1875 – 1955). Soweit so gut und wenn du denkst, Abenteuer seien gefährlich, versuche es mit Routine. Diese ist tödlich.(Paulo Coelho 1947 – ). Gerade in Zeiten zunehmender Krisenstimmungen zwischen Großmächten und denen, die sich dafür halten, drängt sich uns auch der Eindruck auf, die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben (Alexander von Humboldt 1769 – 1859).
Nehmen wir doch mal Abstand von der Jetztzeit und schauen uns die Menschheitsgeschichte aus der Vogelperspektive an, dann erscheint das Reisen als ein natürliches Bedürfnis, fest verankert in unseregenetischen Mitgift. Seit der Entwicklung vom Urzeitmenschen zum Homo sapiens sind unsere Vorfahren Millionen von Jahren gewandert, haben als erste Backpacker ihre zumeist wenigen Habseligkeiten über teils gewaltige Strecken von Ort zu Ort getragen und sowohl aus Zwang – der Supermarkt war sozusagen leergegessen – als auch aus Neugier neue Gegenden und Jagdgründe erschlossen. Die Neugier, die in uns steckt, können wir bestens an den Kleinsten unserer Art bei ihren lustvollen Bemühungen, die Welt zu erobern, erkennen. Vor kurzem, also vor Jahrzehntausenden, versuchte man es mit einer neuen Lebensform, aus den Jägern und Sammlern wurden Sesshafte. Das Nomadentum starb weitestgehend aus. Behausungen wurden errichtet, Grenzen gezogen, Vorräte angelegt, in größerem Umfang entstand Hab und Gut – und schon ging es los mit dem Stress; Neid und Missgunst kamen auf – bis heute zu. Wachstum ist der Götze, dem wir dienen sollen, ständig sind wir umworben von must haves, die unser Leben vermeintlich attraktiver machenDerart betrachtet erscheint mir/Marion nun die Antwort auf die gestellten Fragen einfacher: Reisen, manche nennen es das Verlassen der Komfortzone, ist ein Weg zurück zu den Wurzeln unserer menschlichen Natur und zu den Reichtümern, über die wir einst wohl verfügten und die wir heute so oft vermissen als da wären Reise-Freiheit und Zeit, Gemeinsamkeit in einer Gesellschaft mit fair erarbeitetebzw. erkämpfteund respektierteStellung, das Fehlen von Grenzen und Besitztum, das es gilt, zu verteidigen und vieles mehr.
Verzeiht den Exkurs in die Geschichte und ü
ber das Verhalten unserer Ahnen, das spannende Thema hat mein Studium begleitet und Der nackte Affe (Desmond Morris) teiltemit mir das Nachtlager. Sehr anregend liest sich in dem Zusammenhang auch Eine kurze Geschichte der Menschheit von Y. N. Harari.
Und so sind wir also wieder unterwegs, diese Reichtümer zu entdecken, zu erleben, zu genießen aber auch um wieder zur Ruhe zu kommen und Kraft zu tankenVieles lassen wir zurück, was noch hätte erledigt werden „müssen“… Es wird sich fügen!
Toll, das sihr uns erneut begleitet und besucht! Und versprochen – demnächst gibt es wieder viele Fotos und wenig(er) Text 😉
Saarbrücken: Peter weilt nicht in Saarbrücken und so gibt es statt Towerführung einen Abendspaziergang und ein Bier im Sonnenuntergang.
Sindelfingen: Herzliche Gastfreundschaft bieten Renate und Christoph – nicht nur wegen Schwarzwälder Kirsch und köstlicher Lachsforelle.
Bodensee: erste Regentropfen!
Grenzübergang Tägerwilen/CH: erfolgloser Versuch, die Schwerlastabgabe für Ive zu entrichten.
Grenzübergang Kreuzlingen: keine 5 Km weiter klappt es problemlos, sehr freundlicher Zöllner, wir sind in der Schweiz, kostet uns für acht Tage 25€, das Pickerl für die Autobahn ist inbegriffen.
Weinfelden: Wir finden das Durotreffen nicht, es wird dunkel, Regen kommt hinzu, so parken wir am kleinen Flughafen, versuchen es morgen mit Hilfe von Internet bzw. Peter Scherrer https://maupe.jimdo.com der auf dem Treffen seinen Vortrag halten wird.

 

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7 Gedanken zu „Winterreise 18_19

  1. Hallo ihr Lieben,
    nun haben auch wir mit Marions Hilfe den Zugang zum aktuellen Blog gefunden. Zum Glück! Die tollen Fotos lassen die Schönheit der Erlebnisse erahnen und machen Lust……Besonders amüsiert haben wir uns über Minouk als Statur zwischen den Porzellanhunden.
    Euch weiterhin viel Spaß und alles Gute — jetzt haben wir Euch im Visier!
    Liebe Grüße
    Silva und Joachim (ein besonderer Hundegruss an Minouk von Cira)

  2. Hallo majuemins,

    das sind ja tolle Bilder aus der Schweiz! In Frankreich müsstet ihr euch ja langsam besser auskennen als in den meisten Regionen Deutschlands:)
    Weiterhin eine schöne Reise.

    LG, Simon

    1. Hallo Simon,
      ja, das ist wohl so, dass wir F besser als D kennen. Deshalb haben wir es diesmal auch recht schnell hinter uns gelassen, um für Spanien und Portugal mehr Zeit zu haben. In den Bardenas Reales haben wir eine tolle Landschaft und im Oktober den Hochsommer gefunden!
      Dir auch eine gute Zeit auf Reisen,
      majuemin

  3. Hall ihr drei,

    ich hoffe ihr habt das Treffen dann doch noch gefunden und hattet eine schöne Zeit?
    Ich wünsche euch für eure weitere Reise alles Gute und warme Temperaturen. Hier ist es von heute auf morgen verdammt kalt geworden…

    LG,
    Simon

    1. Hallo Simon,
      Treffen hat stattgefunden, Wetter ist super und die Berge sind schon beeindruckend. Waren auch mal in Davos, hier ist die gehobene Gesellschaft unterwegs, allerdings ist auch der Altersdurchschnitt eher gehoben.
      Viele Grüße,
      majuemin

  4. Hallo Ihr Lieben.
    Wie schön, dass es für Euch wieder weitergeht. Wir sitzen am Sonntags-Frühstückstisch und denken an Euch.
    Wir wünschen Euch eine spannende Reise in dem auch uns bekanntem Terrain und freuen uns auf viele spannende Berichte..und sogar Schlenker in die Steinzeit. ;0)
    Bon Voyage
    Karola und Rainer

    1. Hi ihr Lieben,
      wie schön, dass ihr uns gefunden habt und wir freuen uns von euch zu lesen. Ja, ja, wir sitzen hier am Thurberg, besiedelt seit der Jungsteinzeit – ich gelobe aber Besserung 😉 Aber manchmal muss es eben sein.
      Liebe Grüße, majuemin

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